Warentest

Reizdarm: Nur drei Produktgruppen geeignet

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Berlin -

Stiftung Warentest hat verschiedene Mittel zur Behandlung des Reizdarm-Syndroms getestet. Das Verbrauchermagazin hält nur drei Produktgruppen für „bedingt geeignet“. Die Therapie des Syndroms ist komplex und setzt sich neben der medikamentösen Therapie vor allem aus einer Ernährungsumstellung und psychologischen Hilfeleistungen zusammen.

Reizdarm-Patient:innen haben oft einen langen Leidensweg bis zur Diagnose hinter sich. Verschiedenste Produkte sollen Abhilfe schaffen. Oftmals handelt es sich bei den Produkten um Phytopharmaka, Probiotika oder Nahrungsergänzungsmittel. Ob die Präparate halten, was sie versprechen, hat Warentest überprüft. Insgesamt 19 Produkte hat das Verbrauchermagazin unter die Lupe genommen – 13 Präparate erhalten das Urteil „wenig geeignet“.

Bakterien lindern Beschwerden

Kijimea (Synformulas) überzeugte das Verbrauchermagazin nur teilweise: Während die Studienlage zu Kijimea Reizdarm nicht ausreichte, konnte das Produkt Kijimea Reizdarm Pro mit einer Studie überzeugen. Im Vergleich zur Placebo-Gruppe konnten die Symptome jedes siebten Kijimea-Reizdarm-Pro-Behandelten verbessert werden, so Warentest. Kijimea Reizdarm enthält Bifidobakterien. Kijimea Reizdarm Pro enthält den gleichen Bakterienstamm, allerdings in Hitze-inaktivierter Form. Diese soll laut Hersteller 40 Prozent wirksamer sein.

Der Wirkmechanismus soll darauf beruhen, dass sich das Bakterium wie ein Pflaster auf die geschädigten Stellen der Darmwand legt und diese schützt. Durch die physikalische Adhäsion soll ein weiteres bakterielles Eindringen verhindert werden, die geschädigten Stellen können sich schließlich regenerieren und die typischen Beschwerden werden gelindert. Kijimea Reizdarm Pro wird nur einmal täglich eingenommen. Es wird eine Einnahmedauer von mindestens vier – besser zwölf Wochen – emfohlen. Eine erste Linderung sollte bereits nach der ersten Woche zu spüren sein.

Pfefferminzöl und Butylscopolamin

Auch vier Präparate mit Pfefferminzöl konnten mit Einschränkungen überzeugen. Das pflanzliche Öl wird auch laut neuer S3-Leitlinie zum Krankheitsbild Reizdarm empfohlen. „Pfefferminzöl hält im Rahmen der komplementären Therapieverfahren auf der Basis von zahlreichen placebokontrollierten Studien und Meta-Analysen und dementsprechend starker Evidenz den stärksten Empfehlungsgrad A mit starkem Konsens inne“, heißt es seitens der Autoren der Leitlinie. Und auch Warentest hält die Präparate Buscomint (Sanofi), Chiana (Hübner), Klosterfrau Reizdarm (Klosterfrau) und Tetesept Reizdarm akut (Tetesept) für geeignet.

Der bereits lange zugelassene Wirkstoff Butylscopolamin (enthalten unter anderem in Buscopan, Sanofi) wirkt nachgewiesenermaßen spasmolytisch auf die Darmmuskulatur. Laut Warentest müssen hier aber weitere Studien zur Wirksamkeit angeschlossen werden.

Zu den „wenig geeigneten“ Mitteln gehören Gelesectan (Klinge), Iberogast sowie Iberogast Advance (Bayer) und Symbioflor 2 (Symbiopharm). Die therapeutische Wirksamkeit sei bei diesen Mitteln nicht oder nur unzureichend belegt.

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