Ausbildungsordnung

PTA-Lehrer wollen längere Ausbildung

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Berlin -

Mehr als 70 Prozent der Lehrkräfte an PTA-Schulen wollen eine Verlängerung der Ausbildungszeit auf drei Jahre. Das geht aus einer Umfrage des Bundesverbands PTA (BVpta) unter 116 Lehrern hervor. Selbst Skeptiker würden dem BVpta eine Verlängerung der Ausbildungszeit zustimmen – wenn es hierfür tragbare Finanzierungslösungen durch Bund oder Länder gäbe. Auf diese Weise sollten Schüler und Träger entlastet werden.

Erforderlich ist die Verlängerung den Lehrern zufolge vor allem wegen des Wandels der Anforderungen in der Berufspraxis. Eine Umverteilung der Fächer und die Ergänzung neuer Ausbildungsinhalte soll dem Rechnung tragen. Bei der Umsetzung bevorzugen die meisten Lehrer ein weiteres halbes Schuljahr vor dem sechsmonatigen Berufspraktikum.

Die BVpta-Bundesvorsitzende Sabine Pfeiffer erklärte: „Das klare Votum der Lehrkräfte an PTA-Schulen pro dreijährige Ausbildung kann weder von der ABDA, noch der Politik ignoriert werden.“ Man appelliere daher an die Vertreter aus der Gesundheitspolitik und Apothekerschaft, ihre Positionen zu überdenken und endlich die richtigen Weichen für bessere PTA-Ausbildungsbedingungen und für mehr Kompetenzen in der Berufsausübung zu stellen.

Davon würden aus Sicht von Pfeiffer alle profitieren. Zusammen mit einer staatlichen Unterstützung der Gebühren würde jungen Menschen eine neue attraktive, finanzierbare und qualifiziertere Perspektive für den PTA-Beruf eröffnet. Da PTA-Schulen dann nicht mehr vom Aus bedroht seien, könnten Staat und Markt den dringend benötigten und unverzichtbaren Fachkräftenachwuchs zur Arzneimittelversorgung sicherstellen. Die Apotheker würden durch länger ausgebildetes Fachpersonal noch mehr entlastet und könnten zudem ihre Rentabilität steigern.

„Für eine weitere Ablehnung des dreijährigen Ausbildungskonzeptes durch die ABDA gibt es keine Rechtfertigung“, so Pfeiffer. „Eine gemeinsame Zielsetzung und Position in dieser Sache wäre die logische Konsequenz." Sie forderte gleichzeitig Bund und Länder auf, sich nicht nur inhaltlich mit der dringend notwendigen Reform von PTA-Berufsgesetz und PTA-Ausbildung zu befassen, sondern sich ebenso in eine tragfähige Finanzierungslösung der notwendigen Ausbildungsverlängerung einzubringen.

An der Umfrage nahmen im ersten Quartal 2015 bundesweit Lehrkräfte von privaten und öffentlichen Schulen teil, darunter acht Schulleiter. Die meisten Teilnehmer kamen aus Baden-Württemberg, Bayern und Nordrhein-Westfalen. Alle weiteren Bundesländer waren mit maximal fünf Lehrkräften dabei.

Mehr als zwei Drittel der Teilnehmer sprachen sich eindeutig für eine Verlängerung der Ausbildungszeit aus. Sie erachteten vor allem eine Entzerrung des Lehrplans für notwendig. Die Fülle des Lernstoffes sei kaum noch vertretbar, eine Vertiefung oder Verknüpfung der Lerninhalte nicht ausreichend gewährleistet. Auch die Förderung selbständigen Denkens und Arbeitens komme dadurch zu kurz.

Zudem halten die Lehrer eine Erweiterung um zeitgemäße Ausbildungsthemen und mehr Praxisbezug für nötig, damit die Schüler den späteren beruflichen Anforderungen besser gewachsen sind. Vernachlässigte Inhalte sind aus Sicht der Lehrer etwa die moderne Arzneimittelkunde oder Apothekenpraxis mit Kommunikation, Beratung und QMS-Zertifizierung. Auch Wissen zu alternativen, komplementären Therapien und Übungen zu Medikationsmanagement, Zytostatikaherstellung, Plausibilitätsuntersuchen und Drogenextraktion seien noch nicht ausreichend vertreten.

Diese inhaltlichen Erfordernisse wurden laut BVpta auch überwiegend von den Befragten bestätigt, die sich gegen eine Verlängerung ausgesprochen hatten. Das lag demnach vor allem an finanziellen Gründen: Eine Ausbildungsverlängerung sei weder von Schülern noch durch die schulischen Träger finanzierbar.

Die meisten Lehrer, die einer Verlängerung ablehnend gegenüber standen, kamen dem BVpta zufolge aus Nordrhein-Westfalen. Das hält der Verband angesichts der dortigen Finanzierungskrise für bezeichnend. Kritik mit Blick auf die Finanzierung sei außerdem aus Hessen, Niedersachsen und Bayern gekommen. Lediglich zwei Lehrer lehnten eine Verlängerung aus schulorganisatorischen Gründen ab.

Kritischer sahen die Lehrer hingegen die Möglichkeit dualer Ausbildungskonzepte oder intermittierende Praxisblöcke im dritten Ausbildungsjahr. Dies wurde als organisatorisch zu schwierig oder ganz und gar als nicht umsetzbar beurteilt. „Geht es nach den Lehrern, soll es in Zukunft zweieinhalb Jahre Vollzeitunterricht an der PTA-Schule mit anschließenden sechs Monaten Berufspraktikum geben“, so das Fazit des BVpta.

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