Wundversorgung

Trocken oder feucht – auf die Art der Wunde kommt es an

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Berlin -

Die feuchte Wundversorgung wird bei chronischen Wunden bevorzugt. Alginate und Schaumauflagen können tiefe Wunden, zum Beispiel im Rahmen eines Dekubitus, heilen. Doch auch bei kleineren Wunden, wie Operationsnarben, setzen Ärzte häufiger auf Hydrogel oder Hydrokolloid Pflaster. Die Anwendung mindert die Narbenbildung, da ein optimales Wundheilungs-Milieu entsteht. Auch bei Blasenpflastern bedient man sich dem Prinzip der feuchten Wundversorgung – die Blasenpflaster halten mehrere Tage sind wasserfest und verrutschen nicht. Bei kleinen alltäglichen Schnitt- und Schürfwunden ist das einfache Pflaster ausreichend.

Akute Wunden

Traumatisch

  • Schürfwunde: oberflächliche Wunde durch Reibungskräfte verletzt wird; ist nur die Oberhaut betroffen spricht man von einer Erosion, geht die Verletzung bis in die Lederhaut handelt es sich um eine Exkoriation.
  • Schnittwunde: Je nach Tiefe kann es zu starken Blutungen kommen, tieferliegende Gewebe (Sehnen oder Knochen) können verletzt sein
  • Stichwunde: Besonders anfällig für Infektionen, da der Stichkanal kaum Ausbluten kann
  • Platzwunde: Verletzung, bei der ein stumpfer Gegenstand auf die Haut aufprallt (meist an Stellen, wo Haut und Unterhaut direkt am Knochen aufliegen) – ein Widerlager entsteht, die Folge: Entlastungsrisse
  • Bisswunde: Hohe Infektionsgefahr, Bisswunden sollten ärztlich versorgt werden
  • Risswunde: Durch Gewalteinwirkung mit stumpfen Gegenständen reißt die Haut und das darunter liegende Weichteilgewebe auf – körnige Wundflächen und zerfetzte Wundränder
  • Quetschwunde: Folge einer stumpfen Gewalteinwirkung mit ausgedehnter Quetschung des umliegenden Gewebes

Thermisch

  • Verbrennungen (einschließlich Stromverletzung): Zellen verbrennen unter Hitzeeinwirkung, die Folge: Entzündung, Ödembildung und Flüssigkeitsverlust
  • Verbrühungen: Schädigung der oberen Hautschichten durch heiße Flüssigkeit (Wasser, Öl), Schwere der Verbrühung hängt vom Siedepunkt der Flüssigkeit ab
  • Erfrierungen: Ausprägung reicht von Rötung über Blasenbildung bis hin zu Nekrose

Chemisch/Strahlenbedingt

  • Säuren: Koagulationsnekrose (Absterben von proteinreichen Geweben) – Gerinnung der Zelleiweiße
  • Laugen: Kolliquationsnekrosen (nach initialer Zellschwellung kommt es zur Verflüssigung des Gewebes), oft tiefer als Säure-Verärtzungen
  • Besonderheit Flusssäure: Durch die hohe Lipophilie wird die Säure direkt von der Haut resorbiert, die Folge: Verätzungen der tieferen Gewebe und Knochen, mitunter ohne äußerliche Anzeichen
  • ionisierende Strahlen: Röntgenstrahlen, Alpha- Beta- oder Gammastrahlen

Chronische Wunden

Als chronisch wird eine Wunde bezeichnet, wenn sie trotz adäquater Behandlung keine Heilungstendenz zeigt. Sie entstehen meist nicht durch traumatische äußerliche Ereignisse, sondern sind häufig Folge einer bestehenden Grunderkrankung (beispielsweise Diabetes mellitus).

  • Ulcus Cruris: Offenes Bein – Auslöser ist meist eine chronisch venöse Insuffizienz (CVI)
  • Diabetischer Ulcus: Beim diabetischen Fußsyndroms liegt eine Schädigung sensorischer, motorischer und autonomer Nerven zugrunde, gleichzeitig kann eine Gefäßschädigung vorliegen (diabetische Angiopathie)
  • Dekubitus: Folge von unphysiologisch hohen Druckeinwirkungen, die Folge: Minderdurchblutung der Haut oder des Gewebes führt mitunter zu Nekrosen, meist entsteht die Wunde durch Immobilität

Trockene Wundversorgung

Diese Form der Wundversorgung wird auch konventionelle Wundbehandlung genannt und erfolgt mittels trockener, steriler Verbände. Sie wird auch als traditionelle Wundbehandlung. Bis in die 1960er Jahre wurden auch chronische Wunden nach diesem Prinzip versorgt. Heute werden hauptsächlich kleine Schürf- und Schnittwunden trocken versorgt. Auch postoperativ werden häufig einfache Pflaster auf die Naht aufgelegt.

