Katerfly bleibt im Handel

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Berlin - Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass für alkoholische Getränke breit in der Öffentlichkeit geworben werden darf, die Behörden bei Mitteln gegen den alkoholbedingten „Kater“ aber rigoros sind. Dass das Mittel „Katerfly“ sofort aus dem Verkehr gezogen werden sollte, ging dem Oberverwaltungsgericht NRW dann aber doch zu weit. Die aufschiebende Wirkung der Klage des Herstellers Philpharma wurde wieder hergestellt. Die Bezeichnung des Produkts muss nun im Hauptsacheverfahren geklärt werden.

Katerfly wird als Nahrungsergänzungsmittel in Apotheken, Drogeriemärkten, bei Edeka und Amazon vertrieben. Die Brausetabletten enthalten Elektrolyte, Zucker, Kalium, Natrium und Vitamin C. Der Hersteller wirbt damit, dass es besonders nach einer langen Partynacht „medizinisch sinnvoll“ sei „zuerst einmal den Flüssigkeitsverlust und den Elektrolytmangel auszugleichen“. Entwickelt wurde das Produkt von Apotheker Philipp Heift, der auch Geschäftsführer bei Philpharma ist. Beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit ist Katerfly nach Herstellerangaben ebenfalls angemeldet.

Philpharma hatte schon wegen der früheren Bezeichnung Ärger: 2014 verbot das Landgericht Köln den damaligen Namen „Katerfrei“. Das Argument: Es handele sich um eine unzulässige krankheitsbezogene Angabe. Es folgte die Umbenennung in „Katerfly“. Damit gab sich der Verband sozialer Wettbewerb seinerzeit zufrieden.

Nicht so die Aufsichtsbehörde, die im Februar 2021 eine Ordnungsverfügung erließ: Spätestens aber innerhalb von vier Wochen sei der Produktname im Zusammenspiel mit der Ergänzung und der Verzehrempfehlung soweit abzuändern, dass dadurch dem Produkt keine Eigenschaften der Vorbeugung, Behandlung oder Heilung einer menschlichen Krankheit zugesprochen werde.

Die Begründung: Die mit übermäßigem Alkoholkonsum verbundenen Symptome („Alkoholkater“) seien als Krankheit einzustufen. Der Produktname impliziere, dass der „Kater“ und die mit ihm einhergehenden Symptome praktisch davonflögen. Die Verzehrempfehlung stehe im Widerspruch zu der angegebenen Wirkung von Vitamin C, nämlich der Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung. Wenn das Produkt die angegebene Wirkung haben solle, sei statt vor dem Schlafengehen und nach dem Aufstehen vielmehr eine Einnahme vor oder während der Partynacht angezeigt, um Ermüdungserscheinungen zu begegnen und die weitere Teilnahme an der Party oder dem Nachtleben zu ermöglichen.

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