Corona-Schutz schädigt die Haut

Desinfektion & Handschuhe: Tipps für die richtige Hautpflege

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Berlin -

Aktuell gehört nicht nur regelmäßiges Händewaschen zur täglichen Routine. Es wird empfohlen, sich auch mehrmals am Tag die Hände zu desinfizieren. Die viruziden Mittel sind zumeist auf Alkoholbasis. Bei häufiger Anwendung kann die Haut austrocknen und rissig werden. Das führt dazu, dass die Anwendung von Desinfektionsmitteln schmerzhaft wird – Alkohol brennt in der Wunde. Weiterhin kann es sein, dass die Wirkung eingeschränkt ist, da die Oberfläche der Epidermis sich vergrößert. In die entstandenen Falten kann die Lösung nur schwer gelangen.  

Alkohol trocknet die Haut aus

Desinfektionsmittel trocknen bei regelmäßiger Anwendung die Haut aus. Das liegt daran, dass Isopropanol und Ethanol entfettend wirken. Lipide sind fast unlöslich in Wasser, das Händewaschen oder Duschen ohne Seife wirkt sich kaum auf die Beschaffenheit der Haut aus. Durch Alkohole können Lipide jedoch gelöst werden. Bei der Anwendung von Handdesinfektionsmitteln bedeutet das, dass sich die in der Hornschicht befindlichen Lipide herauslösen. Die Barrierefunktion ist gestört – die Schutzschicht wird lückenhaft. Erste Anzeichen sind trockene, rissige Haut und Juckreiz.

Geschädigte Haut ist schwer desinfizierbar

Trockene Hände bergen die Gefahr, dass sie nicht mehr ausreichend desinfiziert werden können. Die Oberfläche von geschädigter Haut erscheint im Mikroskop vergrößert. Keime können sich unter Umständen in der geschädigten Haut einnisten und vermehren. Trockene Hände können die Akzeptanz der Händehygiene senken, da die Anwendung von Alkohol auf rissiger Haut schmerzhaft ist. Das Risiko der Infektionsübertragung kann somit steigen.

Lieber Desinfizieren als Waschen

Um die Haut nicht übermäßig zu strapazieren, empfiehlt es sich, auf häufiges Händewaschen zu verzichten. Die Anwendung von Wasser und Seife weicht die Hornschicht der Haut auf. Die Folge: Hautfette und natürliche Feuchthaltefaktoren gehen verloren – die Haut trocknet stärker aus. Dieser Effekt wird durch die Verwendung von Seife verstärkt. Zur sanften Reinigung sollten seifenfreie Tenside ohne Duft- und Farbstoffe verwendet werden.

Angemessene Pflege mehrmals täglich

Menschen, die sich häufig am Tag die Hände desinfizieren, sollten diese regelmäßig eincremen. Für die Pflege eignen sich lipidhaltige Cremes ohne Duft- und Farbstoffe. Ist die Haut eh schon angegriffen, sollte man auf weitere Zusatzstoffe verzichten. Handcremes mit Beauty-Versprechen, wie beispielsweise einem Anti-Aging-Effekt, sollten nicht verwendet werden. Dadurch, dass die Hornschicht kaputt ist, können Allergien und Ausschläge leichter entstehen.

Zubereitungen mit Glycerin, mittelkettigen Triglyceriden, Olivenöl, Mandelöl und anderen pflanzliche Ölen können die Haut mit verloren gegangenen Fetten versorgen. Hierfür kann auch auf Salbengrundlagen wie Basiscreme DAC zurückgegriffen werden. Der Zusatz von Harnstoff kann in geringen Dosierungen das Wasserbindungsvermögen der Haut stärken. Bei stark beanspruchter Haut kann Urea jedoch Juckreiz und Brennen auslösen. Viele Hersteller von Desinfektionsmitteln bieten passende Hautschutzlotionen oder -cremes an. Je nach Vorliebe kann der Kunde zwischen sehr reichhaltigen Formulierungen oder leichteren Lotionen wählen.

