Labore warnen: An der Kapazitätsgrenze

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Berlin - Für Reiserückkehrer aus Risikogebieten gilt eine Testpflicht, Bayern will die Testkapazitäten massiv steigern: Eine Ausweitung von Corona-Testangeboten in Deutschland stößt bei Experten auf Bedenken und Kritik. Der Verband Akkreditierte Labore in der Medizin (ALM) sprach sich am Dienstag angesichts begrenzter Kapazitäten für gezieltes Testen aus – es ist ein dringender Appell an ressourcenorientierten Einsatz der Tests.

Sowohl die Zahl der angeforderten PCR-Tests für Sars-CoV-2 als auch die Zahl der positiven Befunde sind der wöchentlichen Datenanalyse der ALM zufolge in der vergangenen Kalenderwoche deutlich gestiegen: 146 Labore nahmen an der Analyse teil, mit 655.944 PCR-Tests und einem Anstieg von 26 Prozent im Vergleich zur Vorwoche erreichte die Zahl der in den fachärztlichen Laboren durchgeführten Tests einen neuen Höchststand. Entsprechend dem Infektionsgeschehen stieg auch die Zahl der positiven Befunde – und zwar um 28 Prozent.

Labore erreichen ihre Grenzen

Obwohl die Testkapazitäten im internationalen Vergleich sehr hoch seien, kämen die Labore mancherorts an ihre Grenzen und den Rand ihrer Leistungsfähigkeit. Denn die Lieferungen von Geräten und Testmaterialien seien schließlich begrenzt und rationiert. Die ALM appellieren daher vor allem an die Politik und deren Versprechungen: „Vorhaben wie in Bayern, die Zahl der Tests pro Woche von 20.000 auf 200.000 zu steigern, sind wenig realistisch und setzen falsche Signale. Auf Kosten aller Bürgerinnen und Bürger werden hier Ressourcen versprochen, ohne die Realisierung konkret zu benennen. Für die Versorgung symptomatischer Patienten, in Krankenhäusern und Pflegeheimen und bei der so entscheidenden Aufdeckung der Infektionsketten könnten diese Ressourcen am Ende fehlen“, betont Dr. Michael Müller, 1. Vorsitzender des ALM.

Anstatt jedermann zu testen, sollten Müller zufolge nur solche PCR-Tests durchgeführt werden, die prioritär medizinisch notwendig und im Sinne einer guten Prävention nützlich sind. „Das ist die zentrale Aufgabe der Pandemieeindämmung. Auf keinen Fall sollten wir die gut etablierten flächendeckenden Strukturen der fachärztlichen Labore dauerhaft überlasten“, mahnt er. „Auch wenn Sie mit einem Auto mit 240 in der Spitze über die Autobahn fahren könnten, halten Sie das Tempo ja nicht dauerhaft vom Start bis zum vielleicht weit entfernten Ziel – weil Sie wissen, dass dann der Motor kaputt geht, sie kurzfristig tanken müssen und außerdem viel Geld ausgeben, ohne am Ende viel effizienter gewesen zu sein.“ Ähnlich sei es auch mit den Laboren: Mitarbeiter könnten in der Pandemie nicht unentwegt bis zum Anschlag belastet werden.

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