Börsenliebling Bayer | APOTHEKE ADHOC
Kursfeuerwerk

Börsenliebling Bayer

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Werner Wenning hat alles richtig gemacht und die Börsianer geraten ins Schwärmen: Der Strategieschwenk, die Ausgründung der traditionsreichen Chemie, die Stärkung des Geschäfts mit rezeptfreien Medikamenten sowie zuletzt der Erwerb des Berliner Pharmaunternehmens Schering brachten den Vorstandschef des Bayer-Konzerns vollends auf die Gewinnerstraße. Während andere DAX-Unternehmen sich mit Gewinnwarnungen blamieren, korrigiert Bayer seine Geschäftsprognosen nach oben.

Der Kurs der Bayer-Aktie kennt seit 2003 zur Freude der Anleger nur noch eine Richtung - nach oben. In den vergangenen Tagen kletterte das Papier mit einer Notierung von mehr als 57 Euro auf ein Allzeithoch. Zuletzt hatte die Aktie Ende Dezember 2000 dieses Niveau erreicht. Wenning und die Bayer-Aktie avancieren zu Börsenlieblingen. Die Bayer-Kursziele von Analysten führender Banken und Wertpapierhäuser schwanken zwischen 63 und 70 Euro. "Synergien herausholen und integrieren - das bekommt Bayer gut auf die Reihe", resümiert der Pharma-Analyst Andreas Theissen von der WestLB.

Dabei hatte es für Wenning gar nicht so gut begonnen, als er Manfred Schneider 2002 an der Unternehmensspitze ablöste. Die Leverkusener waren gerade tief in Lipobay-Skandal gestürzt und durchlebten die tiefste Krise der Firmengeschichte. Der Kurs brach ein, Erlöse schmolzen weg und das Unternehmen schrieb 2003 einen Nettoverlust von 1,3 Milliarden Euro. 2006 war es ein Gewinn von 1,6 Milliarden Euro. Der Blutfettsenker Lipobay, den Bayer im August 2001 vom Markt genommen hatte, weil er im Verdacht stand, für den Tod von zahlreichen Patienten mitverantwortlich zu sein, war schließlich Auslöser für einen grundsätzlichen Strategiewandel.

Während Schneider immer wieder auf die Vorzüge eines integrierten chemisch-pharmazeutischen Unternehmens pochte, schwenkte sein Nachfolger, wenn auch zögerlich - auf den Kurs der Konkurrenten ein. Life Science (Gesundheit, Pflanzenschutz) war das Schlagwort, Bayer konnte sich dem Zeitgeist nicht mehr entziehen. Als Wenning Ende 2003 die Ausgründung des traditionsreichen, aber renditeschwachen Chemiegeschäft ankündigte, waren die Würfel endgültig gefallen - für die Konzentration auf die Sparten Gesundheit, Pflanzenschutz und hochwertige Materialien.

Mit der spektakulären Übernahme von Schering, für den Wenning vom Homburger Kreis 2007 sogar den Preis für die beste Übernahme des Jahres erhielt, ließ der Vorstandschef die Vergangenheit ganz vergessen. Und weil die Akquisition so unerwartet kam, wurden Fragen gestellt nach der Sinnhaftigkeit des 17 Milliarden Euro teuren Deals. Denn "in der Wahrnehmung vieler Analysten galt Schering als ein Unternehmen mit einer katastrophalen Pipeline. Doch so schlecht war sie gar nicht", sagt Theissen.

Welche heftigen Umbrüche der Konzern unter Wenning durchmachte, zeigte allein ein Blick auf die getätigten Verkäufe und Käufe in den vergangenen Jahren - insgesamt ein Transaktionsvolumen von 42 Milliarden Euro. Dass Bayer immer noch so große Hoffnungen unter Analysten weckt, hat nach Ansicht von Theissen auch damit zu tun, dass die Metamorphose des Konzerns als noch nicht abgeschlossen gilt.

Nämlich: die weitere Konzentration der Geschäfte auf den Gesundheitsbereich. Doch eine Trennung von der Industriesparte Material Science kommt für Wenning nicht in Betracht. Schließlich warf der Bereich im vergangenen Jahr ein EBITDA vor Sondereinflüssen 1,7 Milliarden Euro ab und erwirtschaftete eine Marge von 16,5 Prozent. Allerdings liegt sie in den Sparten Gesundheit (22,3 Prozent) und Pflanzenschutz (21,1) deutlich darüber.

Und sollte Bayer das Geschäftsfeld Material Science künftig doch einmal zum Verkauf stellen, würde das nach Einschätzung von Theissen nur mit einer Reinvestition ins Gesundheitsgeschäft verbunden sein, bei rezeptfreien wie auch rezeptpflichtigen Medikamenten. Große Akquisitionen stehen aber nicht auf der Agenda von Wenning: Erst müsse Schering erfolgreich integriert werden.

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