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Silomat & Co. fehlen – welche Alternativen gibt es?

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Berlin -

Mitten in der Erkältungssaison fehlen wichtige Hustenstiller wie Silomat und Sedotussin. Was kann Patient:innen mit Reizhusten als Alternative empfohlen werden, um die Beschwerden effektiv zu lindern? Hier kommt ein Überblick.

Beim Husten handelt es sich um einen Schutzreflex des Körpers. Durch den Vorgang sollen Fremd- und Schadstoffe oder Keime aus den Atemwegen entfernt werden. Ausgelöst wird Husten durch bestimmte Rezeptoren im Gehirn. Atemmuskulatur und Zwerchfell ziehen sich explosionsartig zusammen und bewirken eine Öffnung des Kehlkopfes mit Luftausstoß. Da es sich um einen vom Gehirn gesteuerten Mechanismus handelt, lässt sich Husten nur schwer unterdrücken.

Was ist Reizhusten?

Reizhusten kann in verschiedenen Phasen der Erkältung auftreten. Meist beginnt die Erkältung mit einem Kratzen im Hals und Räusperzwang, kurz darauf stellt sich häufig auch der erste Reizhusten ein. Nach wenigen Tagen wird der Husten dann meist produktiv, sodass Sekret abgehustet werden kann. Sind alle Symptome abgeklungen, hält sich der Reizhusten oft jedoch noch wochenlang. Auch während der produktiven Phase kann ein Hustenstiller zur Nacht für entspanntes Schlafen sorgen. Außerdem kann auch bei einer Covid-Erkrankung Reizhusten auftreten. Kurzum: Hustenstiller gehören in der kalten Jahreszeit zu den wichtigsten Arzneimitteln in der Apotheke.

Lieferprobleme bei Silomat & Sedotussin

Doch aktuell sorgen die Lieferengpässe bei bekannten Vertretern wie Silomat und Sedotussin für Probleme in den Apotheken. Stada hat das Silomat-Portfolio erst kürzlich übernommen. Zeitgleich mit der Akquisition habe die Erkältungssaison wieder begonnen. „Das führte zu einem stark erhöhten Bedarf, insbesondere der Silomat-Produkte“, erklärt Stada. Trotz der derzeit weltweiten Verknappungen der Rohstoffe und Packmittel, die bei einigen Artikeln zu erheblichen Verzögerungen im Produktionsprozess führten, könne man inzwischen eine vollumfängliche Lieferfähigkeit der Produkte in Kürze in Aussicht stellen. Bis dahin gilt es, Alternativen zu empfehlen.

Fresh-up: Dextromethorphan & Pentoxyverin

Je nach Darreichungsform sind die Wirkstoffe Dextrometorphan oder Pentoxyverin enthalten. Beide gehören zu den chemischen Antitussiva und dämpfen somit den Husten.

Pentoxyverin wirkt als Antagonist auf muskarinerge Rezeptoren, außerdem bindet es als Agonist an bestimmte Rezeptoren im Hustenzentrum. Dadurch kommt es zu einer Hemmung der überreizten Nervenbahnen im Hustenzentrum – der Reflex zu Husten wird folglich reduziert. Zudem werden dem Wirkstoff krampflösende und bronchialerweiternde Eigenschaften zugeschrieben.

Dextromethorphan wirkt ebenfalls antitussiv durch einen nichtkompetitiven Antagonismus an den NMDA-Rezeptoren und einem Agonismus von Sigma-1- und 5-HT-Rezeptoren. Der Wirkstoff kann in hohen Dosierungen missbräuchlich verwendet werden. Bei Überdosierungen besteht ein erhöhtes Risiko für Übelkeit und Erbrechen, Unruhe, Verwirrtheit, Bewusstseinsstörungen, Herzrasen, QTc-Verlängerung, Psychosen mit visuellen Halluzinationen und Übererregbarkeit.

Quimbo als neue Option in der Selbstmedikation

Neu zur Verfügung innerhalb der Selbstmedikation steht der bisher verschreibungspflichtige Wirkstoff Levodropropizin. Er kann ab dem 2. Lebensjahr für maximal sieben Tage zur symptomatischen Therapie des Reizhustens angewendet werden. Bei dem Wirkstoff handelt es sich um ein (S)-Enantiomer des Dropropizins. Die hustenlindernde Wirkung beruht primär auf der peripheren Wirkung im Tracheobronchialbaum. Bislang ist der Wirkmechanismus nicht vollständig geklärt. Der Wirkstoff verfügt über ein gutes Nebenwirkungspotential – die angegebenen unerwünschten Eigenschaften sind alle als „sehr selten“ eingestuft. In Deutschland wird der Wirkstoff seit 1993 unter dem Namen Quimbo (Pädia) vertrieben.

Eibisch & Co.: Pflanzliche Alternativen

Als Alternative können verschiedene Phytopharmaka zum Einsatz kommen. Diese enthalten einzelne Schleimdrogen oder Kombinationen der Heilpflanzen. Sie sorgen dafür, dass sich ein Schutzfilm auf die Schleimhäute legt, welcher Reizungen lindern und einen beruhigenden Effekt auf den Hustenreiz haben soll. Meist weisen Säfte und Sirupe eine dickflüssige Konsistenz auf, damit sie länger auf den Schleimhäuten verbleiben. Oft kommt dabei Eibischwurzel oder Isländisch Moos zum Einsatz.

