Westfalen-Lippe

Syrische Apothekerin besteht Sprachprüfung

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Berlin -

Die Syrerin Angie Khetyar hat ihre Fachsprachenprüfung bei der Apothekerkammer Westfalen-Lippe (AKWL) „mit Bravour“ bestanden. Bislang waren die Bezirksregierungen in Nordrhein-Westfalen für die Abnahme der Fachsprachenprüfung zuständig. Seit Mitte des Jahres haben die Kammern diese Aufgabe übernommen. Khetyars Prüfung war die erste im Apothekerhaus in Münster.

Vor etwas mehr als einem Jahr floh die Apothekerin aus der syrischen Stadt Homs nach Nordrhein-Westfalen, genauer nach Herne. „In Duisburg habe ich dann Sprachkurse besucht und das Niveau B2 erreicht“, sagt die 26-Jährige. Ihr Bruder ist schon vor Jahren nach Deutschland ausgewandert. Er lebt auch in Herne, wo er als Arzt im Krankenhaus arbeitet.

In Syrien hat Khetyar eine eigene Apotheke geführt, die sie zurücklassen musste. Seit etwa vier Monaten ist sie Hospitantin in der Paracelsus-Apotheke von Inhaber Dr. Robert Sibbel. Der Kontakt zwischen Sibbel und der Apothekerin kam über den Bruder zustande: „Die beiden kamen zusammen in die Apotheke und haben sich vorgestellt“, erinnert sich Sibbel.

Bisher durfte Khetyar kein pharmazeutisches Praktikum machen, da ihre Ausbildung nicht anerkannt war. „Sie darf nur die Aufgaben von Schülerpraktikanten übernehmen und den Kollegen über die Schulter schauen“, sagt Sibbel. Er habe Khetyar auf 450-Euro-Basis angestellt, damit sie versichert sei. „Vor allem ging es darum, dass sie Deutsch übt“, sagt er. Begleitend hat sie einen Sprachkurs absolviert.

Die Fachsprachenprüfung gliedere sich in drei Teile, erklärt Dr. Sylvia Prinz, Leiterin der Abteilung Weiterbildung der AKWL. Zunächst wird ein Patientengespräch simuliert. Daraufhin musste Khetyar einen AMK-Bogen ausfüllen. Zum Abschluss folgte ein 20-minütiges Fachgespräch zwischen Apothekern.

Drei Prüfer musste Khetyar überzeugen; neben Prinz die Apothekerinnen Dr. Claudia Brüning und Heike Steen. Die AKWL hatte sich auf die Prüfungsabnahmen vorbereitet; neun Apotheker haben sich mit einer Ausbildung als Prüfer qualifiziert.

Sibbel gratuliert Khetyar zur bestandenen Prüfung: „Wir sind sehr stolz“, sagt er. Sobald die Bezirksregierung grünes Licht gibt, soll Khetyar ein pharmazeutisches Praktikum in der Paracelsus-Apotheke beginnen. Nach einem einjährigen Apothekenpraktikum steht das dritte Staatsexamen an. Wenn sie dieses besteht, erhält sie die Approbation. Damit könnte Khetyar in jeder deutschen Apotheke uneingeschränkt arbeiten. „Auf ihrem Weg dahin werden wir sie weiterhin begleiten“, sagt Sibbel. Danach will er die Apothekerin übernehmen.

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