Eigenmarketing auf Föhr

Statt Schaufenster-Deko: Apotheke wirbt mit Ausblick

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Berlin -

Apothekenschaufenster zeigen je nach Saison Kosmetik, OTC-Präparate und Nahrungsergänzungsmittel. In der Kur-Apotheke geht Thorsten Knoke einen anderen Weg. Der Inhaber der Insel-Apotheke auf Föhr nimmt hin und wieder alle Ware aus den Auslagen und verwandelt seine Offizin in einen Aussichtsplatz für romantische Sonnenaufgänge.

Vor Ostern beginnt langsam die Saison auf der Nordseeinsel Föhr. Apotheker Knoke und sein Team genießen die Ruhe vor dem Sturm. Der Standort sei „wahrscheinlich die schönste Apotheken-Location in Deutschland mit Blick auf Meer und Strand“, sind sich er und sein Team einig. Diese Lage zelebriert die Truppe regelmäßig gemeinsam mit Kunden und Nachbarn, die am frühen Morgen mit einer Tasse Kaffee vorbeischauen.

Per Poster wirbt Knoke im Schaufenster für den Ausblick aus seiner Apotheke: „Werbung ist bunt, anregend, informativ, vielfältig … und uns oft im Weg“, heißt es auf dem Plakat. „Verweilen Sie mit uns ein bisschen und genießen Sie einfach diesen herrlichen Ausblick mit uns!“ Die Kunden reagierten darauf und man treffe sich in den Wintermonaten zuweilen mit einer Tasse Kaffee zum Sonnenaufgang in der Offizin, so Knoke.

Für die Aktion räumt der Chef die Schaufenster leer. „Damit soll Aufmerksamkeit in der relativ ruhigen Wintersaison geschafft werden.“ Ganz auf Produktwerbung verzichtet Knoke aber nicht. Wird es voll auf der Insel, räumt er wieder Packungen in die Auslagen. Aktuell wirbt er für den Kundenliebling „Löwenschlaf“ der Löwen-Apotheke von Marcus Niendorf.

Die Kur-Apotheke mit acht Angestellten könne auch während der Nebensaison bestehen, da es relativ viele Ärzte auf der Insel gebe. Auf der rund 9000 Einwohner großen Insel gibt es drei Apotheken in Wyk. Die Stammkundschaft sei auf 16 weitere Inselorte verteilt und nutze den Botendienst. „Meine zwei Fahrer liefern zweimal täglich“, sagt Knoke.

Zu Ostern wird es voll auf Föhr. „In der Saison haben wir bis zu 300 Kunden täglich“, sagt Knoke. Über die Ferienmonate verteilt kommen insgesamt rund 200.000 Gäste zu den Einwohnern hinzu. Der Apotheker übernahm den Standort vor acht Jahren. Damit erfüllte er sich einen Kindheitstraum. Er selbst kommt vom Festland. Mit seinen Eltern war er früher regelmäßig auf der Nordseeinsel im Urlaub. „ich habe früher immer gesagt, hier will ich einmal arbeiten.“

Nach dem Studium war er als Selbstständiger in einer Apotheke in Garbsen bei Hannover tätig. Der Standort sei der komplette Gegensatz zur Kur-Apotheke gewesen und habe an einer viel befahrenen Bundesstraße gelegen. Eigentlich wollte er den Betrieb komplett umbauen, als er das Angebot auf Föhr entdeckte. Knoke bewarb sich und übernahm die Apotheke. Die Arbeit auf der Insel sei ein Geschenk. „Die Lage direkt am Meer nehme ich täglich als etwas Besonderes wahr“, schwärmt er.

Für das Inselleben nimmt der Apotheker Marathonbereitschaften in Kauf. Die langen Notdienstwochen sind für ihn kein Problem. Knoke wechselt sich wochenweise mit seinen Kollegen ab. Er geht am Freitagmorgen um halb neun in die Dienstbereitschaft und gibt sie erst am nächsten Freitag zur selben Uhrzeit wieder ab. Der Notdienst ist komfortabel: Nach dem regulären Feierabend geht Knoke eine Etage höher in seinen Bereitschaftsraum, der wie eine kleine Wohnung auf 50 Quadratmetern mit Wohn-, Schlaf- und Badezimmer eingerichtet ist.

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