National Health Service NHS

Britisches Gesundheitssystem in der Krise dpa, 05.02.2018 12:04 Uhr

London - „Sie hätten mal vor Kurzem die Lage im Royal Blackburn Hospital sehen müssen. Die Flure waren voll mit wartenden Menschen“, berichtet Louise Heppelstone. „Die Krankenschwestern waren zu beschäftigt, um sich um die älteren Patienten zu kümmern. Einige mit Gehproblemen schafften es nicht allein auf die Toilette und nässten sich im Gang ein. Entsetzlich. Und so etwas passiert jeden Winter.“

Die Hände der 58-Jährigen schließen sich fester um das Schild, auf dem „Mehr Personal, mehr Betten, mehr Geld“ geschrieben steht. Sie ist eine von Tausenden Demonstranten, die dem Londoner Regen trotzen und am Samstagnachmittag vor der Downing Street, dem Wohnsitz von Premierministerin Theresa May, gegen den Verfall des staatlichen Gesundheitssystems NHS (National Health Service) demonstrieren.

Im Juli wird der vorwiegend über Steuergelder finanzierte Gesundheitsdienst 70 Jahre alt. Und schon immer war die Lage im Winter prekär. In diesem Jahr ist es jedoch besonders schlimm. Landesweit fehlen in vielen staatlichen Krankenhäusern Betten. Britische Medien berichten über Patienten, die vernachlässigt in Klinikfluren sterben und Rentnern, die nach Stürzen stundenlang allein zu Hause auf einen Krankenwagen warten müssen.

Im Januar verschob der NHS Zehntausende von Operationen, selbst Krebspatienten waren betroffen. May entschuldigte sich öffentlich: „Ich weiß, es ist schwierig. Ich weiß, es ist frustrierend.“ Ärzte von Dutzenden Kliniken kritisierten in einem Brief „nicht mehr akzeptable Zustände“ in Notfallaufnahmen. Eine Stellungnahme vom NHS zu den Vorwürfen war auf Anfrage nicht zu erhalten.

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