Sterilrezepturen

AOK: Neue Zyto-Ausschreibung in Berlin

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Berlin -

Die AOK Nordost ist auf der Suche nach neuen Zyto-Apotheken: Bereits zum vierten Mal hat die Kasse die Versorgung mit parenteralen Zubereitungen in der Onkologie ausgeschrieben. Im Dezember sollen die neuen Verträge beginnen und zunächst für ein Jahr laufen, gegebenenfalls können sie aber um bis zu ein Jahr verlängert werden.

Wie in den vergangenen Jahren können die Apotheken auf insgesamt 14 verschiedene Lose bieten, maximal vier Zuschläge pro Bieter sind erlaubt. Die Zuschlagserteilung verpflichtet die Apotheken zur Belieferung der Arztpraxen in ihrem Losgebiet. Ausgenommen sind Zytostatika, die im Rahmen der ambulanten Behandlung im Krankenhaus eingesetzt werden. Die Charité, die Sana-Kliniken und die Helios-Klinien werden nach wie vor durch ihre Krankenhausapotheken versorgt.

Bis Mitte Juli können die Apotheken ihr Gebot abgeben. Dabei müssen sie unter anderem angeben, welche Produktionsstätten mit welchen Kapazitäten ihnen oder einem Unterauftragnehmer zur Verfügung stehen. In diesem Zusammenhang weist die AOK darauf hin, dass der Einsatz von Unterauftragnehmern – auch in Gestalt industrieller Herstellungsbetriebe – nicht ausschließe, dass die Zubereitungen im Sinne des Sozialgesetzbuchs (SGB V) „in der Apotheke hergestellt“ seien und somit keiner Zulassung bedürften.

Tatsächlich waren bei der letzten Ausschreibung im Jahr 2013 zwölf der 14 Lose an Apotheken um den Herstellbetrieb Zytoservice gegangen: Je vier Lose haben die Berlin Apotheken von Manfred Schneider und Anike Oleski, die Berlin Apotheke am Roten Rathaus von Melanie Klotz und die Apotheke 26 am Kaiserdamm von Claudia Neuhaus geholt. Schneider und Neuhaus hatten vor einigen Jahren den Herstellbetrieb Zytoservice Berlin gegründet, der die drei Gewinner der Ausschreibung mit den Rezepturen beliefert.

Die beiden übrigen Lose gingen an die Pelikan-Apotheke von Rolf Spielberger. Die Apotheke ist ebenfalls Partner der ersten Stunde bei den Zytoausschreibungen in Berlin. Bei der ersten Runde ab 2010 ließ sie sich vom Leipziger Lohnhersteller Oncosachs beliefern.Der gehört mittlerweile zur Ahrensburger Unternehmensgruppe GHD Gesundheits GmbH Deutschland, die vor einem Jahr auch Spielbergers Herstellbetrieb RS Pharma übernommen hat.

Bei der ersten Ausschreibung 2010 hatten sich im Durchschnitt neun Apotheken pro Los beteiligt. Vor fünf Jahren liefen die Pharmazeuten Sturm und versuchten zum Teil, die Ausschreibung per Gerichtsverfahren zu stoppen.

Im Durchschnitt hatten Ende 2011 immer noch acht Interessenten Gebote eingereicht. Die AOK schlussfolgerte, dass es keine Tendenz zur Oligopolisierung des Marktes durch Ausschreibungen gebe: „Im Gegenteil: Die Vielzahl der eingegangenen Angebote von kleineren und größeren Apotheken mit und ohne Beteiligung von Rezepturherstellungsbetrieben zeigt ein sehr dynamisches Marktgeschehen.“

Zuletzt lag der Durchschnitt bei sechs Geboten pro Gebietslos. Schon damals hatten die meisten Zyto-Apotheker aus der Hauptstadt abgewinkt: Die Ausschreibung sei für Einzelkämpfer längst nicht mehr interessant, hieß es. Der Chef eines Herstellbetriebs erklärte kopfschüttelnd, er sei mit seinem Gebot an die kalkulatorische Grenze gegangen – ohne Erfolg.

Die AOK Nordost war nach eigenen Angaben mit dem Ergebnis der Ausschreibung sehr zufrieden: Vor dem Hintergrund des erfolgreichen Ablaufs des zweiten Verfahrens sei die Kontinuität auf der Seite der Vertragspartner sehr zu begrüßen.

Berlin ist das einzige Bundesland, in dem Zyto-Ausschreibungen erfolgreich laufen. In Hessen hatte die AOK vor zwei Jahren Verträge abgeschlossen. Im Streit um Retaxationen von Apotheken, die ohne Vertrag Zytostatika an Ärzte geliefert hatten, haben bereits zwei Sozialgerichte die freie Apothekenwahl bestätigt: Einschränkungen bedürften einer besonderen Begründung, wobei die „Grundrechte der Versicherten und der Apotheken zu beachten wären“, urteilte das Sozialgericht Darmstadt. Auch das Sozialgericht Marburg kam zu dem Ergebnis, die AOK sei nicht befugt, über Verträge ein „exklusives“ Versorgungssystem einzurichten. In Nordrhein-Westfalen war 2012 schon die Barmer mit einer Zyto-Ausschreibung gescheitert.

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