Kritik am GSAV

„Apotheker setzen jeden Unsinn um – ohne Entgelt“ Cynthia Möthrath, 11.07.2019 15:07 Uhr

Berlin - Dr. Wolfgang Erdle, Geschäftsführer von Steribase, einem Software-Anbieter für Apotheken mit Sterilherstellung, hat eine klare Meinung zum Gesetz für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung (GSAV) und der darin vorgesehenen erweiterten Kennzeichnung für parenterale Zubereitungen: In einem Rundschreiben an seine Anwender kommentiert der Apotheker die Unsinnigkeit der Maßnahme und geht auf die Schwierigkeiten bei der Umsetzung ein. Gleichzeitig fordert er die betroffenen Apotheken zu mehr Widerstand auf.

Das GSAV sieht eine Änderung der Apothekenbetriebsordnung (ApBetrO) in Bezug auf die Kennzeichnung von Rezepturarzneimitteln vor: Bei patientenindividuell hergestellten parenteralen Zubereitungen müssen ab sofort – zusätzlich zu den bisherigen Angaben – die Bezeichnung der verwendeten Fertigarzneimittel, die Chargenbezeichnungen sowie der Name des Herstellers angegeben werden. „Bei dieser Gesetzesänderung habe ich mir – einmal bildlich formuliert – die Frage gestellt, welchem spontanen neuronalen Kurzschluss dieser Gedankenblitz entwichen ist und sich auf das Papier des Gesetzesentwurfes gebrannt hat“, heißt es in Erdles Rundschreiben.

„Man dürfte meiner Einschätzung nach davon ausgehen, dass es zu jedem Entwurf einer Gesetzesänderung auch eine nachvollziehbare Begründung gibt.“ Bisher sei es Erdle jedoch nicht gelungen, einen Ansatzpunkt zu finden, in welcher Weise diese Maßnahme zur Verbesserung der Arzneimittelsicherheit beitrage. Mit gutem Willen könne man sich noch zu dem Gedanken durchringen, dass es unter Umständen Sinn mache, die vollständige Dokumentation der Fertigarzneimittelchargen in der Arztpraxis oder auf Station „vorrätig“ zu haben, um bei tatsächlichem Bedarf an diesen Informationen nicht auf die Apotheke zurückgreifen zu müssen. Das Aufbringen dieser Information sei jedoch hinfällig, wenn man sich den praktischen Ablauf einmal anschaue: Die verabreichten Beutel und Spritzen würden unmittelbar nach Beendigung der Infusion in den Sondermüll entsorgt und der Hochtemperaturverbrennung zugeführt. „Im wahrsten Sinne des Wortes ist diese Gesetzesänderung dann sowohl praktisch wie inhaltlich für den Müll und am Ende in Rauch aufgegangen.“

Der Verband der Zytostatika herstellenden Apotheker (VZA) hat bereits eine Stellungnahme zum Gesetzesentwurf eingereicht. Aus ihr geht hervor, dass die Änderung weder ein Nutzen habe, noch dass diese sinnvoll praktikabel sei. Nach Auskunft des VZA hat es diese Stellungnahme jedoch nicht einmal in die Änderungsanträge geschafft und wurde auch nicht beantwortet. „Hier darf man sich dann die Frage stellen, ob es eigentlich noch eine Steigerung gibt, mit der man sein Desinteresse an und die Geringschätzung derer, die von diesem Gesetz betroffen sind, zum Ausdruck bringen kann“, kommentiert Erdle. „Das ist etwas, was mir ganz massiv aufstößt.“

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