  • Eibischwurzel

Eibischwurzel enthält verschiedene Schleimstoffe, darunter Glucane, Arabinogalactane und Rhamnogalacturonane. Außerdem enthält die Wurzel Pektine, Stärke und Zucker, welche für einen angenehm süßen Geschmack sorgen. Diabetiker:innen sollten den hohen Zuckergehalt gegebenenfalls berücksichtigen.

  • Isländisch Moos

Isländisch Moos gehört zu den Flechten. Der Flechtenkörper, welcher in Arzneimitteln gegen Reizhusten verwendet wird, enthält hohe Mengen an langkettigen Zuckermolekülen, welche Schleim bilden. Außerdem sind bittere Flechtensäuren enthalten, welche antibakteriell wirken und der Heilpflanze ihren typischen bitteren Geschmack verleihen.

Beispiele für pflanzliche Alternativen als Saft/Sirup:

  • Phytohustil Hustenreizstiller Sirup, Bayer (Eibischwurzel)
  • Aspecton Hustenstiller Saft, Hermes (Isländisch Moos)
  • Naturalis Hustensirup, Sanofi (Flavonoide Molekülkomplex aus Polysacchariden und Flavonoiden aus Spitzwegerich und Thymian, Polysaccharide, Bienenhonig)
  • Mucodual 2in1 Sirup, Sanofi (Eibischwurzel, Honig)
  • Bronchostop Sine Hustensaft, Klosterfrau (Thymiankraut, Eibischwurzel)
  • Grintuss Hustensaft/Lutschtabletten, Aboca (Honig, Polysaccharide und Flavonoiden aus Grindelie, Spitzwegerich und Strohblume, ätherische Öle aus Eukalyptus, Sternanis und Zitrone)
  • Antall Saft/Liquid, Weber & Weber (Eibisch, Isländisch Moos, Königskerze)
  • Monapax Sirup, Klosterfrau (homöopathisch)

Schleimhäute mit Lutschtabletten befeuchten

Alternativ können auch Lutschtabletten verwendet werden, um die gereizten Schleimhäute zu befeuchten und den Hustenreiz zu lindern. Hierbei können ebenfalls Eibisch und Isländisch Moos zum Einsatz kommen, allerdings ist auch Hyaluronsäure gut geeignet, da trockene Schleimhäute langanhaltend befeuchtet werden.

Zum Beispiel:

  • GeloRevoice Halstabletten, Pohl Boskamp (Xanthan gummi, Carbomer, Hyaluronsäure)
  • Phytohustil Hustenreizstiller Pastillen, Bayer (Eibischwurzel)
  • Isla Moos Pastillen, Engelhard Arzneimittel (Isländisch Moos)
  • Isla Med Pastillen, Engelhard Arzneimittel (Isländisch Moos, Hyaluronsäure)

Eine weitere Möglichkeit sind Sprays, die gezielt in den Rachen gesprüht werden und so Linderung verschaffen sollen. Hier ist die Auswahl jedoch wesentlich kleiner.

  • Ems Hustenspray, Sidroga (Bienenhonig, Eucalyptusöl, Propolis-Extrakt, Ringelblumen-Extrakt)

Tees zum Trinken und Gurgeln verwenden

Um den hinteren Rachenbereich gut zu erreichen, können auch Gurgellösungen verwendet werden. Hierfür eignen sich beispielsweise Arzneitees aus den oben genannten Pflanzen. Oft sind diese unter dem Namen Reizhusten-Tee zu finden. Enthalten sind verschiedene Schleimdrogen und oft auch Geschmackskorrigenzien.

Für ihre Wirkung muss nicht zwingend gegurgelt werden, auch das Trinken solcher Tees kann die Schleimhäute befeuchten und Linderung bei Reizhusten verschaffen. Die Tees sollten jedoch lauwarm und nicht zu heiß getrunken werden, da die Schleimhäute sonst weiter gereizt werden und sich Beschwerden noch verstärken können. Grundsätzlich sollte auf eine ausreichende Trinkmenge von rund zwei Litern pro Tag geachtet werden.

Rx-Alternativen für hartnäckigen Husten

Wenn alle freiverkäuflichen Alternativen nicht helfen, können Betroffene sich auch rezeptpflichtige Hustenstiller verordnen lassen. Im Rx-Bereich stehen die folgenden Wirkstoffe zur Verfügung:

  • Codein/Dihydrocodein
    • gehört zu den verschreibungspflichtigen Hustenstillern
    • gehört zu den Opiaten, trägt auch das Synonym Methylmorphin
    • in Kombination mit Analgetika wie Paracetamol führt es aufgrund synergistischer Effekte zu einem stärkeren schmerzlindernden Effekt
  • Noscapin
    • ein Alkaloid des Schlafmohns
    • bringt keine opiattypischen Nebenwirkungen mit sich
    • bereits bei Säuglingen ab 6 Monaten einsetzbar
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