Eine weitere Möglichkeit, die Haut vor Austrocknung zu schützen, ist die Verwendung von sogenannten Schutzsalben. Diese werden morgens beziehungsweise vor Schichtbeginn einmalig aufgetragen. Hierfür reicht eine haselnussgroße Menge aus. Diese wird sorgfältig in die Hände einmassiert. Diese Cremes vermindern nicht die Wirksamkeit von anschließend angewendeten Desinfektionsmitteln. Auch bei längerem Tragen von Handschuhen kann die Verwendung solcher Schutzcremes sinnvoll sein. Durch den Okklusionseffekt der Handschuhe weicht sonst die Haut auf, auch hier gehen Lipide verloren.

Lipide – der natürliche Schutzfilm

Lipide glätten die Hautstruktur und vermindern den Wasserverlust. Haut, die reich an Lipiden ist, hat ein höheres Wasserbindungsvermögen und ist im Allgemeinen besser hydratisiert. Die Interzellularlipide haben noch weitere Funktionen: Sie regulieren die Permeabilitätsbarriere der Haut, sodass der transepidermale Wasserverlust und der Verlust anderer körpereigener Substanzen minimiert wird. Auch in die andere Richtung exsisitert eine Barriere, die durch Lipide aufrechterhalten wird: Die Penetration von Stoffen aus der Umwelt in die Haut, die sogenannte perkutane Absorbtion, wird größtenteils unterbunden.

Die Hornzellschicht weist unterschiedliche Arten von Lipiden auf. Im Wesentlichen besteht die äußerste Schicht der Epidermis aus Ceramiden, freien Fettsäuren und Sterolen. Der Anteil an ungesättigten Fettsäuren ist niedrig. Die Zusammensetzung der Lipide variiert zwischen verschiedenen Körperteilen.

Bei Kälte trocknet die Haut zusätzlich aus, das liegt zum einen daran, dass kalte Luft weniger mit Feuchtigkeit gesättigt ist als warme. Zum anderen ziehen sich die Blutgefäße bei Kälte zusammen – insbesondere Hände werden nun schlechter durchblutet. Dies führt zu einem verlangsamten Stoffwechsel in der Haut, folglich wird auch die Lipidproduktion verlangsamt. Ab einer Außentemperatur von 8 °C stellt die Haut die Lipidproduktion sogar ganz ein.

Aufbau Epidermis

Als Epidermis wird die Oberhaut bezeichnet. Diese äußerste Schicht der Haut fungiert als Schutzhülle gegenüber äußeren Einflüssen. Es gibt fünf Epidermis-Schichten: Basalschicht, Stachelzellschicht, Körnerschicht, Glanzschicht und Hornschicht. Die Epidermis besteht zu einem Großteil aus Keratinozyten (hornbildende Zellen). In den äußersten Schichten sammeln sich verhornte Plattenepithelzellen.

Eine gesunde Oberhaut bildet durch den verdichteten Zellverbund eine Barriere, die für Mikroorganismen normalerweise nicht überwindbar ist. Die Epidermiszellen erneuern sich ständig. Alle 28 Tage erneuert sich die Haut komplett. Dieser Vorgang verläuft im Kindesalter sehr schnell, umso älter ein Mensch wird, desto mehr verlangsamt sich dieser Prozess.

Basalschicht – Stratum basale

  • Einlagige innerste Zellschicht, Ort der Zellteilung und Regeneration

Stachelzellschicht – Stratum spinosum

  • Beginn des Verhornungsprozesses, Ort von Abwehrzellen, Teil des lymphatischen Systems

Körnerschicht – Stratum granulosum

  • Abbau von lebenden Zellen in tote Korneozyten

Glanzschicht – Stratum lucidum

  • Ölige Barriere gegen Eindringlinge

Hornschicht – Stratum corneum

  • Verhornte Koreneozyten können bis zu 200 Schichten übereinander bilden, fette zwischen den Zellen bilden zusammen mit den Hornzellen einen wasserabweisenden Film
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