Vollzeit im Klinikum, Teilzeit in Offizin

Wie arbeitet eigentlich eine Krankenhaus-PTA?

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Berlin -

Die Tätigkeiten der PTA in der öffentlichen Apotheke sind allgemein bekannt, doch was macht eigentlich eine PTA im Krankenhaus? Stephanie Bose ist hauptverantwortliche PTA im aseptischen Bereich des Klinikums in Frankfurt Oder. Sie berichtet, wie fordernd, aber gleichzeitig zufriedenstellend ihre Arbeit im Krankenhaus ist und warum sie sich immer wieder für diesen Job entscheiden würde.

Schon während ihrer Ausbildung merkte Bose, dass sie der Bereich Herstellung sehr interessiert. Sie ging schon damals mit viel Freude und einem gewissen „Forschungsgeist“ an diesen Bereich heran. „Der Mix aus theoretischem Wissen und praktischem Know-how macht diesen Bereich so spannend für mich. Das gilt sowohl für Rezepturen und Defekturen, als auch für die Arbeit im Labor und in der aseptischen Abteilung. Während meines Praktikums konnte ich schon in den Alltag einer Krankenhausapotheke reinschnuppern, und all das, was ich schon damals miterleben durfte, fand ich so spannend, dass ich mich dazu entschlossen habe, mich auf eine ausgeschriebene Stelle im Krankenhaus zu bewerben. Ich bin sehr froh, dass es geklappt hat“, so Bose.

Hauptverantwortung der PTA

Mittlerweile ist Bose die hauptverantwortliche PTA im aseptischen Bereich und kümmert sich um Bestellungen von Substanzen und Arbeitsmaterialien für diese Abteilung: „Außerdem sorge ich dafür, dass der Arbeitsalltag dort reibungslos ablaufen kann. Die Kollegen auf den Stationen und die Patienten warten ja schließlich auf unsere Zubereitungen.“

Ihre Arbeit beginnt Bose täglich um 6:30 Uhr. Die PTA ist dabei vorrangig in der Zytostatikaherstellung eingeteilt: „Zusammen mit den weiteren Kollegen aus dieser Abteilung bereiten wir den jeweiligen Produktionstag in der aseptischen Abteilung vor, desinfizieren die Räume, stellen Substanzen und Materialien für den ersten Schwung zusammen, dokumentieren diese und dann geht es auch schon mit der Produktion los.“

Dicht getaktete Arbeit

Gearbeitet wird im Dreierteam, in dem es einen Hersteller und einen Beisitzer im B-Raum gibt. So kann alles per 4-Augen-Prinzip kontrolliert werden. Eine dritte Person arbeitet im C-Raum, kontrolliert und verpackt die Zubereitungen, die über die Materialschleuse gereicht werden, um sie dann für die einzelnen Stationen bereitzustellen. „Neben unserem Haus versorgen wir auch zwei weitere Krankenhäuser und einige ambulante Niederlassungen. Je nachdem, wie lange der erste Schwung dauert, gibt es eine kurze Pause, bevor es auf zur nächsten Runde geht“, so Bose.

Zwischendurch werden die Zubereitungen dann im Computerprogramm verbucht und Materialien nachgeräumt: „Wir versuchen, so viel wie möglich zu erledigen, bevor der nächste Schwung gemacht wird. Auch wenn die meisten Bestellungen tags zuvor an uns geschickt werden, passiert es doch, dass akute Fälle dazukommen. Wir versuchen, mit der Herstellung gegen Mittag fertig zu sein, denn wir haben alle noch zusätzliche Aufgaben, die wir dann am Nachmittag erledigen“, berichtet Bose.

Diese Aufgaben können unter anderem sein:

  • Arzneimittelbestellungen
  • Eingangsprüfungen/Defekturprüfungen
  • Herstellung von Laborlösungen
  • Auswertung der Mikrobiologie

„Ich kümmere mich in dieser Zeit außerdem beispielsweise um die Rezeptabrechnung oder andere Sachen, die eben noch so anfallen“, so Bose.

