PEP ist nicht Off-Label

, Uhr
Berlin -

Wer muss bei einer Safer-Sex-Panne oder Verletzungen von medizinischem Personal zahlen? Besteht der Verdacht einer HIV-1-Infektion, sollte so schnell wie möglich gehandelt werden. So kann mit großer Wahrscheinlichkeit eine Infektion verhindert und eine Chronifizierung vermieden werden. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) diskutierte, ob es sich hierbei um einen zulassungsüberschreitenden Einsatz handele.

Für die antiretrovirale Therapie (ART) stehen verschiedene Arzneimittel zur Wahl. Keines von ihnen hat jedoch laut Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfARM) eine explizite Zulassung für die Postexpositions-Prophylaxe (PEP). Betroffene können jedoch mit der ART in jedem Stadium der Infektion zulassungskonform behandelt werden.

Der G-BA diskutierte daher, ob bei einer PEP auf der Grundlage eines bestehenden Verdachts auf eine HIV-1-Infektion nicht von einer Frühtherapie ausgegangen werden kann, die dann keinen zulassungsüberschreitenden Einsatz, den Off-Label-use, darstelle. Das Einleiten einer PEP wird „bei hohem Risiko für eine erfolgte HIV-Infektion als medizinisch sinnvoll angesehen“, teil der G-BA mit.

Der Vorsitzende Professor Dr. Josef Hecken verweist auf die Leitlinie der Deutschen und Österreichischen Aids-Gesellschaft, diese biete „konkrete Handlungsanleitungen zur Erhebung des Infektionsrisikos und dessen Evaluation“. Eine PEP wird bei Kontakt mit erhöhtem Infektionsrisiko empfohlen. Dazu zählen perkutane Stichverletzungen und die massive Inokulation mit Blut und anderen Körperflüssigkeiten. Bei oberflächlichen Verletzungen ohne Blutfluss oder Kontakt mit der Schleimhaut kann eine PEP angeboten werden. Nicht indiziert ist die Frühtherapie bei Kontakt von Blut mit intakter Haut oder perkutanem Kontakt mit Urin oder Speichel, die zu den Flüssigkeiten mit niedrigem Risiko zählen.

Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz

APOTHEKE ADHOC Debatte

Mehr zum Thema
Geld für PharmDL parkt in Apotheken
20 Cent je Packung: Der unsichtbare Kredit »
Preisverhandlungen laufen
NNF kündigt Rechenzentren »
Mehr aus Ressort
Dosierung, bedenkliche Stoffe, Preis
Retaxgefahr Rezeptur »
Rechtliche und pharmazeutische Aspekte
Grauzone: Abgabe von mehreren OTC-Packungen »
Weiteres
Potenzielle Basis für neue Antibiotika
Neue antibakterielle Molekülgruppe entdeckt»
Sensitivität und Nachweisdauer
PEI hat Antikörpertests getestet»
Auffälliger Mundschutz
Rx-Pillen in OP-Maske versteckt»
„Beim Mittagessen ging es nur um Apotheke“
Ein Loblied auf die Apotheke»
Suspension und Kapseln
Sildenafil in der Pädiatrie»
„Der Betriebsablauf darf nicht gestört werden“
Angestellte abwerben: Das ist nicht erlaubt»
Dosierung, bedenkliche Stoffe, Preis
Retaxgefahr Rezeptur»
Rechtliche und pharmazeutische Aspekte
Grauzone: Abgabe von mehreren OTC-Packungen»