Umweltgifte in Insekten

Mückenstiche: Immer häufiger ein Fall für den Arzt Alexandra Negt, 17.07.2020 09:10 Uhr

Berlin - Insektenstiche gehören in den Sommermonaten zu einem häufigen Beratungsthema in der Apotheke. Nach einem Campingurlaub im Wald oder einem Wochenende auf dem Bauernhof kommen Eltern mit ihren teils komplett zerstochenen Kindern in die Offizin. Was am besten hilft, richtet sich nicht nur nach dem Alter – auch die Art des Insektes ist ausschlaggebend für die Wahl eines geeigneten Mittels. In den vergangenen Jahren nehmen Besuche beim Dermatologen aufgrund von Insektenstichen zu. Der Grund: Immer häufiger entzünden sich die Stiche und Bisse, sodass Apotheker und PTA mit Fenistil, Soventol & Co. nicht mehr ausreichend helfen können.

Eigentlich ist ein Insektenstich kein Grund dafür, einen Arzt aufzusuchen. Dennoch steigen die Arztkonsultationen aufgrund von Mückenstichen & Co. in den letzten Jahren an. „Früher war das nicht so schlimm“, ist ein häufiger Spruch von Eltern, die mit ihren mückengeplagten Kindern am HV stehen. Apotheker und PTA müssen immer mehr Patienten zum Arztbesuch raten. Ist die Einstichstelle stark geschwollen, offen oder mit Eiter gefüllt, hat sich der Mückenstich entzündet. Kommt eine ausgedehnte diffuse Rötung hinzu, so ist die Grenze der Selbstmedikation erreicht. Nicht zuletzt kann eine Rötung auch immer ein Indiz für einen Zeckenbiss sein. Um sicherzugehen, sollte ein Mediziner drüber schauen.

Umweltgifte als Grund für Hautinfektionen

Dass Mückenstiche heute stärker anschwellen als noch vor einigen Jahren, könnte im Zusammenhang mit Umweltgiften stehen. Experten und auch immer mehr Mediziner vermuten, dass im Speichel der Mücken Insektizide enthalten sind, die die Komplikationen auslösen. Gegen viele Insektizide seien die Tiere mittlerweile resistent, sodass sie die Substanzen aufnehmen, ohne dabei zu sterben. Auch wenn die Mengen gering sind, so könnten sie zu stärkeren allergischen Reaktionen führen. Ein konkreter wissenschaftlicher Nachweis fehlt bislang. Einige Wissenschaftler vergleichen das Phänomen mit Birkenpollenallergikern: Hier ist bewiesen, dass Personen auf Pollen von Birken, die an viel befahrenen Straßen stehen, heftiger reagieren. Diese Bäume sind höheren Abgaswerten ausgesetzt als Bäume auf dem Land.

Wann zum Arzt

Liegt eine starke Quaddelbildung oder Blässchenbildung vor, sollte über einen Arztbesuch nachgedacht werden. Gleiches gilt für eine starke Rötung oder „Wanderröte“. Ist der Stich einmal aufgekratzt, kann sich nicht nur Schorf, sondern auch Eiter bilden. Insbesondere an gewebearmen Stellen wie dem Schienbein kann es schnell zur bakteriellen Besiedlung kommen. Hier ist die Durchblutung besonders gering – das Immunsystem kann hier schwerer aktiviert werden. Als Warnsignal gilt plötzlich auftretendes Fieber – hier muss in jedem Fall ein Arzt konsultiert werden. Bei kreisrunder Rötung um den Stich sollte auch an einen Zeckenbiss gedacht werden. Der runde Ausschlag kann auf eine Borreliose hinweisen. Ist der Stich nah am Auge, so können die freiverkäuflichen Mittel aus der Apotheke nicht eingesetzt werden. Der Arzt kann spezielle Augensalben verordnen.

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