Impfnachfrage durch Senior:innen steigt

Apotheker: „In drei Wochen kommt die Booster-Welle“

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Berlin -

Seit vier Wochen können Apotheken offiziell Covid-19-Impfungen anbieten. Die Zahl der bestellten Impfstoffe für eine Immunisierung in der Offizin geht seitdem zurück – Apotheker Johannes Jaenicke aus Rheinland-Pfalz geht davon aus, dass sich dies bald ändern wird. Für die kommenden Wochen melden sich bei ihm immer mehr über 70-Jährige, die ihre zweite Booster-Impfung erhalten möchten.

Alle sechs Minuten ein Piks – Jaenicke ist ein erfahrener Impf-Apotheker. Nach seiner Tätigkeit in Impfstellen beteiligt er sich mit seiner Adler-Apotheke in Rhaunen seit Anfang Februar an den Covid-19-Impfungen. „Klar, rettet das Impfen die Apotheken nicht, aber ich finde, das ist eine Riesenchance für Apotheken und eine Aufwertung des Berufes. Natürlich gibt es andere Probleme wie die Entlohnung, die angehoben werden müsste.“

Jaenicke verimpft Comirnaty von Biontech. Das hat mehrere Gründe, wie er schildert. „Biontech ist ein bisschen leichter. Moderna ist allein deshalb umständlicher, weil es unterschiedliche Dosierungen gibt.“ Zudem zeigten Kund:innen Lokalpatriotismus, denn der Hersteller Biontech mit Sitz in Mainz betreibt im rund 30 Kilometer entfernten Idar-Oberstein eine Produktionsanlage. Und immerhin sorgte diese Ansiedlung dafür, dass der verschuldete Landkreis ordentlich Steuergelder erhalten habe. „Der Kreis war über Nacht schuldenfrei“, so der Apotheker, das merkten sich die Leute.

Samstag ist Impftag

Am kommenden Samstag geht das Impfen der Adler-Apotheke in die nächste Runde. Jaenicke erwartet 30 Impflinge. Die Zahl der Kund:innen ist seit dem Start kontinuierlich gewachsen. „In der ersten Woche waren es nur zwölf, da war ich etwas zögerlich“, sagt er. Hauptsächlich kämen Nachfragen wegen Mund-zu-Mund-Pro­pa­gan­da, „aber auch Aufrufe über Facebook ziehen immer“. Zudem werde in der Apotheke für das Impfen geworben. Erstimpfungen seien noch nicht vorgekommen, zuletzt seien viele Menschen in seine Offizin gekommen, die mit Janssen erstgeimpft wurden, um die Immunisierung auffrischen zu lassen. „Ich sehe jetzt, dass die Termine in drei Wochen schon ausgebucht sind. Da kommt die nächste Booster-Welle.“

 

Apotheken könnten deshalb nochmals wachsam sein und sich an der Impfkampagne beteiligen, appelliert Jaenicke. Die Gruppe der Senior:innen im Alter über 70 Jahre wolle sich in der Apotheke impfen lassen und planten bereits jetzt ihre Termine. „Die Jüngeren kommen eher spontan.“ Im langsamen Start der Apotheken-Impfungen sieht er auch Vorteile. „Diese Zeit war gut zum Üben.“ Der Apotheker plant bisher anderthalb Stunden für die Impfungen ein.

Froh über Mietmöglichkeiten

In externen Räumen, die er für die Apotheke bereits als Büroräume angemietet hatte, richtete er eine Impfstelle ein. Gemeinsam mit zwei PKA kümmert er sich um die Impfwilligen. Erfahrung bringt der Apotheker mit, da er große Impfaktion vor Ort organisierte und dort bereits gegen Corona impfte. Denn er ist einer von bundesweit rund 2600 Pharmazeut:innen, die bereits im Rahmen von Modellvorhaben die ärztlichen Schulungen erfolgreich absolviert hatten.

In seiner Apotheke ist eine weitere Approbierte für die Covid-19-Impfung ausgebildet. Insgesamt sei sein Team gespalten. „Das Lager teilt sich auch bei meinem Personal. Ein Teil sagt bewusst, dass es sich nicht um eine apothekerliche Aufgabe handelt. Die anderen finden es super und abwechslungsreich.“ Unterstützt wird er von den Ärzt:innen vor Ort. Ein Mediziner habe sogar angerufen und nicht benötigte Dosen an ihn weitergegeben. „Für die Ärzte wird es anstrengend, genug Leute zusammenzubekommen. Sie wollen es eher abgeben.“

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