Arzneimittelhersteller

Führungswechsel auf dem globalen Impfstoffmarkt

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Berlin -

Auf dem globalen Markt für Impfstoffe hat die Führungsposition den Kontinent gewechselt: GlaxoSmithKline (GSK) hat MSD Sharp & Dohme als den weltgrößten Impfstoffhersteller abgelöst. Und Analysten zufolge wird der britische Konzern seinen Vorsprung in den kommenden Jahren noch ausbauen.

Auf einem konsolidierten Markt wie dem für Impfstoffe kommen grundlegende Verschiebungen eher selten vor. Wenn man einem Report des US-Fachmagazins FiercePharma Glauben schenkt, steht im Impfstoffgeschäft jedoch eine kleine Zeitenwende an, denn GSK ist seit 2014 auf dem Weg an die Spitze und hat die Hürde zu Platz 1 im vergangenen Jahr genommen. Seinen Vorsprung im Vakzinen-Business wird der insgesamt siebtgrößte Pharmakonzern der Welt Analysten zufolge bis 2024 sogar noch erheblich ausbauen.

6,96 Milliarden US-Dollar hat GSK 2017 mit Impfstoffen umgesetzt, beinahe 800 Millionen Dollar mehr als im Vorjahr. Und bis 2024 wird eine weitere Steigerung auf fast 11 Milliarden prognostiziert. Ein Quantensprung war der Megadeal mit Novartis im Jahr 2014: Für 7,1 Milliarden Dollar hatte GSK die Impfstoffsparte der Schweizer übernommen. Ausgenommen waren allerdings die Grippeimpfstoffe.

Beobachter zweifelten damals am Sinn der Transaktion, denn Novartis hatte umgekehrt für 14,5 Milliarden Dollar die vielversprechende Onkologie-Sektion von GSK übernommen. Die geschäftliche Entwicklung der vergangenen Jahre bestätigte jedoch die Entscheidung des damaligen CEO Andrew Witty.

So stiegen allein die Erlöse aus Meningitis-Impfstoffen wie Bexsero gegen Meningokokken B im Jahr 2017 um 27 Prozent auf über 1,1 Milliarden Dollar. Wachstumschampion unter den GSK-Impfstoffen ist jedoch Cervarix: Die HPV-Vakzine legte um 57 Prozent auf 174 Millionen Dollar zu, vor allem dank des Markteintritts in China, wo sie mit MSDs Gardasil konkurriert.

Der Überraschungsstar im Impfstoff-Portfolio ist jedoch Shingrix: Die vergangenen Herbst in den USA und im Frühjahr hierzulande zugelassene Vakzine zur Vorbeugung von Herpes Zoster und postzosterischer Neuralgie übertrifft die Erwartungen und wird schon dieses Jahr voraussichtlich 600 Millionen Dollar in die Kassen spülen. Tatsächlich legte Shingrix einen derart guten Start hin, dass der Konzern der großen Nachfrage wegen Lieferbeschränkungen ankündigen musste, um genug vorrätig zu halten. FiercePharma zufolge hatten sich gar zwei US-Senatoren in einem Brief an CEO Emma Walmsley gewendet, um eine Beschleunigung der Produktion zu fordern.

Mit Shingrix gräbt GSK MSDs Zostavax zunehmend das Wasser ab. Um 45 Prozent sind dessen Erlöse seit der Markteinführung des Konkurrenten eingebrochen, was dazu beitragen dürfte, den Abstand zwischen Erst- und Zweitplatziertem zu vergrößern. Denn auf GSK folgt MSD, dessen Impfstoffsparte sich mit einem Wachstum von 4,8 Prozent auf 6,5 Milliarden Dollar ebenfalls zum Positiven entwickelt.

Star im MSD-Impfstoff-Portfolio ist weiterhin Gardasil, dessen Umsatz um 6 Prozent auf 2,3 Milliarden US-Dollar gestiegen ist. Das stärkste Wachstum konnte jedoch der Pneumokokken-Polysaccharid-Impfstoff Pneumovax 23 hinlegen: Um 28 Prozent stiegen die Erlöse auf 641 Millionen Dollar. Auch RotaTeq zur Immunisierung gegen das Rotavirus legte um 5 Prozent zu und brachte 652 Millionen Dollar ein.

Auch Sanofi auf Platz 3 hat sich 2017 insgesamt gut entwickelt – und das, obwohl die Franzosen mit einigen Rückschlägen zu kämpfen hatten. Insbesondere der Impfskandal auf den Philippinen setzte dem Unternehmen zu. Die Erlöse des Denguefieber-Impfstoffes Dengvaxia, um den sich der Skandal drehte, fielen daraufhin ins Bodenlose. Dennoch konnte sich das Gesamtwachstum sehen lassen: Um stattliche 11,4 Prozent wuchs die Sparte und brachte 2017 6,1 Milliarden Dollar ein. Anfang vergangenen Jahres hatte Sanofi nach 20 Jahren sein Impfstoff-Joint-Venture mit MSD aufgelöst. Seitdem ist Sanofi Pasteur als eigene Geschäftseinheit in die Sanofi-Gruppe integriert.

Knapp hinter Sanofi rangiert Pfizers Impfstoffsparte. Wobei Sparte vielleicht schon zu viel gesagt ist, denn das Impfstoffportfolio besteht im Wesentlichen aus einem Produkt: Prevenar 13, dem umsatzstärksten Impfstoff der Welt, der mit 93 Prozent des 6 Milliarden Dollar großen Sparten-Umsätze einfährt. Auch derzeit zieht er noch den Gesamtumsatz von Pfizers Rx-Sparte. Doch Prevenar 13 ist auf dem absteigenden Ast, der Umsatz fiel von 6,2 Milliarden Dollar 2915 auf 5,6 Milliarden 2017 und die Konkurrenz steht schon mit eigenen Pneumokokken-Impfstoffen in den Startlöchern.

Platz 5 gehört Seqirus, dem zweitgrößten Hersteller von Grippeimpfstoffen auf der Welt. 2015 war er aus dem Zusammenschluss von CSL und der Abteilung für Grippeimpfstoffe von Novartis entstanden. Seqirus hat bereits einen Jahresumsatz von einer Milliarde US-Dollar, will aber ab der Grippesaison 2019/20 auch hierzulande durchstarten. Dann soll die QIVc hierzulande erhältlich sein, eine auf Basis von Zelllinien statt Hühnereiern produzierter Impfstoff.

Einen Fürsprecher für diese Art von Influenzavakzinen hat Seqirus dabei an prominenter Stelle: Scott Gottlieb, Direktor der US-Arzneimittelbehörde FDA zeigt sich angetan von dem Konzept. Es habe sich in der auch in den USA besonders schweren Grippesaison 2017/18 als bis zu 20 Prozent effektiver erwiesen als herkömmliche Grippeimpfstoffe. Das dürfte für die Geschäftsentwicklung der nächsten Jahre Hoffnung machen.

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