Österreich

St. Veit: Ärzte wollen Apotheke verhindern

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Berlin -

Apothekerin Agnes Kölesova hat für St. Veit an der Gölsen in Niederösterreich erstmals im März 2012 einen Antrag für eine Apothekenkonzession gestellt. Doch noch immer gibt es in dem Ort mit etwa 4000 Einwohnern keine Apotheke – die Ärzte sammeln Unterschriften gegen die Niederlassung. Kölesovas Lebenspartner und Inhaber der Stadtapotheke im benachbarten Hainfeld, Gabriel Kurtansky, ist dennoch zuversichtlich, dass in spätestens vier Jahren in St. Veit eine Apotheke stehen wird.

Um in Österreich eine Apotheke neu eröffnen zu dürfen, muss an dem gewählten Standort Bedarf bestehen. Das bedeutet beispielsweise, dass mindestens zwei Hausarztpraxen an dem Ort angesiedelt sein müssen. Darüber hinaus muss die nächste Offizin mindestens 500 Meter entfernt sein. Den bereits vorhandenen Apotheken müssen zudem mindestens 5500 zu versorgende Patienten bleiben.

Im Falle von St. Veit lag der Antrag auf Konzession nach 2012 zunächst bis zum Jahresanfang 2016 auf Eis: Denn für das benachbarten Traisen wurde zeitgleich ebenfalls eine Konzession beantragt. Eine als Filiale betriebene Apotheke hatte für den Ort bereits den Bedarf an einer Offizin gezeigt. Die Apotheken hätten zu nah beieinander gelegen. Der Antragsteller für Traisen konnte dann jedoch eine Apotheke in Wien übernehmen. „Da in Österreich Mehrbesitz verboten ist, zog er den Konzessionsantrag zurück“ erklärt Kurtansky. Der Weg zur Neugründung in St. Veit war damit frei – zumindest fast.

Die Apothekerkammer prüfte, ob der Standort die gesetzlichen Vorgaben erfüllte. Das ist der Fall: Der zuständigen Behörde – im konkreten Fall die Bezirkshauptmannschaft Lilienfeld – sei daher empfohlen worden, die Konzession zu erteilen, berichtet Heinz Haberfeld, Präsident der Apothekerkammer Niederösterreich. Doch zwei Ärzte der Marktgemeinde legten gegen die geplante Apotheke Einspruch ein.

Beide führen eine Hausapotheke, die sie im Falle der Apothekengründung aufgeben müssten. Die Bezirkshauptmannschaft hat die Kammer wegen des Einspruchs angewiesen, die Voraussetzungen erneut zu prüfen. Wenn die Behörde schließlich die Konzession bewilligt, können die Ärzte immer noch vor dem zuständigen Landesverwaltungsgericht gegen die Apothekengründung klagen. So kann die Eröffnung hinausgezögert werden, denn für jeden Schritt hätten die Betroffenen mehrere Monate Zeit. Daher ziehe sich die Erteilung einer Konzession in Österreich regelmäßig über Jahre hin, so Haberfeld.

Je länger die Ärzte mit den Hausapotheken Medikamente selbst abgeben dürfen, desto länger können sie damit Geld verdienen. Doch Haberfeld nennt die Behauptung, dass eine Praxis auf dem Lande nur mit einer Hausapotheke zu betreiben ist, „völlig realitätsfern“. Zwar verliere niemand gerne ein zusätzliches Einkommen, aber es gebe Beispiele aus anderen Gemeinden, die zeigten, dass die Praxen ohne Hausapotheke mitnichten schließen müssten. „Hausapotheken sollten eine Notlösung sein. Aufgaben des Arztes sind die Diagnostik und Therapie, nicht die Dispension“, sagt Haberfeld.

Die Hausärzte in St. Veit haben eine Unterschriftenaktion gegen die Apotheke gestartet. 300 Unterschriften sollen bereits zusammengekommen sein. „Bei 4000 Bewohnern ist das nicht gerade ein massiver Widerstand“, so Haberfeld. Doch mit der Drohung, dass die Praxis wegen der Apotheke schließen müsse, übten Ärzte auf ihre Patienten einen großen Druck aus.

Dass Ärzte mit Hausapotheken gegen eine geplante Apotheke im Ort mobil machten, sei durchaus schon vorgekommen, sagt er. 2000 Unterschriften hätten die drei Ärzte in Steinakirchen gegen eine Apotheke gesammelt. Vor drei Jahren öffnete die Nikolausapotheke schließlich doch. „Nach der Apothekeneröffnung gab es nur eine Kundenbeschwerde – die Bevölkerung ist zufrieden“, sagt Haberfeld. Besonders das breite Warensortiment und die langen Öffnungszeiten überzeugten; zudem schaffe die Apotheke Arbeitsplätze.

Auch Kurtansky ist gelassen: „Wir haben uns darauf eingestellt, dass die Apothekengründung ein paar Jahre dauern wird.“ Verhindern werde der Protest der Ärzte den Betrieb nicht; denn die Bezirkshauptmannschaft entscheide wie das Landesverwaltungsgericht allein auf Gesetzesgrundlage. Kurtansky ist daher sicher: „In drei bis vier Jahren hat St. Veit eine Apotheke.“

Die Unterschriften gegen die Apotheke schrecken Kurtansky ebenfalls nicht ab. Er ist überzeugt, dass die Einwohner von St. Veit spätestens nach der Eröffnung von der Apotheke überzeugen zu können. „Wir wollen uns für die Bewohner einsetzen und ihnen als zusätzlicher Ansprechpartner bei Gesundheitsfragen zur Verfügung stehen“, sagt er.

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