Wechsel des Großhändlers

Elac: Phoenix ist ein „Thema“

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Berlin -

Bei den Apotheken ist der Ärger über die starre Haltung des Großhandels nach der Skonto-Sperre groß – so groß, dass mitunter alte Partnerschaften in Frage gestellt werden. Immerhin geht es um viel Geld. Besonders hart trifft es derzeit Marktführer Phoenix, denn nicht nur viele Apothekenberatungen rufen zum Wechsel auf. Auch die großen Kooperationen sehen in Mannheim kein Entgegenkommen. Die Folge könnten millionenschwere Verluste sein.

Seit knapp zwei Wochen bestellen nicht nur einzelne Apotheken nicht mehr bei Phoenix als Hauptlieferanten. Das ist eine Reaktion auf die verhärteten Verhandlungen. Nicht nur, dass es kein Entgegenkommen gibt, vielmehr hat der Branchenprimus jetzt auch noch das Zahlungsziel in seinen AGB geändert – vermutlich um im Falle einer Freigabe nicht zurück zum Status quo ante zurückkehren zu müssen.

In Mannheim will man sich zur kolportierten Abwanderung der Kundschaft nicht äußern. Auch eine Antwort, ob es bald eine Bewegung beim Marktführer geben wird, bleibt der Konzern schuldig.

Umsatzstarke Guten-Tag-Apotheken fehlen

Fraglich ist, wie lange Phoenix die Situation noch aussitzen will – und kann. Denn dem Vernehmen nach fehlt dem Großhändler ein Millionenbetrag, da sich große, umsatzstarke Apotheken abgewendet haben. Dazu zählen vor allem Mitglieder der Kooperation Elac. Nicht wenige der insgesamt rund 490 Guten-Tag-Apotheken bestellen derzeit lieber bei AEP. „Phoenix sind Umsätze fast in Höhe einer Niederlassung weggebrochen“, schätzt ein Branchenkenner. Sogar von einem Streit ist die Rede.

Elac-Geschäftsführer Frank Baer bestätigt: „Wir haben ein Thema.“ Phoenix sei seit 20 Jahren ein Partner und damit seit der Gründung der Kooperation dabei. „Da hat man Erwartungen gehabt.“ Aber man wünsche sich auch künftig eine Zusammenarbeit mit der Phoenix, so Baer diplomatisch. Eine aktiv ausgesprochene Empfehlung, den Lieferanten zu wechseln, soll es nicht gegeben haben.

Freie Großhandels-Wahl

Aber die Zahlen, die den Mitgliedern präsentiert wurden, sprechen für sich. Während Phoenix und der zweite Partner Gehe/AHD kein Entgegenkommen signalisierten, brachte sich mit AEP der dritte Großhandelspartner in Spiel. „Jeder Betrieb muss schauen, wo er bleibt“, sagt Baer. Dass Apotheken nur noch bei AEP bestellen, sieht er nicht. Denn es gehe auch um die Warenverfügbarkeit. „Wir sind mit allen in Gesprächen, letztlich muss man schauen, wo es ein bisschen besser als wenig ist.“ Wenn eine Apotheke wechsele, sei es vollkommen in Ordnung, wenn es dort die besseren Möglichkeiten gebe, so Baer.

Die Elac verpflichtet ihre Mitglieder, mindestens 80 Prozent ihres Großhandelsvolumens über einen Großhandelspartner zu bestellen. In der Branche wird erwartet, dass sich die Lieferanten langsam bewegen. Tatsächlich werden bei Phoenix die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) angepasst und eine sofortige Zahlung nach Rechnungseingang eingefügt. Dies dürfte vor allem als Vorbereitung mit Blick auf eine gesetzliche Rücknahme der Skonto-Sperre geschehen.

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