Ratiopharm hat gerade Ahzantive (Aflibercept) auf den Markt gebracht. Das Biosimilar zu Eylea kommt aus dem Imperium der Strüngmann-Familie, die früher mit Hexal und heute mit Aristo zu den schärfsten Konkurrent des Generikakonzerns aus Ulm zählen.
Das Präparat wurde unter dem Namen FYB203 durch Formycon entwickelt. Beim Biotechunternehmen mit Sitz in Martinsried war die Strüngmann-Familie Ende 2013 eingestiegen. „Biosimilars werden zukünftig einen wichtigen Teil der Patientenversorgung weltweit ausmachen“, sagte Dr. Thomas Strüngmann damals.
Zunächst floss ein einstelliger Millionenbetrag, um die Entwicklung und Vermarktung des ersten Produkts zu ermöglichen. Mit Erreichen bestimmter regulatorischer und umsatzbezogener Ziele wurde laut Vereinbarung ein dreistelliger Millionenbetrag fällig. Heute gehören der Familie rund 24 Prozent, weitere Aktionäre des mittlerweile börsennotierten Unternehmens sind die Milliardärsfamilie Wendeln und der Investor Detlef Spruth, der ungarische Hersteller Gedeon Richter sowie der frühere Stada-Investor Active Ownership. 6 Prozent gehören Gründern und Management, 36 Prozent sind in Streubesitz.
Dass die Hersteller von Biosimilars ihre Präparate über Lizenzpartner auf den Markt bringen, ist nicht ungewöhnlich. Imraldi etwa wurde von Samsung Bioepis entwickelt und wird von Biogen vertrieben. Hulio kommt von Biocon, stammt aber von Fujifilm Kyowa Kirin. Stada wiederum kooperiert mit Alvotech.
Im Falle von FYP203 kommt die Linzenz aber nicht von Formycon selbst, sondern von Klinge Biopharma, eine 100-prozentige Strüngmann-Tochter, die ihrerseits Lizenzpartner von Formycon ist, aber selbst keine Produkte vertreibt.
Es ist nicht das erste Formycon-Präparat, das über Ratiopharm vermarktet wird. Unter dem Namen Ranivisio (Ranibizumab) hat der Konzern ein Lucentis-Biosimilar im Sortiment, das unter dem Namen FYB201 entwickelt wurde. Auch Fymskina (Ustekinumab), ein Konkurrenzprodukt zu Stelara, kommt aus dem Hause Formycon (FYB202). Vier weitere Biosimilar-Kandidaten – darunter FYB206/Pembrolizumab und FYB208/Dupilumab – befinden sich derzeit in der Entwicklung.
Mit dem Verkauf von Hexal an Novartis hatten die Strüngmann-Brüder ein Milliardenvermögen gemacht, heute sind sie mit Aristo und Klinge wieder im Generika- und OTC-Bereich aktiv. Außerdem gehört ihnen ein rund 40-prozentiges Paket an Biontech. Aicuris wurde gerade für 780 Millionen Euro an den japanischen Mischkonzern Asahi Kasei verkauft.
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