Impfzertifikate: Erste Fälschungen in Apotheken aufgetaucht

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Berlin - Seit einer Woche stellen Apotheken digitale Impfzertifikate aus. Auf Fälschungen soll geachtet werden, bei Unklarheiten sollen keine QR-Codes generiert werden. Doch wie man Fälschungen erkennt und was eigentlich alles im gelben WHO-Pass geändert und angepasst werden darf, darüber wurden die Apotheker:innen bislang nicht aufgeklärt. So kommt es, dass Kolleg:innen sich gegenseitig mit wertvollen Tipps aus der Praxis unterstützen.

Gerhard Brunner, Inhaber der Wald-Apotheke Gräfenroda, staunte nicht schlecht, als ihm in der vergangenen Woche ein Impfpass mit überklebter Adresse vorgelegt wurde. Das ursprüngliche Namens- und Adressfeld war nicht mehr zu sehen. „Nach Umzug oder Namensänderung nach Heirat haben manche auf der Frontseite des Impfpasses eigenständig Aufkleber aufgebracht mit neuer Adress- oder Namensangabe“, erzählt der Apotheker. „Uns wurde ein Pass vorgelegt, bei dem Namen und Adresse nicht von dem impfenden Arzt eingetragen wurden. Da haben wir uns erst einmal gefragt, wie man mit solch einem Fall umgeht.“

Zu seinem Glück kannte Brunner die beiden Kund:innen persönlich – eine Fälschung konnte in diesem Fall also ausgeschlossen werden. Aber was, wenn es sich nicht um bekannte Personen handelt? Der Apotheker informierte sich und wurde nur bedingt fündig: „Das Problem ist, dass der Impfpass kein amtliches Dokument ist. Dabei ist er gerade jetzt so wichtig. In der Vergangenheit wurde der Pass nicht immer gut gepflegt und hatte auch einfach nicht den heutigen Stellenwert.“ Bei seinen Recherchen wurde er darauf aufmerksam, dass es bei einem nicht-amtlichen Dokument eben auch keinen amtlichen Prozess der Personalisierung gibt. Das gelte auch für Änderungen von Name und Adresse. Für ihn und sein Team steht fest: „Solange wir nicht wissen, wie wir offiziell mit diesen Fällen umgehen sollen, und wir die Personen, die es betrifft, nicht kennen, stellen wir kein Zertifikat aus.“

Auch in Berlin sind erste Fälschungen aufgetaucht. Eine Apothekerin berichtet, dass Impfpässe vorgelegt werden, in denen die angeblichen Impfungen von zwei unterschiedlichen Hausärzt:innen durchgeführt wurden – und zwar zu einem Zeitpunkt, als die Praxen noch gar nicht impfen konnten. Zwar dürfen Ärzt:innen, die im Impfzentrum tätig sind, auch den generellen Praxisstempel zur Dokumentation nutzen. Doch in diesem Fall handelte es sich offensichtlich um eine Fälschung: Denn auch die Impfabstände passten nicht zueinander. Auch hier sollte die Apotheke ein Auge drauf haben, berichtet die Apothekerin. Auch bei der Kontrolle der Chargen wird es den Apotheken nicht einfach gemacht. Gerade zu Beginn der Impfungen wurden diese zum Teil per Hand, zum Teil mittels selbstausgedruckter Etiketten dokumentiert.

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