Zu klein zum Überleben

Nicht mehr rentabel: Traditionsapotheke dicht

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Berlin -

Apotheker Henrik Rohde aus Karlsruhe macht Schluss: Zum Glück nicht mit allen vier Apotheken, sondern „nur“ mit einer Filiale. Doch die ist ein echtes Schmuckstück gewesen, aber inzwischen leider einfach zu unrentabel. Zwar lag sie nun 300 Jahre in der heutigen größten Haupteinkaufsstraße der Großstadt, doch Rohde betreibt bereits schräg gegenüber die neuere und größere Zentral-Apotheke, weshalb er auf den Standort verzichten kann.

Es geht um die Ehemalige Großherzogliche Hof-Apotheke von 1718; eigentlich hätte der Inhaber die Apotheke gerne behalten, hat sich nun aber schweren Herzens zur Aufgabe entschlossen. Als Grund für die Schließung nennt Rohde ganz klar die Unterfinanzierung des Gesundheitswesens: „Der größte Teil der Finanzierung läuft über den Festbetrag, der einfach zu lange nicht erhoben wurde.“ Stattdessen müssen die Apotheken mit immer weniger Geld klarkommen. „Desto kleiner eine Apotheke ist, desto schwieriger wird es, diese zu halten.“

Während sich die gegenüberliegende Zentral-Apotheke auf die Themen Rezeptur und Haut spezialisiert hatte, lag der Fokus der Hof-Apotheke vor allem auf Naturheilkunde und Homöopathie. Die Schwerpunkte wandern nun ebenfalls in die Zentral-Apotheke, genauso wie die Angestellten, die Rohde alle behalten wollte.

Das Problem der Filiale waren nicht zu wenig Kund:innen, so Rohde, sondern einfach der zu geringe Rohertrag. Zudem boten die 45 Quadratmeter der Offizin auch zu wenig Fläche, um das Angebot weiter auszubauen. „Desto größer eine Apotheke ist, desto mehr Effizienz kann ich da rausholen“, sagt der Inhaber. In seinem Filialverbund habe er bereits optimiert und automatisiert, wo es nur geht, um möglichst effizient zu arbeiten. Doch nun ist Schluss: „Für mich ist das auch sehr schade, ich wollte das gern so weiter betreiben.“

Dabei lief schon der Start mit der Hof-Apotheke für Rohde nicht optimal: „Ich habe die Apotheke zum ersten Corona-Lockdown übernommen, da gab es kein Thema für Naturheilkunde.“ Zudem habe sich die Kostenstruktur inzwischen so zugespitzt, dass das Ganze nicht mehr tragbar sei für ihn als Unternehmer. Die Personalkosten seien drastisch gestiegen, das Labor in die Jahre gekommen, für pharmazeutische Dienstleistungen fehle der Platz. Also ist nun zu Ende März Schluss.

Noch bleibt der Inhaber aber in den Räumen. Der Mietvertrag sei jährlich kündbar, daher probiert er nun aus, ob sich ein neues Modell etablieren lässt. Wie genau er die Räume nutzen möchte, steht noch nicht fest. Aber es soll sich eine Nutzung finden, „die den historischen Räumen gerecht wird“. Ansonsten wird die Einrichtung vermutlich Ende des Jahres an Museen gehen oder andere Abnehmer finden müssen.

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