Meningokokken-Todesfall

Die Apotheke, die Bescheid wusste Eugenie Ankowitsch, 29.01.2018 15:27 Uhr

Berlin - Im hessischen Lindenfels ist vor zwei Wochen ein zweijähriges Mädchen an einer Meningokokken-Infektion gestorben. Im Anschluss wurde Kritik am Vorgehen des zuständigen Gesundheitsamtes laut. Unter anderem wurde bemängelt, dass das Prophylaxe-Antibiotikum Eremfat (Rifampicin, Riemser) nicht verfügbar war. Stimmt nicht, sagt nun Apotheker Dr. Oliver Saur. In seiner Heppenheimer Rewe-Apotheke hatte er bereits am Abend vor dem großen Ansturm einen stattlichen Vorrat an dem selten gebrauchten Medikament angelegt.

Nachdem das zweijährige Mädchen aus Lindenfels am Freitagabend verstorben ist, hat das Gesundheitsamt am Samstag die Eltern der Kinder, die Kontakt mit dem Mädchen gehabt haben könnten, dazu aufgefordert, den ärztlichen Bereitschaftsdienst aufzusuchen und sich vorsorglich ein Antibiotikum gegen die Infektion verschreiben zu lassen. Doch in den Apotheken vor Ort war Eremfat nicht verfügbar. Apotheker Dominik Müller kritisierte im Gespräch mit APOTHEKE ADHOC, dass seitens des Gesundheitsamtes keinerlei Informationen vorlagen. Stattdessen hätten Kunden gerüchteweise von einem Verdachtsfall berichtet.

Und so traf ihn die große Nachfrage nach dem selten verschriebenen Antibiotikum, das in erster Linie bei TBC, aber auch zur Meningokokken-Meningitis-Prophylaxe angewandt wird, gänzlich unvorbereitet. Sein Kollege aus Heppenheim war da offenbar umsichtiger. „Wir haben von dem Verdachtsfall gehört und uns auf eigenes Risiko bevorratet“, sagte Saur gegenüber APOTHEKE ADHOC. Diese eher ungewöhnliche Vorgehensweise begründete der Apotheker mit der gesetzlichen Pflicht der Apotheker, die Arzneimittelversorgung sicherzustellen.

Auch habe er nichts von den von Müller beklagten Lieferschwierigkeiten bei Großhändlern mitbekommen. „Wir haben bereits am Freitagabend mehr als 50 Säfte bekommen und hätten ohne Probleme weitere 50 bei einer etwas weiter entfernten Niederlassung erhalten können“, sagt er. Damit widerspricht er den Erfahrungen des Lindenfelser Apothekers, der berichtete, dass weder er noch seine Kollegen aus dem Umkreis am Samstagvormittag Glück bei der Verfügbarkeitsanfrage gehabt hätten. Nur bei einem Großhändler habe er sieben Packungen bestellen können.

  • 1
  • 2

APOTHEKE ADHOC Debatte

Neuere Artikel zum Thema

Weiteres
Markt

Kooperationen

MVDA und Phoenix raufen sich zusammen»

Ärzte vs. Bewertungsplattform

Jameda muss zwei Profile löschen»

Online-Auktionshaus

Ebay-Händler bietet sechs Apotheken-Domains»
Politik

Pro Generika

Generikachefs erklären Lieferengpässe»

Digitalisierung

eRezept: DAV-App kostet eine Million Euro»

Zustimmung im Bundestag

PTA-Reform: Jetzt ist der Bundesrat am Zug»
Internationales

Reform des Heilmittelgesetzes

Schweiz: Apotheker können Rx ohne Rezept abgeben»

Zweite Apotheke in Eugendorf

Selbstständig – nach 25 Berufsjahren»

Rx-Switch

Schweden: Diclofenac nur noch auf Rezept»
Pharmazie

Klinische Prüfung

Studien: Eine Million Probanden, keine Zwischenfälle»

Proliferative diabetische Retinopathie

Lucentis: Zulassung erweitert»

Schmerzmittel

Diclofenac: Jeder zehnte Fall kontraindiziert»
Panorama

Falsche Adresse im Gewerbegebiet

Apotheker verfolgen illegalen Versender»

US-Behörde meldet

35.000 Tote pro Jahr durch antibiotikaresistente Keime»

Hal Allergy

Mysteriös: Faxe verschwinden im Nirwana»
Apothekenpraxis

Lieferengpässe

Nach 24 Stunden: Apotheken dürfen Rabattvertrag ignorieren»

Umfassende Ausbildungsreform

Pharmaziestudium: ABDA will MC abschaffen»

Wangerooge

Apothekerin kauft Geld bei der Eisdiele»
PTA Live

LABOR-Download

Checkliste: Arzneimittel-Missbrauch»

Münster

PTA-Schule: Umzug und Verkaufsgespräche»

PTA-Reform

2,5 Jahre: Union lehnt längere Ausbildungszeit ab»
Erkältungs-Tipps

Heilpflanzenporträt

Echinacea: Die Erkältungspflanze»

Erkältungsbalsam

Frei Atmen dank ätherischer Öle»

Nasennebenhöhlenentzündung

Chronische Sinusitis: Schleichende Infektion»
Magen-Darm & Co.

Darmerkrankungen

Divertikel: Darmausstülpungen mit Risiken»

Nahrungsmittelunverträglichkeiten

Zöliakie: Gluten vs. Darm»

Heilpflanzenporträt

Sennesfrüchte: Natürlich abführen mit Einschränkungen»
Kinderwunsch & Stillzeit

Wochenbettdepression

Vom Tief nach der Geburt»

Behördengänge

Geburtsurkunde, Krankenkasse & Co. – An alles gedacht?»

Schwangerschaftveränderung

Wenn nicht nur der Bauch wächst»