Reform des Heilmittelgesetzes

Schweiz: Apotheker können Rx ohne Rezept abgeben APOTHEKE ADHOC, 14.11.2019 08:07 Uhr

Berlin - Wer in der Schweiz an einer Bagatellkrankheit leidet, kann sich in Apotheken beraten und mit einer Reihe rezeptpflichtiger Arzneimittel behandeln lassen. Das geht nach dem neuen Heilmittelgesetz auch ohne eine ärztliche Verordnung. Denn bereits seit Jahresbeginn wurden die sogenannten Abgabekategorien bei Arzneimitteln umverteilt – die mit der kürzlich abgeschlossenen Umverteilung neu eingestuften Medikamente dürfen Apotheker nun nach einer dokumentierten Beratung abgeben.

Die Reform des Heilmittelgesetzes hatte in der Schweiz viel Kritik einstecken müssen: „Hustensaft bald nur noch auf Rezept“, titelten mehrere Schweizer Zeitungen fast gleichlautend. Die Apotheker wiederum mussten ebenfalls eine Kröte schlucken: Hunderte Präparate wurden nämlich aus der Apothekenpflicht entnommen und sind seitdem in Drogerien erhältlich. Die Neuordnung der Abgabekategorien hat den Apothekern aber auch eine Kompetenzerweiterung gebracht, die für viele Patienten alltagstauglich sein dürfte.

Denn die Kategorie C für Arzneimittel, die zwar rezeptfrei sind, aber nur nach einer Fachberatung durch Medizinalpersonal abgegeben werden dürfen, wurde abgeschafft. Rund 600 Arzneimittel in ihr wurden umverteilt in die Kategorien B und D, laut der Schweizer Arzneimittelbehörde Swissmedic zu 85 Prozent in die Kategorie D, also rezeptfreie Arzneimittel, die künftig nach Beratung auch in Drogerien verkauft werden dürfen, darunter Iberogast, Sinupret, Buscopan, Talcid, Loperamid oder Voltaren Dolo forte und pflanzliche Arzneimittel mit Johanniskraut. Rund 100 Arzneimittel, die aus Gründen der Arzneimittelsicherheit eine Beratung durch eine Medizinalperson erfordern, wurden in die Kategorie B heraufgestuft, sind also jetzt rezeptpflichtig – allerdings nicht ganz.

Denn eine Regelung sieht vor, dass Apotheker nun diese neu kategorisierten Rezepte nach einem dokumentierten Beratungsgespräch auch ohne ärztliche Verordnung abgeben dürfen, eine sogenannte „Abgabe ohne Rezept mit Abklärung“. Darunter sind hauptsächlich Arzneimittel gegen Batagellkrankheiten wie Bisolvon, Hustenmittel mit dem Wirkstoffen Codein und Dextromethorphan, aber auch die Pille danach EllaOne, Hexamidin-Augentropfen gegen Bindehautentzündung oder Motilium gegen Übelkeit.

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