K.O. für den Kater | APOTHEKE ADHOC
Zürcher Start-up will Apotheken erobern

K.O. für den Kater

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Berlin -

Gerade hat der Zürcher Jungunternehmer Pedro Schmidt seinen 35. Geburtstag gefeiert. Eigentlich müsste er mit einem besonders schlimmen Kater aufgewacht sein, denn ab sofort fällt er nicht mehr unter seine eigene Zielgruppe. Die ist zwischen 25 und 34 Jahre alt und soll mit dem von ihm entwickelten KAEX am Morgen danach flugs wieder fit sein. Pulver ins Wasser und weiterleben. Das Start-up entwickelt sich prächtig.

Jeder hat so seine eigenen Tricks und Hausmittelchen, um nach einer durchzechten Nacht zügig wieder fit zu werden. Sie reichen von einer Dose Fisch vor dem Ausgehen bis zum Aspirin, das man noch schnell einwirft, bevor man es gerade noch ins Bett schafft. Aber wenn wir ehrlich sind: Oft hilft der Glaube daran, dass es schon irgendwie helfen wird, am meisten und irgendwann erholt sich der Körper auch ganz von alleine wieder. Wenn nur diese Kopfschmerzen nicht wären.

Inspiriert wurde Schmidt im Rahmen, elegant ausgedrückt, einer Köln-Reise. Dort kann man natürlich nicht umhin, das eine oder andere Kölsch zu trinken. „Am nächsten Morgen sind wir in den Drogeriemarkt und haben ein Kater-Mittel gesucht“, erzählt er. Doch leider. Es gab keines. „Wir haben dann aus Säften und Mineralstoffen selbst etwas hergestellt.“ Aber als Pharmazeut war ihm natürlich klar, dass das noch besser gehen müsste. Und so war die Geschäftsidee geboren.

Der 35-Jährige - bevorzugte Getränke: Bier, Weißwein und Gin - hat in Zürich Pharmazie studiert. Er sagt: „So einfach die Erklärung für die Entstehung eines Katers, so komplex sind die Bioprozesse, die im Körper losgetreten werden. Entsprechend vielseitig muss ein Kater-Mittel sein.“ Mit 25 natürlichen Ingredienzien rückt er dem lästigen Tier auf den Pelz. „Die Wirksamkeit haben wir in einer Feldstudie klar bestätigt.“

Davor mussten natürlich Freunde und Familie mithelfen. Auch bei der Finanzierung. Dabei erlebte Schmidt eine Überraschung. Er hätte es seinen Eltern nämlich nicht übel genommen, wenn sie vom Start-up abgeraten hätten. Haben sie aber nicht. Im Gegenteil: „Sie haben mich von Anfang an unterstützt.“ Der Anfang war ziemlich einsam, er startete allein. Mittlerweile besteht das Kern-Team aus vier Personen, darunter seine Schwester, die PR- und Marketingprofi ist.

Dabei hätte Schmidt vermutlich in der Pharmabranche eine formidable Karriere hinlegen können. „Nach dem Pharmazie-Studium an der ETH in Zürich habe ich in der Pharmabranche angefangen, erste Karriereschritte als Product Manager gemacht.“ Als er kündigte, um sich selbstständig zu machen, wurde ihm ein noch besserer Job und mehr Gehalt angeboten. Zu spät. Der Zürcher war bereits seiner Idee verfallen, glaubte fest an den Erfolg. „Ich habe mir gesagt, wenn ich es nicht versuche, werde ich es ewig bereuen.“

Anfang 2016 begann er mit seinem Start-up, klärte laut Businessplan Punkt für Punkt, von der Patenteinreichung bis zum Logo. „Die Einhaltung des Businessplans steht klar im Vordergrund, wird sind sehr gut auf Kurs.“ Die ersten Apotheker, die KAEX ins Angebot nahmen, waren ehemalige Studienkollegen: „Ich habe ihnen das Produkt präsentiert“, sagt der CEO & Founder. „Auf diese Weise konnte ich 15 Apotheker in der Schweiz gewinnen.“ Der Anfang war gemacht. „Danach hat sich die Wirkung sehr schnell herumgesprochen. Ende 2017 hatten wir bereits 200 Apotheken im Boot, die KAEX gelistet hatten.“

Seit September ist das Produkt unter anderem in allen Sanovit-Drogerien (Manor), bei Coop Vitality, in den Topwell-Apotheken und im Online-Shop erhältlich. Die Dreierpackung mit neun Sachets kostet umgerechnet 20,80 Euro, die Großpackung mit 21 Sachets 43, 60 Euro. Hergestellt wird KAEX, offiziell als Nahrungsergänzungsmittel deklariert, in Deutschland. Zu den Bestandteilen gehören unter anderem Magnesium, Kalium, Calcium Niacin, Vitamine, Selen und Zink. „Jemand mit Laborerfahrung könnte das durchaus kopieren“, sagt Schmidt. Er setzt aber auf all jene, die lieber trinken als im Zustand erhöhter Lebensfreude chemische Versuche anstellen.

Die schwierigste Hürde war die Geldbeschaffung. Banken winkten freundlich ab. „Wie viele Start-ups haben auch wir auf die drei F gesetzt: ‚Family, friends and fools“, erzählt Schmidt lachend. Wie ein Idiot muss sich allerdings niemand von den Geldgebern vorkommen. Wie die Dinge stehen, handelt es sich nämlich um eine langfristig erfolgreiche Investition. Denn trinken werden, so sieht es aus, die Menschen vermutlich immer. Der Bedarf ist also da. Laut einer aktuellen Schweizer Studie ist allein in der Schweiz jeder Erwachsene mindestens einmal im Monat so betrunken, dass er unter die Zielgruppe der Schmidtschen Erfindung fällt.

Gerade hat das Unternehmen eine weitere Investorenrunde erfolgreich gemeistert. „Wir haben jetzt das Kapital für eine große Werbekampagne, sie startet am 22. Oktober.“ Vorerst nur in der Schweiz. „Wir investieren rund eine Million Schweizer Franken ins Marketing.“ Nach dem Schweizer Markt will das Start-up auch die Apotheken in Deutschland und Österreich erobern.

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