Die trockene Wundauflage soll Blut und Wundsekret aufnehmen. Die Wunde wird vor äußeren Einflüssen geschützt. Darüber hinaus eignet sich die Auflagefläche zum Auftragen von flüssigen oder halbfesten Zubereitungen. Ein anaerobes Wundmilieu wird vermieden. Nachteilig ist, dass die Wunde im Heilungsprozess mit der Auflage verklebt – beim Wechsel kommt es zum Aufreißen der jungen Hautzellen und die Wunde kann sich erneut öffnen. Als Folge kann es zur Schlechteren Heilung und verstärkter Narbenbildung kommen.

Feuchte Wundbehandlung

Diese Form wird auch als moderne Wundbehandlung bezeichnet. Vor allem sekundär heilende und chronische Wunden werden feucht versorgt. Ziel der feuchten Wundbehandlung ist es, ein ideales Wundheilungsmilieu zu schaffen. Dadurch soll ein Austrocknen der Wunde und eindringen von Keimen vermieden werden. Gleichzeitig soll ein ungehinderter Gas- und Wasserdampfaustausch stattfinden.

Wundauflagen

  • Hydrokolloide: Der äußere Teil ist eine Folie oder eine halbdurchlässige Membran, die keim- und wasserdicht ist, im Inneren ist eine Matrix aus Hydrokolloiden (Zellulose, Alginat, Gelatin, Pektin); Unter einem Hydrokolloidverband herrscht Sauerstoffmangel. Hierdurch werden Makrophagen angeregt, die durch das Freisetzen von Wachstumsfaktoren ein Einsprießen von Kapillaren begünstigen; geeignet für leicht bis mittelstark nässende Wunden
  • Folien: Semipermeabler Folienverband ohne Saugkissen aus Polyurethan; das Material ist wasserdampf- und sauerstoffdurchlässig, jedoch wasser-, bakterien- und teilweise virendicht; es findet keine Exsudataufnahme statt
  • Polyschaumverbände: Wundexsudat kann in größeren Mengen aufgenommen werden, bei tiefen Wunden kann mit Unterdruck Wundsekret in die Auflage gesogen werden
  • Hydrogele: Diese Wundauflagen enthalten ein Gel mit einem hohen Wasseranteil; es können Wirkstoffe einebettet sein; ohne Wirkstoff erfolgt der Einsatz meist bei trockenen Nekrosen (Aufweichung) oder Wunden in der Granulations- oder Epithelisierungsphase
  • Hydrofasern: Kompressen oder Tamponaden zur Versorgung von tiefen oder stark nässenden sowie infizierten Wunden; die Alginate bilden zusammen mit Natrium (aus dem Wundsekret) ein Gel –ein feuchtes Wundmilieu entsteht; Hydrofasern müssen zusätzlich fixiert werden
  • Aktivkohleverband: Kann aufgrund der adsorbierenden Eigenschaften als Wundauflage bei chronischen Wunden (beispielsweise Ulcus cruris) angewendet werden

Erste Hilfe

Jede Wunde sollte, wenn möglich, direkt nach der Entstehung gereinigt werden. Fließendes Wasser eignet sich zur Entfernung von sichtbaren Fremdpartikeln (beispielswiese zum Säubern von Schürfwunden). Um eine mögliche Infektion zu verhindern, sollte die Wunde desinfiziert werden. Lösungen und Sprays mit Octenidin, Polyhexanid oder Jod eignen sich. Im Gegensatz dazu sollte auf alkoholische Desinfektionsmittel verzichtet werden, sie führen zu schmerzhaftem Brennen und einer starken Reizung des Gewebes.

Bei kleinen, alltäglichen Wunden reicht die Versorgung mittels Pflaster. Wundauflagen mit Silberbeschichtung sollen zusätzlich antiseptisch wirken. Wasserdichte Pflaster schützen die Wunde vor dem Auquillen. Das Auftragen von Salben auf die Wundauflage kann ein Verkleben mit de Wunde zwar verhindern, doch sind Wund- und Heilsalben meist nicht steril. Lipophile Salben führen mitunter zu einem Okklusionseffekt, der die Wundatmung behindern kann und ein Keimwachstum begünstigt.

Bei größeren und stärker nässenden Wunden kann eine Versorgung mit einem Hydrogel oder Hydrokolloid Pflaster stattfinden. Bei Verletzungen an sichtbaren Stellen kann der Einsatz dieser interaktiven Wundauflagen zu einer geringeren Narbenbildung führen. Der Wechsel erfolgt erst, wenn das Material genügend Sekret aufgesogen hat und sich leicht ablösen lässt. Ein verfrühtes Ablösen begünstigt eine erneute Schädigung der Haut. Chronische Wunden, stärkere Verbrennungen und Bisswunden sollten ärztlich abgeklärt werden.

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