Kommentar

Keine Zeit für Preisbrecher

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Berlin -

Die Bären-Apotheke in Ratingen verspricht ihren Kunden als Gegenleistung für die Abgabe eines Rezeptes eine Werkzeugbox. Damit lotet Apotheker Wolfgang Wittig in unsicheren Zeiten die Grenzen des Zulässigen aus. Aber es geht um mehr. Die Politik will das Apothekenhonorar neu ordnen. Wer jetzt die Arzneimittelpreisverordnung (AMPreisV) in Frage stellt, liefert radikalen Liberalisierern Argumente für ein anderes Apothekensystem, kommentiert Lothar Klein.

In der Politik sind Geschlossenheit und Solidarität ein hohes Gut, wenn es um die Durchsetzung von Forderungen und Positionen geht. Das gilt insbesondere für kleinere Berufsgruppen wie die Apotheker. Nicht ohne Grund hat daher ABDA-Präsident Friedemann Schmidt als Reaktion auf das EuGH-Urteil die Kollegen aufgerufen, die Vorschriften der AMPreisV zu respektieren. Wer für den Erhalt der Preisbindung kämpft, kann Preisbrecher nicht gebrauchen.

Das hält aber offensichtlich Apotheker nicht davon ab, mit zweifelhaften Angeboten aus der Reihe zu tanzen und für sich einen kleinen Vorteil zu suchen. Solche Ausbrüche aus der AMPreisV gab es schon vor dem EuGH-Urteil – geschenkt. Nach dem 19. Oktober erhalten diese Beispiele aber politisch ein anderes Gewicht. Die Apotheker stehen unter besonderer Beobachtung der Politik. Mit dem Scheitern des Rx-Versandverbotes ist eine Diskussion über die Neuordnung des Apothekenhonorars angelaufen. Nach der Bundestagswahl wird es ernst.

Auch die ABDA sucht nach neuen Wegen. Aber am Festpreissystem für rezeptpflichtige Arzneimittel will sie festhalten. Andere wie die Grünen haben bereits eine Höchstpreisregelung ins Gespräch gebracht. Und alle warten gespannt auf das Honorargutachten des Bundeswirtschaftsministeriums im Herbst. Wie die Diskussion ausgeht, lässt sich noch nicht prognostizieren.

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