„Die Stadt zwingt mich dazu”

Wegen Fußgängerzone: Inhaberin will schließen

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Berlin -

Einer der ältesten Apotheken in Niederbayern droht das Aus wegen möglicherweise wegfallender Parkplätze: Die Stadt Straubing will die Autos vom Ludwigsplatz verbannen. Wird diese Entscheidung umgesetzt, wird Inhaberin Heidi Lachner ihre traditionsreiche Löwen-Apotheke vermutlich schließen.

Fahrzeuge gehören zum Ludwigsplatz dazu – das wird einem bewusst, wenn man die historischen Fotos der Löwen-Apotheke betrachtet. Seit jeher parken vor dem Betrieb Autos. Dass in der Stadtverwaltung jetzt darüber nachgedacht wird, den Ludwigsplatz in eine autofreie Zone zu verwandeln, war für Lachner überraschend. Die Apothekerin sitzt im Vorstand des Stadtmarketings und kennt die Verantwortlichen – eigentlich. Vor kurzem habe man noch gesagt, dass der Ludwigsplatz die kommenden zehn Jahre so bleiben solle, wie er ist, sagt sie. „Da fühlt man sich übergangen.“

Einzelhändler brauchen Parkplätze

Denn von der Nachricht, dass angesichts der problematischen Bussituation jetzt die Autos ausgesperrt werden sollen, erfuhr sie über Facebook und die Tageszeitung. „Das ist ein Thema für uns und wir überlegen, ob wir deshalb den Standort aufgeben.“ Die stadtpolitischen Entwicklungen hin zu Fußgängerzonen seien „katastrophal“. Die Entscheidung betreffe alle Einzelhändler. Der Blick etwa nach Regensburg habe gezeigt, dass eine Fußgängerzone dazu führe, dass die Geschäfte tot seien und die Traditionsapotheken verschwunden.

„Dabei geht es auch um die Ärzte, da müssen die Patienten doch hingefahren werden“, kritisiert Lachner. Keiner lasse das Auto einen Kilometer weiter am Parkplatz stehen, auch wenn dieser kostenfrei sei. Neben älteren und nicht mobilen Kund:innen treffe diese Entscheidung auch Familien mit kranken Kindern. Die Diskussion um die Busse, die den Platz verstopften, gebe es schon lange. „Weil die da nicht rauszukriegen sind, haben sie jetzt den Spieß umgedreht und die Autos sollen weg.“

Einsatz für Parkplätze

Die Entscheidung will Lachner nicht auf sich sitzen lassen. Sie werde jetzt einige Anrufe führen und mit den Verantwortlichen sprechen. „Ich werde da jetzt ein Fass aufmachen, so gut steht Straubing nicht da, dass sie die Gewerbeeinnahmen nicht brauchen könnten.“ Die Apotheke schließe sie äußerst ungern, denn immerhin verbrachte sie einen Großteil des Studiums in dem Betrieb und war als Angestellte dort tätig, bevor sie ihn übernahm.

Auch wenn das Personal bei einer Schließung auf ihre anderen beiden Apotheken aufgeteilt werden könnte, falle ihr dieser Schritt nicht leicht. „Die Stadt zwingt mich dazu.“ Doch die Patient:innen würden nicht mit dem Fahrrad kommen. Lachner investierte beispielsweise zuletzt in die Präqualifizierung und die dafür nötigen Geräte und Umbauten. Auch die Geschichte der Apotheke und ihre Bedeutung für Straubing mache eine Schließung nicht leicht. Denn immerhin besteht der Betrieb bereits seit 1492 und hatte prominente Lehrlinge wie etwa der Künstler Carl Spitzweg, der 1829 als Gehilfe in dem Betrieb tätig gewesen sein soll.

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