Lieferengpässe für lebensnotwendige Arzneien

Auch Krankenhausapotheken sind von den derzeitigen Lieferengpässen betroffen: „Im Prinzip sind es die gleichen Probleme wie in öffentlichen Apotheken. Auch wir haben Schwierigkeiten, die Ibuprofen- und Paracetamol-Säfte zu bekommen, genauso wie auch Antibiotikasäfte und Erkältungsmittel allgemein. Dazu kommen viele ‚krankenhaustypische‘ Arzneimittel. Bei uns wie auch in anderen herstellenden Apotheken fehlen zusätzlich noch einige Substanzen für die aseptische Herstellung. Da gibt es leider immer wieder mal Lücken in der Lieferkette. Teils betrifft das auch Substanzen, die für die Akutversorgung lebensbedrohlicher Zustände gebraucht werden“, bedauert Bose. Ganz aktuell sei Folinsäure betroffen, so die PTA. Es gebe weltweite Lieferschwierigkeiten: „Da Folinsäure essentiell für einige Chemotherapien ist, versuchen wir uns wie auch alle anderen herstellenden Apotheken Woche für Woche weiter zu hangeln.“

Fortbildungsmöglichkeiten gering

Fortbildungsmöglichkeiten gebe es derzeit nur wenige, so Bose: „Die Fachweiterbildung, die ich absolviert habe, wird von der Deutschen Gesellschaft für Onkologische Pharmazie (DGOP) angeboten. Dabei geht es darum, PTA rund um die Themen onkologische Pharmazie und Zytostatika fit zu machen. In der sehr begrenzten Zeit vermitteln die Referenten in theoretischen und praktischen Unterrichtseinheiten alles, was für die Arbeit im Zytostatikabereich wichtig ist – vom Umgang mit Gefahrstoffen bis zur Beratung von Ärzten und Patienten. Nach bestandener Prüfung darf man den Titel ‚PTA Onkologie‘ tragen, umgangssprachlich auch ‚Onko-PTA‘ genannt.“

Zum anderen gebe es noch eine Weiterbildung zur „PTA im Krankenhaus“. Dieser Kurs werde aber nicht jedes Jahr angeboten und umfasst ein großes Spektrum an verschiedenen Themen, die die Arbeit im Krankenhaus betreffen: „Hier ist der Bundesverband Deutscher Krankenhausapotheker (Adka) zuständig. Der Kurs dauert inklusive Prüfung etwa zwei Jahre.“

Auch im Krankenhaus herrscht Personalmangel

Und auch in Krankenhausapotheken gibt es Probleme bei der Personalfindung: „Wir haben große Probleme, Stellen neu zu besetzen. Das mag zum einen daran liegen, dass wir als Krankenhausapotheken eher unbekannt sind, zum anderen sicherlich am Nachwuchs im pharmazeutischen Bereich allgemein. Ein weiterer wichtiger Punkt ist aber auch das spezielle Arbeitsfeld. Als positiv sehe ich die festen Arbeitszeiten, andererseits muss man sich auch im Klaren darüber sein, dass man selten bis gar keinen Kontakt zu Patienten oder Kunden haben wird“, so Bose. Es könne durchaus sein, dass der soziale Aspekt manchen fehlt, die gern ständig mit neuen Menschen sprechen oder regen Austausch mit Stammkunden führen möchte. „Dieser Punkt sollte unbedingt von Anfang an angesprochen werden“, ist sich Bose sicher. Denn auch bei Stationsbegehungen treffen Krankenhaus-PTA nur auf Ärzte und Schwestern: „Wir agieren sozusagen im Hintergrund.“

Dabei könne man die Arbeit auch wunderbar mit dem Familienalltag verbinden: „Das klappt ganz wunderbar. Meine Kollegen haben das jahrzehntelang vorgemacht. Die geregelten Arbeitszeiten sind ein klares Plus, auch wenn der Tag hier früher beginnt als in den meisten öffentlichen Apotheken.“

