„Keinen Nachfolger gefunden“

Schluss nach 332 Jahren: Traditionsapotheke macht dicht

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Berlin -

Die Altonaer Elefanten-Apotheke muss nach 332 Jahren Mitte Mai schließen. Der Grund: Inhaber Ralf Mensing konnte keinen Nachfolger und keine Nachfolgerin für sein Traditionshaus finden. „Die wirtschaftliche Situation, aber auch der Personalmangel spielen eine große Rolle“, so der Inhaber. Er selbst würde heutzutage keine Apotheke mehr kaufen: „Für junge Menschen ist die mangelnde Perspektive abschreckend.“

Die Elefanten-Apotheke im Hamburger Stadteil Altona gibt es seit 1692. Ralf Mensing selbst führt das Traditionshaus seit 40 Jahren. „Ich bin in der Apotheke groß geworden. Das Geschäft ist seit 120 Jahren im Familienbesitz“, berichtet Mensing. „Gleich nach der Uni bin ich in die Apotheke meines Vaters gewechselt.“ Dadurch sei auch eine starke persönliche Bindung zur Kundschaft entstanden.

Seit Bekanntgabe der Schließung im März, sei es schon vermehrt zu sehr persönlichen Gesprächen gekommen: „Wir haben unsere Kundschaft bewusst früh über die Schließung informiert. So können wir uns in Ruhe verabschieden und alles regeln.“ Erst jetzt sei Mensing deshalb richtig bewusst geworden, dass einige seiner Patient:innen schon über 40 Jahre die Elefanten-Apotheke besuchen: „Die Bindung zu manchen Menschen ist stark, deswegen ist die Trennung mitunter auch schmerzhaft. Die Kunden bringen uns viel Vetrauen entgegen und sind dann traurig, wenn sie bald eine andere Apotheke aufsuchen müssen“, so der Pharmazeut.

Schließung als Konsequenz

Trotzdem sei es die richtige Entscheidung gewesen: „Wir wollten auch keine weiteren drei Jahre warten, bis wir einen Nachfolger gefunden haben. Den Betrieb weiter aufrechtzuerhalten, macht in unseren Augen gar keinen Sinn“, so der Apotheker. „Wir haben knapp ein Jahr gesucht, es hat sich niemand gefunden, also ziehen wir den Schlussstrich.“ Er selbst würde heutzutage auch keine Apotheke mehr kaufen: „Die meisten jungen Leute sehen in der Übernahme einer Apotheke keine Perspektive. Vor allem wenn es keine Aussicht auf ein besseres Honorar gibt, die Personalsituation sich nicht ändert und die Bürokratie immer mehr wird.“

Die Versorgung mit Arzneimitteln in Altona, sei aber nicht gefährdet: „Wir haben in Hamburg noch genug Apotheken, obwohl sich der bundesweite Abwärtstrend auch hier zeigt“, so Mensing. Grund sei vor allem auch der Personalmangel: „Mir fehlen seit einem halben Jahr zwei PTA. Momentan habe ich noch zwei Apotheker und eine PTA in Teilzeit“, so der Inhaber. „Ich kann einem Interessenten demnach auch keinen soliden Personalstamm anbieten, den man im Falle eines Kaufes übernehmen könnte. Das ist sicherlich auch ein limitierender Faktor für eine Kaufentscheidung“, so Mensing. Sein verbliebenes Personal hat aufgrund des hohen Mitarbeiterbedarfs keinerlei Schwierigkeiten, in anderen Apotheken unterzukommen.

In Zukunft: Vertretungsapotheker

Trotz der Schließung zum 17. Mai blicken der Apotheker und seine Frau positiv in die Zukunft. „Ich habe mich entschlossen, ein paar Jahre als Vetretungsapotheker weiterhin in meinem Beruf tätig zu sein“, so Mensing. „Man darf nicht vergessen, dass einem nach der Schließung plötzlich die sozialen Kontakte zu der Kundschaft fehlen“, berichtet er. Im Umkreis habe er sich dazu bereits schon mit Kolleg:innen ausgetauscht: „Es sind sehr herzliche Gespräche zustande gekommen, selbst mit Inhabern, die ich vorher gar nicht kannte“, freut sich der Pharmazeut.

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