BAH-Gesundheitsmonitor

Schneller in der Apotheke als beim Arzt Lothar Klein, 20.08.2019 12:16 Uhr

Berlin - Die Menschen im Osten Deutschlands beurteilen ihre Gesundheitsversorgung vor Ort schlechter als die Einwohner der meisten westlichen Bundesländer. Das hat der Bundesverband der Arzneimittel-Hersteller (BAH) in seinem Gesundheitsmonitor ermittelt und macht sich Sorgen wegen der anstehenden Landtagswahlen. Der Gesundheitsmonitor kam zudem zu einem überraschenden Ergebnis: Obwohl es deutlich mehr Arztpraxen als Apotheken gibt, schätzen die Befragten den Weg dorthin kürzer ein als zum Mediziner.

In strukturschwachen Regionen könnte gerade die Apotheke vor Ort an Bedeutung gewinnen, sieht der BAH für Apotheken gutes Potenzial. Der Apotheker könne vor allem Menschen mit leichten Erkrankungen beraten und so die Hausärzte entlasten. Bereits heute seien die Selbstmedikation mit Arzneimitteln und Gesundheitsprodukten, insbesondere in Verbindung mit der persönlichen fachlichen Beratung in der Apotheke, ein zentraler Baustein in der Gesundheitsversorgung der Menschen.

Zudem sei die Apotheke die Gesundheitseinrichtung, die sich laut Gesundheitsmonitor am nächsten zum Wohnort befindet: Die 2000 Befragten des Gesundheitsmonitor sollten ihre persönliche Einschätzung der Entfernung zur nächsten Apotheke, zur nächsten Arztpraxis und zur nächsten Klinik angeben. Das Ergebnis überrascht: Die nächste Apotheke ist nach subjektiver Einschätzung im Durchschnitt 2,9 Kilometer entfernt, die nächste Hausarztpraxis 3,4 Kilometer, der Zahnarzt 3,8 Kilometer und der nächste Hautarzt sogar 5,2 Kilometer. In Deutschland gibt es aber knapp 120.000 niedergelassene Ärzte und nur rund 19.500 Apotheken. Zum Vergleich: Hausärzte gibt es mehr als doppelt so viele.

„Eine gute Zusammenarbeit vor Ort kann viel Negatives wettmachen“, sagt Dr. Hubertus Cranz, Hauptgeschäftsführer des BAH. „Ärzte und Apotheker können in diesem Zusammenhang das Gefühl von Sicherheit geben. So könnten sich Apotheken zu lokalen Gesundheitskompetenz- und Gesundheitskommunikationszentren entwickeln. Diese Zentren bieten dann Orientierung in einer immer flexibler werdenden Gesundheitswelt und übernehmen eine Lotsenfunktion.“

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