Lagerwertverluste

Preisrutsch bei Humaninsulinen

, Uhr
Berlin -

Auf die Apotheken kommen zum 1. April massive Lagerwertverluste zu: Weil es neue Festbetragsgruppen bei den Humaninsulinen gibt, senken die Hersteller ihre Preise. Nicht alle Unternehmen übernehmen die Differenz, sodass in der Offizin rechtzeitig der Kühlschrank geleert werden sollte. Auch bei Cabergolin sowie den Cholinesterasehemmern Galantamin, Donezepil und Rivastigmin gibt es Veränderungen.

Im September hatte der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) Detailneue Festbetragsgruppen für Insuline beschlossen. Der erste Anlauf aus dem Frühahr 2013 war noch vom damaligen Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) gestoppt worden. Künftig wird nur noch nach der Wirkdauer differenziert; neben schnell wirkenden Präparaten werden jeweils intermediär und lang wirkende Insuline sowie Kombinationen beider Gruppen zusammengefasst.

Die Applikationsform spielt keine Rolle mehr: Laut G-BA gibt es keine Belege, dass bestimmte Patientengruppen ausschließlich mit Fertigpens behandelt werden können und sich eines der in die Festbetragsgruppe einbezogenen Arzneimittel damit als unverzichtbar erweist. Die persönliche Präferenz sei dagegen genauso wenig ein Kriterium für die Festbetragsgruppenbildung wie die Compliance.

Patientenvertreter befürchteten bis zuletzt, dass künftig Aufzahlungen fällig werden könnten. Diese Sorge ist jetzt vom Tisch: Große Hersteller wie Novo Nordisk, Lilly, Berlin-Chemie und Sanofi senken ihre Preise. Das wiederum bedeutet aber, dass die Apotheken in zwei Wochen mit einer Abwertung ihres Warenlagers rechnen müssen: Was in der Nacht zum 1. April noch im Kühlschrank liegt, kann nur noch zum niedrigeren Preis abgerechnet werden.

Novo Nordisk hat in dieser Wochen die Apotheken informiert. „Zur Verminderung/Vermeidung von Lagerwertverlusten“ empfehle man eine „angemessene Bestandssteuerung zum Stichtag 1. April 2015“, heißt es in dem Schreiben. Man gehe von einer unveränderten Lieferfähigkeit des Großhandels aus. „Ein Ausgleich möglicher Stichtagsverluste der Apotheken durch Novo Nordisk bzw. den Großhandel ist nicht vorgesehen.“

Für die Apotheken geht es um viel Geld, denn als Schnelldreher sind die gängigen Insuline in fast jeder Apotheke in größerer Stückzahl vorrätig. Bei Actrapid, Actraphane und Protaphane liegt die Differenz je nach Produkt und Packungsgröße auf Basis der Einkaufspreise bei bis zu 5,35 Euro, das entspricht einem Preisrutsch um 7,6 Prozent.

Indirekt betroffen sind auch moderne Insuline wie NovoRapid, Levemir und NovoMix, deren Erstattungsbeträge laut Anlage zur Arzneimittelrichtlinie an die der klassischen Humaninsuline gebunden sind. Auch hier hat sich der Hersteller für Zugeständnisse entschieden, um Aufzahlungen beziehungsweise Umstellungen zu verhindern. Allerdings bleibt der Listenpreis unverändert: Weil die entsprechenden Präparate nicht mehr kosten dürfen als die Standardprodukte, hatten die Hersteller Rabattverträge mit den Krankenkassen geschlossen. Diese werden jetzt angepasst.

Auch Lilly senkt die Preise für Huminsulin Normal, Huminsulin Basal und Huminsulin Basal. In der Folge könnten die Patienten weiter ohne Aufzahlung mit Kwikpen, Patrone und Durchstechflasche versorgt werden. Ob Lagerwertverluste übernommen werden, konnte eine Sprecherin nicht sagen. In Kürze sollen entsprechende Informationen auf der Website veröffentlicht werden.

Berlin-Chemie senkt die Preise bei Berlinsulin ebenfalls, hier werden den Apothekern Verluste erstattet. Allerdings weist das Unternehmen darauf hin, dass bestimmte Fristen eingehalten werden müssen. Abgewickelt wird das Ganze über Pharma Mall.

Neue Festbeträge gibt es bei Cabergolin; allerdings wird das Parkinsonmittel bereits teilweise unter der neuen Erstattungsgrenze angeboten, außerdem gibt es Rabattverträge. Dasselbe gilt für Rivastigmin, das künftig in einer Gruppe mit den vergleichbaren Wirkstoffen Donezepil und Galantamin geführt wird. Während bei Donezepil kleinere Korrekturen fällig werden, droht bei Galantamin ein massiver Preisrutsch. Ob die Hersteller mitziehen, ist derzeit noch offen.

Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz

Neuere Artikel zum Thema
Mehr zum Thema
Kommt die nächste Rabattschlacht?
Skonto-Sperre: Kampf um Gebühren und Ausschlüsse
Einkaufskonditionen
Skonto: Was macht das BMG?
Treuhand empfiehlt Sofortmaßnahmen
Skonto-Verbot: Apotheken sollen bunkern

APOTHEKE ADHOC Debatte