Krankenhaus-PTA kann jeder werden

Um Krankenhaus-PTA zu werden, gebe es im Prinzip keinerlei spezielle Voraussetzungen: „Es wäre natürlich wünschenswert, wenn man schon erste Erfahrungen in einer Klinikapotheke gesammelt hat. Aber wenn nicht, wird das, was relevant fürs Krankenhaus ist, hier vermittelt. Die allerwenigsten hatten in ihrer Ausbildung oder Studium zum Beispiel mit den rechtlichen Besonderheiten einer Krankenhausapotheke zu tun. So ist es auch mit dem praktischen Teil. Nur ein Bruchteil der Absolventen hatte mal eine Spritze in der Hand, geschweige denn einen Reinraum gesehen“, so Bose. Wichtig seien eher die allgemeinen Dinge wie Zuverlässigkeit, Teamfähigkeit, körperliche und psychische Belastbarkeit sowie ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein.

Arbeit ist sehr vielfältig

Die Arbeit im Krankenhaus sei alles andere als monoton: „Die einzelnen Arbeitsbereiche, in denen ich agiere, machen mir sehr viel Spaß, weil sie sich mit meinen Interessen decken. Das strukturierte, hochkonzentrierte Arbeiten in der Zytoabteilung mit all seinen Regeln und Besonderheiten ist herausfordernd und spannend zugleich. Das macht schon großen Spaß. Ich werde gefördert und gefordert.“ Auch wenn der Arbeitsalltag durchstrukturiert sei, würden die Mitarbeiter:innen dennoch von unvorhergesehenen Ereignissen überrascht und müssten entsprechend reagieren.

„Wichtig ist, nicht in Panik zu geraten, sondern sich gut zu organisieren, um strukturiert zu arbeiten. Dann kommt man auch ans Ziel. Es ist oft sehr stressig, weil einem die Zeit im Nacken sitzt, aber am Ende des Tages ist man doch stolz auf die Dinge, die man erreicht hat.“

PTA verbindet beide Bereiche

„Ich arbeite Vollzeit in der Krankenhausapotheke und zusätzlich ein paar Stunden pro Monat in einer öffentlichen Apotheke. Nach meinem Praktikum, das ich teils im Krankenhaus, teils in der öffentlichen Apotheke absolviert habe, hatte sich das einfach so ergeben. Dadurch habe ich den Anschluss an all die Schwerpunkte in einer öffentlichen Apotheke nie verloren“, so Bose.

Da ihr Hauptinteresse in der Herstellung liegt, kann die PTA ihre Leidenschaft im Krankenhaus, in der aseptischen Herstellung und im Labor voll ausleben. Sie habe es deshalb nie bereut, im Krankenhaus angefangen zu haben: „So manche neue oder auch ungewöhnliche Rezeptur kommt das erste Mal bei uns im Klinikum vor und wird später auch für ambulante Patienten aufgeschrieben. Dieses Wissen nehme ich dann gern mit in die öffentliche Apotheke.“

Wissen nutzen

Andererseits komme ihr das Wissen aus der öffentlichen Apotheke beispielsweise zugute, wenn es um die Beratung im Personalverkauf geht: „Da kann ich das Wissen, dass ich von draußen mitbringe, anwenden, wenn die Kollegen von den Stationen bei uns einkaufen kommen oder generell Fragen haben. So ist es auch mit Kassenrezepten, die hier im Krankenhaus nur im ambulanten Bereich vorkommen“, so Bose.

All die Regeln, die es einzuhalten gelte, um Retaxationen zu vermeiden, könne sie im Klinikum gut gebrauchen. „Daher hatte und habe ich keinen Grund, mich für eine Seite entscheiden zu müssen. Man könnte vielleicht sogar sagen, ich habe das Beste aus beiden Welten. Ich kann sagen, dass mir die Balance aus theoretischer und praktischer Arbeit sehr gut gefällt. Ich fühle mich damit sehr wohl, ohne das Gefühl zu haben, mir fehlt etwas.“

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