Knapp ein Jahr nach der Bundestagswahl wählen die 208 Abgeordneten der CDU und CSU am Dienstag ihre Führung neu. Beginn der Fraktionssitzung ist 15 Uhr. Als Fraktionsvorsitzender stellt sich erneut Jens Spahn zur Wahl, der am 5. Mai 2025 mit 91,3 Prozent der Stimmen – Enthaltungen werden bei der Union nicht mitgezählt – zum Nachfolger von Friedrich Merz gewählt worden war. Merz wurde am Tag darauf im zweiten Wahlgang zum Bundeskanzler gewählt.
Anders als andere Fraktionen im Bundestag wählt die Union ihre Führung schon nach einem Jahr neu und nicht erst zur Mitte der Wahlperiode. Der neue Vorstand mit rund 60 Abgeordneten bleibt dann aber bis zur nächsten Wahl im Amt, also in der Regel drei Jahre – falls es keine Neuwahl gibt. Mit einer Gegenkandidatur ist bei der Wahl des Fraktionschefs nicht zu rechnen.
Spahn kommt aus Ahaus im Münsterland und gehört seit 24 Jahren dem Bundestag an. Von 2017 bis 2021 war er Gesundheitsminister unter Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und nach dem Wahlsieg der Union im vergangenen Jahr auch als Wirtschaftsminister im Gespräch.
Seine erste Amtszeit als Fraktionschef begann holprig. Das Platzen der Wahl der Rechtswissenschaftlerin Frauke Brosius-Gersdorf zur Richterin am Bundesverfassungsgericht wurde ihm angelastet, weil er den Widerstand in der eigenen Fraktion nicht rechtzeitig erkannt hatte. Inzwischen hat er sich aber gefangen.
Wie groß sein Rückhalt in der Fraktion ist, wird sich bei der Wahl am Nachmittag zeigen. Nach der Klausurtagung des Fraktionsvorstands antwortete der 45-Jährige am vergangenen Dienstag auf die Frage, ob er bei seiner Wiederwahl wieder mit einem Ergebnis über 90 Prozent rechne, er freue sich „auf ein gutes Ergebnis“.
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