Pharmahandelskonzerne

Galenica: Trümpfe treffen Top-Kader

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Berlin -

Im Imperium von Stefano Pessina ist Galenica der Ruhepol. Ohne viel Bohei hat der schweizerische Pharmahändler in den vergangenen Jahren seine Führungsposition ausgebaut und sich nebenher zum weltweiten Branchenprimus im Bereich der Eisenpräparate gemausert. Im kommenden Jahr soll der Konzern aufgespalten werden – Grund genug für das sonst eher bescheidene Management, seinen Stolz einmal in die Welt zu posaunen.

Vor etwas mehr als einem Jahr hatte Galenica angekündigt, die beiden Geschäftsbereiche – Pharma und Großhandel/Retail – künftig als eigenständige Unternehmen führen zu wollen. Da die Pharmasparte im kommenden Jahr die Umsatzschwelle von einer Milliarde Schweizer Franken nehmen wird, ist die Zeit für die Aufspaltung gekommen. Voraussichtlich im vierten Quartal 2016 soll Vifor als eigenständiges Unternehmen an die Börse gehen – vorausgesetzt, dass die politischen und wirtschaftlichen Bedingungen stabil bleiben.

Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren; bereits im Sommer 2014 hatte sich Konzernchef David Ebsworth in den Ruhestand verabschiedet und die Führung an Søren Tulstrup (Vifor) und Jörg Kneubühler (Galenica Santé) abgegeben. Verwaltungsratspräsident Etienne Jornod begleitet die Transformation noch und wird sich im kommenden Jahr ebenfalls zurückziehen.

Die Börse feiert die Entwicklung: Der Aktienkurs hat sich seit der Ankündigung fast verdreifacht: von 650 auf 1500 Euro je Aktie. Und so genießt man in Bern den Lauf und motiviert das Top-Management: Tulstrup habe sich mit seinen Stärken bezüglich Vision, Strategie und Leadership positioniert und sich umgehend mit Top-Kadern umgeben, die bei Spitzenunternehmen der Branche rekrutiert worden seien. „Søren Tulstrup hat klar bewiesen, dass er das ihm geschenkte Vertrauen verdient hat.“

Kneubühler genieße als „treue rechte Hand“ von Jornod das Vertrauen und die volle Unterstützung des Verwaltungsrats. „Galenica Santé hat alle Trümpfe, die es ihr erlauben werden, sich als eigenständiges Unternehmen nachhaltig erfolgreich weiterentwickeln zu können.“ Die Synergien aus den Geschäftsbereichen Products & Brands, Einzelhandel sowie Services (Großhandel/Logistik/IT) ermögliche es, die Herausforderungen zu meistern, mit denen die Gesundheitsbranche generell konfrontiert sei.

Vifor ist mit seinen Schlüsselprodukten Ferinject und Velphoro weltweiter Marktführer im Bereich der Eisenprodukte. Über alle Eisenpräparate liegt der Marktanteil bei 34 Prozent, im Bereich der intravenösen Präparate bei 64 Prozent. Das Joint Venture mit Fresenius braut gerade eine Marketing- und Vertriebsorganisation in Europa auf. Kooperationsvereinbarungen gibt es außerdem mit Roche (Mircera, CellCept), Relypsa (Patiromer FOS) sowie anderen Herstellern wie Aspen, Astellas, Sandoz, Takeda und UCB auf regionaler Basis.

Im Pharmahandel ist Galenica mit je 250 eigenen und Partnerapotheken das größte Netzwerk in der Schweiz; insgesamt gibt es nur 1750 Betriebsstätten. Die Galenica-Filialen treten unter den Marken Amavita, Sunstore und Coop Vitality auf. Außerdem gehören die Versandapotheke Mediservice und das Blisterzentrum Medifilm zum Konzern. Auch als Großhändler ist Galexis die unangefochtene Nummer 1, vor Amedis (Phoenix) und dem Privatanbieter Voigt.

Die Abspaltung von Vifor würde Galenica 20 Prozent des Umsatzes, aber 72 Prozent des Ertrags kosten: Die Erlöse von Vifor lagen im vergangenen Jahr bei 706 Millionen Franken, das operative Ergebnis (EBIT) bei 265 Millionen Franken. Zum Vergleich: Im Pharmahandel erzielt Galenica Umsätze von 2,8 Milliarden Franken und ein EBIT von 103 Millionen Franken.

Galenica war ursprünglich ein genossenschaftlicher Pharmagroßhändler, der vor 20 Jahren in eine Aktiengesellschaft umgewandelt wurde. Um den ehemaligen Eigentümern per Apothekenkette Konkurrenz zu machen, holte das Management fünf Jahre später Pessina als Großaktionär an Bord. Heute sind der Italiener und seine Partner von KKR mit 25 Prozent beteiligt; Galenica gehört nicht zu Walgreens Boots Alliance.

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