Mythos oder Fakt

Krank durch den Urlaub Alexandra Negt, 22.07.2020 07:53 Uhr

Berlin - Im Urlaub möchte keiner krank werden. Die wenigen Tage am Strand sollen so angenehm wie möglich werden – keiner möchte die Tage im Hotelzimmer verbringen. Um fit zu bleiben, treffen viele Urlauber gewisse Vorsichtsmaßnahmen: Sie verzichten etwa auf Eiswürfel, weil diese stehen im Verdacht stehen, Durchfall auszulösen. Aber kann man wirklich durch den Urlaub krank werden, oder sind die meisten Annahmen mehr Mythos als Realität?

Im Urlaub soll man sich erholen – aber bitte nicht von einer Krankheit. Um auf Nummer sicher zu gehen, meiden viele Urlauber gewisse Situationen. Was ist dran an den Mythen rund um den Sommerurlaub?

Pilzinfektion aus dem Hotelpool

Im Hotelpool selbst befindet sich der Pilz, meist Candida albicans, nicht. Damit das Wasser weitestgehend keimfrei bleibt, ist es gechlort. Die zugesetzten Verbindungen töten die Pathogene ab, die durch die Filteranlage hindurch gelangen. Chlor in Reinform ist ein sehr giftiges, grün-gelbliches Gas, welches sehr reaktionsfreudig ist. Heute wird nur noch selten reines Chlorgas zur Desinfektion eingesetzt. Meist handelt es sich um Chlor-Verbindungen, die im Wasser langsam in ihre Bestandteile zerfallen und Chlor freisetzen. Dennoch kann der Chemieanteil im Wasser für eine Reizung der Vaginalschleimhaut ausreichend sein. Gleiches gilt für Meerwasser – auch der hohe Salzgehalt kann die Scheidenflora aus dem Gleichgewicht bringen. Die körpereigene Zusammensetzung von Bakterien und Pilzen wird dann so gestört, dass einzelne Keime die Oberhand gewinnen und sich unnatürlich stark vermehren. Zu den häufigsten Erregern von Vaginalpilzen gehört Candida albicans. In schwereren Fällen kann es zu einer bakteriellen Vaginose kommen.

Die meisten Frauen kennen ab einem gewissen Alter ihren Körper gut und wissen, dass sie zu Vaginalmykosen neigen. Aus Angst vor einer Infektion im Urlaub meiden sie häufig das kühle Nass. Innerhalb eines Beratungsgespräches können Apotheker und PTA einige Tipps zur Vermeidung geben. Es können Salben zum äußerlichen Schutz empfohlen werden. Diese meist lipophilen Dermatika legen sich wie ein Schutzfilm über die Schleimhaut, sodass Chlor und Salz nicht an die körpereigene Flora heranreichen. Auch gut: Nach dem Baden direkt die Bikinihose wechseln. So verbleiben die Substanzen aus dem Gewebe nicht länger auf der Haut. Abschließend sollte jede Frau eine 3-Tages-Kur bestehend aus Tabletten und Creme – für den Fall der Fälle – in der Reiseapotheke vorrätig halten.

Durchfall von den Eiswürfeln im Cocktail

Bereits als Kind hat man es von seinen Eltern vorgelebt bekommen. Im Spanienurlaub – insbesondere auf den Inseln – wurden direkt am ersten Tag große Kanister Wasser im Supermarkt gekauft. Das Wasser war nicht nur zum Trinken, damit wurden sich auch die Zähne geputzt, der Kaffee und die Nudeln gekocht. Der Grund: In manchen Ländern entspricht die Qualität des Leitungswassers nicht der hierzulande. Empfindliche Mägen reagieren mit Blähungen, Krämpfen und Durchfall. Der Mythos um die Eiswürfel ist also nicht unbedingt falsch. Lässt sich nicht nachvollziehen, aus welchem Wasser die Würfel produziert worden sind, sollte man – je nach Reiseland – besser darauf verzichten. Die Wasseraufbereitung in Spanien & Co. hat sich in den vergangenen Jahren sehr verbessert. Zudem verwenden die meisten Lokale gekaufte Eiswürfel. Die alte Regel „Peel it, cook ist, boil it or leave it“ hat in einigen fernen Ländern immer noch Substanz. Leider gehen mit dieser Regel auch die meisten Vitamine verloren, für eine längerfristige Ernährung eignet sich der Ratschlag eher weniger.

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