FAZ-Beitrag sorgt für Verwunderung

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Mit ihrem Bericht über mögliche künftige unternehmerische Tätigkeiten des Deutschen Apothekerverbandes (DAV) hat die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) in der Branche für Aufregung gesorgt. Pharmazeuten und Großhändler distanzieren sich von den Inhalten des Beitrags, demzufolge in der „Führungsriege der Apotheker“ erwogen wird, „sich an einem starken, möglicherweise noch zu bildenden Großhändler zu beteiligen und so eine 'Apothekenkette von unten' zu bilden“.

Beim DAV bestätigte man zwar, dass „im Sinne der Zukunftsfähigkeit der inhabergeführten Apotheken“ viele Gespräche geführt würden. Zum jetzigen Zeitpunkt gebe es jedoch weder faktisch ein Gemeinschaftsunternehmen mit Großhändlern oder Dienstleistern noch konkrete Pläne dazu, so ein Sprecher gegenüber APOTHEKE ADHOC.

Die Idee, der DAV arbeite am Aufbau eines neuen Grossisten, sei angesichts der Marktsituation ohnehin „ein pures Gerücht“. Die im Bericht nicht näher erklärte Idee einer „Apothekenkette von unten“ sei sogar „absurd und allein der Fantasie des Autors entsprungen“. Ob und wann der DAV sein Zukunftskonzept für die Apotheken vorstellen wird, wollte der Sprecher nicht weiter kommentieren.

Verwundert nahmen auch die Großhändler die geschilderten Fakten zur Kenntnis: Ein Sanacorp-Sprecher sagte gegenüber APOTHEKE ADHOC, dass es noch keinen abschließenden Beschluss zum Thema gebe. Im Beitrag war Sanacorp-Chef Manfred Renner zitiert worden, man werde sich nicht an dem Joint-Venture beteiligen.

Beim Großhandelsverband Phagro wollte aufgrund der dürftigen Informationslage niemand eine Stellungnahme zu den konkreten Aktivitäten des DAV abgeben. Zu den Schilderungen über den Großhandelsmarkt sei man von der FAZ nicht kontaktiert worden. Der Phagro dementierte daher Informationen des Beitrags, nach denen Gespräche zu einem neuen Preisbildungsmodell mit der Regierung abgesagt worden seien. Die Noweda sowie die Deutsche Apotheker- und Ärztebank, die dem Bericht zufolge ebenfalls in die Vorbereitungen involviert sein soll, äußerten sich nicht zu den Ausführungen.

Die Argumentationslinie der FAZ folgt teilweise derjenigen eines Aktionärsvertreters, der auf der Hauptversammlung der Andreae Zahn Noris AG (Anzag) mit Verweis auf ein geplantes Joint-Venture versucht hatte, Anzag-Aufsichtsratschef Manfred Renner gleich zu Beginn als Versammlungsleiter abzuwählen.

Auch der vorläufige Vertriebsstart des zur britischen Alliance Boots gehörenden Generikaherstellers Almus über bestimmte Großhändler musste sowohl auf der Hauptversammlung als auch in der FAZ als Argument für eine konstatierte Spaltung im Großhandelsbereich hinhalten. Tatsächlich hatten sowohl Almus-Chef Dr. János Váczi als auch verschiedene Großhändler gegenüber APOTHEKE ADHOC bereits im Vorfeld bestätigt, dass das Vorgehen zum Markteintritt üblich und nicht politisch intendiert sei.

Lesen Sie dazu auch: Kräfteverschiebung bei der Anzag
www.apotheke-adhoc.de/index.php

Lesen Sie dazu auch: Almus startet mit Rabattverträgen
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