Versandhandel: „Man ist halt dabei“

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Berlin -

Seit Mitte 2015 dürfen österreichische Apotheken rezeptfreie Arzneimittel über das Internet verkaufen. Waren die Erwartungen am Anfang hoch, herrscht nun die Ernüchterung. Gerade einmal 45 der knapp 1350 Apotheken wagten bisher den – streng regulierten – Schritt in die Online-Welt. Doch die Geschäfte der wenigen Vorreiter laufen offenbar mehr schlecht als recht. Das große Geschäft machen stattdessen die ausländischen Versender.

Schon früh hat sich angedeutet, dass die österreichischen Apotheker nur zögerlich von der neuen Möglichkeit des Versandhandels mit rezeptfreien Medikamenten Gebrauch machen wollten. Im Februar 2016 hatten sich gerade einmal 24 der insgesamt rund 1350 Apotheken dafür registrieren lassen. Nun – fast zweieinhalb Jahre später – sind das 45 Apotheken. Die Qualitätsvorgaben, die sie erfüllen müssen, sind relativ streng. Diesem Aufwand steht offenbar nur ein magerer Umsatz gegenüber.

„Wir haben etwa fünf Bestellungen pro Woche, ein großer Mehrumsatz ist das nicht“, berichtet Christina Kletter von der Auge-Gottes-Apotheke in Wien auf kurier.at. „Man ist halt dabei.“ Gegen die großen „Aspirin-Verschleuderer“ aus dem Ausland könne man ohnehin nicht konkurrieren. Viele suchen daher die Nische, bieten ausgewählte Produkte an oder verlegen sich ganz auf die rasche Zustellung außerhalb der Öffnungszeiten. Auch Ulrike Sommeregger von der Wiener Arbarelli-Apotheke sieht sich eher als „Start-up in der Aufbauphase“. Zwar gab sie an, dass die Nachfrage groß sei. Für die Bewerbung des Angebots brauche es aber viel Geld, so die Apothekerin.

„Eine eigene Online-Apotheke erfordert hohe Investitionskosten und zusätzlichen Aufwand für den Apothekenbetrieb“, bestätigte Christian Wurstbauer, Vizepräsident der Österreichischen Apothekerkammer. Das Unternehmerrisiko sei relativ groß. „Denn im Endeffekt müssen die kleinen österreichischen Online-Apotheken mit den großen internationalen 'Schiffen' konkurrieren.“

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