Corona-Impfstoff droht zu verfallen

Auf der Straße: Apotheke rekrutiert Impflinge für Praxis

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Berlin -

Die Nachfrage nach Corona-Impfungen sinkt und viele Praxen bleiben zunehmend auf ihren bestellten Impfdosen sitzen. Die Berliner Nordring-Apotheke zeigt vollen Einsatz dabei, den Verfall der Vakzine zu verhindern.

4,5 Prozent des in Praxen vorhandenen Corona-Impfstoffs könnte bis Ende August verfallen, ergab eine Umfrage des Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) unter Ärzt:innen. Dass Arztpraxen und Apotheken schon jetzt darum kämpfen, die bestellten Impfstoffe innerhalb der Haltbarkeitszeit zu verimpfen, zeigt das Beispiel der Berliner Nordring-Apotheke und des Ärztehauses, in dem sie sich befindet.

In letzter Zeit hätten die Praxen Schwierigkeiten gehabt, den vorhandenen Impfstoff rechtzeitig unter die Leute zu bringen, erzählt erzählt Apothekerin Silke Peters. Das liege meistens daran, dass Patient:innen nicht zu ihren Terminen erschienen. Da zwei Wochen im Voraus bestellt werden müsse, bleibe die Praxis auf dem Impfstoff sitzen, wenn Patient:innen ihren Impftermin zu spät absagten. Viele ließen sich zwischenzeitlich in einem Impfzentrum impfen, um Zeit zu sparen.

Für die Praxen sei das ein Problem: Die Haltbarkeit des Impfstoffes Corminaty (Biontech) beispielsweise beträgt zwar aktuell 31 Tage, bereits aufbereiteter Impfstoff müsse jedoch rasch aufgebraucht werden. „Ein Corminaty-Vial ergibt sechs, maximal sieben Impfdosen“, erklärt Peters. „Sobald der Impfstoff aufbereitet wurde, ist er maximal sechs Stunden haltbar. Fallen dann zwei Patienten überraschend aus, bleiben also zwei Dosen übrig, für die sehr zügig ein Ersatz gefunden werden muss.“

Auch Peters hat solche Engpässe schon miterlebt. Um den Impfstoff nicht entsorgen zu müssen, hätten die Praxisteams kurzerhand auch andere Patient:innen des Ärztehauses angesprochen und ihnen einen spontanen Impftermin angeboten. Die Nordring-Apotheke habe die Ärzt:innen in solchen Fällen so gut wie möglich unterstützt, erzählt die Apothekerin: „Wir haben unsere Kunden gefragt und uns teilweise auch vor die Apotheke auf die Straße gestellt und Passanten angesprochen.“ Sogar beim Döner-Bistro nebenan habe das Team nachgefragt. Der Einsatz habe sich gelohnt – bisher habe das Ärztehaus noch keinen Impfstoff verfallen lassen müssen, so Peters aktueller Stand: „Unser Angebot wurde gut von den Menschen angenommen, die meisten haben sich gefreut.“

Andere Praxen seien nicht so erfolgreich: Einmal sogar habe eine fremde Arztpraxis sie kontaktiert und angefragt, ob ihre Apotheke übrig gebliebenen Impfstoff abnehmen könne. „Natürlich habe ich abgelehnt. Wir können in solchen Fällen nämlich auch nichts anderes tun, als den Impfstoff zu entsorgen."

Seit Ärzt:innen ihre Restbestände an andere Praxen und Impfzentren weitergeben dürfen, sei die Impfstoffabgabe zumindest flexibler geworden. Dennoch weiß Peters von vielen Ärzt:innen, denen diese logistische Hürde mittlerweile zu groß sei und die ihr Impfangebot zeitnah einstellen wollten. „Für viele nimmt die Wahrscheinlichkeit, dass der Impfstoff liegen bleibt, immer weiter zu.“

Von der Entsorgung ist laut Zi-Bericht mit 19,8 Prozent Verfallsquote vor allem AstraZeneca betroffen, Biontech vergleichsweise selten mit circa 2,3 Prozent. Eine mögliche Lösung, dem Impfstoff-Verfall entgegenzuwirken, wäre die Verfügbarkeit von Einzeldosen. In der Umfrage wiesen die teilnehmenden Ärzt:innen darauf hin, dass diese das Impfen in den ärztlichen Praxen erheblich vereinfachen würde. Der Zi-Vorstandsvorsitzende Dr. Dominik von Stillfried äußerte sich folgendermaßen: „Wir sehen hier Politik und Industrie in der Pflicht, dies jetzt schnell umzusetzen. Damit kann das Impfen in Zukunft noch effizienter und ressourcenschonender geplant werden.“

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