Versandhandel

Die DocMorris-Apo-Rot-Connection

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Berlin -

Das Kartellamt hat DocMorris die Übernahme der Versandapotheke Apo-Rot erlaubt. Was bedeutet das für die gleichnamige Apothekenkooperation? Die Mitglieder waren zunächst verunsichert. Doch Gründerin Birgit Dumke konnte die Kollegen beruhigen. Das neue Miteinander wird für beide Seiten trotzdem zur Herausforderung, wenn die niederländische Versandapotheke die Alleinherrschaft über den Internetauftritt übernimmt.

Für die 19 Mitgliedsapotheken, vier weitere betreibt Dumke selbst, werde sich zunächst gar nichts ändern. „Was gut war, werden wir auch künftig beibehalten“, versichert die Apothekerin. Das hatte sie auch den teilweise besorgten Mitgliedern bei einer halbtägigen Veranstaltung unmittelbar nach Abschluss des Deals versprochen. Alle sind an Bord geblieben, sogar ein neues Mitglied hat sich angemeldet. Nur in Elmshorn schließt demnächst eine Apo-Rot-Apotheke, aber das hat andere Gründe.

Mittelfristig dürfte es auch ein Click & Collect-System mit DocMorris geben. Über die gemeinsamen Pläne mit der Versandapotheke kann Dumke noch nicht viel erzählen: „Wie wir das im Detail gestalten, müssen wir noch mit DocMorris besprechen. Der Kunde soll online und offline unter einer Marke einkaufen, darauf arbeiten wir hin. Dafür sind Fragen zu klären, die zum Beispiel den Datenschutz betreffen und die Gestaltung des Angebots.“

Vor allem sollen Missverständnisse vermieden werden: „Die Kunden müssen online sehen, was sie offline erwartet.“ Das hatte bei DocMorris seinerzeit nur bedingt geklappt, was zu vielen Enttäuschungen am HV-Tisch geführt hat. Dumke hat aber großes Vertrauen, dass man mit DocMorris zusammen Erfolg haben wird. Was sie optimistisch macht: „Die haben reichlich Erfahrungen gesammelt, davon werden wir im Miteinander profitieren. Dem zugute kommt, dass beide Seiten sehr uneitel sind.“

Markenrechtlich ist die Trennung klar. Apo-Rot als Wort-Bild-Marke hat Dumke nicht verkauft. Sie hat sich allerdings vertraglich verpflichtet, unter diesem Namen keinen Versandhandel mehr zu betreiben. Der Webshop geht mit der Übernahme an DocMorris über, die Verantwortung dafür liegt dann nicht mehr bei Dumke. Noch vor dem Jahreswechsel soll die Übernahme abgeschlossen sein.

Bleibt die Frage, wie die Apotheken vor Ort mit der Preispolitik des Webshops umgehen werden. „Man kann sich an den Preisen orientieren, das muss man dann eben kalkulieren. Das war aber schon früher so“, erklärt Dumke. Die Mitglieder müssten selbst entscheiden, ob sie die täglichen Debatten am HV-Tisch aushalten. „Der eine sagt: Das mache ich nicht mit und ich habe auch gute Argumente für meinen Preis, der andere sieht das Ganze als Plus-Minus-Geschäft.“

Dumke hat sich – wie die meisten Mitglieder – dafür entschieden, auch in ihren Apotheken auf Discount im OTC-Segment zu setzen. Mit spürbaren Effekten: Vor der Apotheke stehen die Kunden regelmäßig Schlange. „Kein Paradies ohne Schlange“, scherzt Dumke und schiebt hinterher, dass die sich Wartenden in der Schlange aufgrund der guten Organisation nie lange gedulden müssten.

Personalmanagement ist Dumke zufolge überhaupt der entscheidende Faktor bei Apo-Rot. Die Einsatzzeiten ihrer Mitarbeiter sind auf die Viertelstunde genau getaktet. „Das ist so professionell organisiert wie in der Gastronomie: Dort gibt es ein Signal, wenn ein Teller fertig angerichtet ist, bei uns, wenn ein Wechsel im Handverkauf ansteht. Da wird sich zwischendurch ausgeruht, damit man frisch und motiviert ist“, erklärt die Apothekerin ihr Konzept. Das sei immer ihr erster Tipp für Kollegen, die neu zur Kooperation stoßen: drei zusätzliche Kräfte einstellen.

Natürlich stößt es bei den Konkurrenten vor Ort nicht nur auf Gegenliebe, wenn sich ein Mitbewerber mit diesen Mitteln durchzusetzen versucht. Aber das lässt Dumke kalt: „Wir haben in Deutschland Wettbewerb bei den OTC-Preisen, nicht nur im Internet. Und das steht den Kunden auch zu. Jede Apotheke muss ein gutes Preiskonzept haben, dafür sind wir ‚e.K.‘. Ein guter Einkauf gehört genauso dazu wie eine gute Beratung“, so Dumke.

Nach dem Verkauf des Versandgeschäfts will sich Dumke noch stärker in die Entwicklung ihrer Kooperation einbringen. Für 2019 ist es ihr Ziel, die Zahl der Mitgliedsapotheken von derzeit 19 auf mindestens 30 zu steigern. Und nebenbei ihre eigenen vier Apotheken betreiben. Stress? „Dafür habe ich doch den Versand demnächst nicht mehr zu verantworten.“

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