Phagro-Abschied Bernadette Sickendiek

„Sie kann unglaublich gut Männer führen“ APOTHEKE ADHOC, 06.12.2018 10:42 Uhr

Seine Vorstandskollegen teilten diese Meinung laut Phagro nicht alle. Dass sie trotzdem eingestellt worden sei, sei ein „Experiment“ gewesen: „Ich gebe Ihnen ein Jahr“, habe einer der Vorstände zu ihr gesagt, erinnert sich Sickendiek selbst. „Ein Jahr ist lang“, habe sie geantwortet. Zu Beginn ihrer Tätigkeit lagen ein „kniffliges wettbewerbsrechtliches Verfahren und die Feier zum 80. Jubiläum des Phagro“ auf ihrem Schreibtisch.

Sickendiek habe beides gut gelöst, so der Verband. „Wie so oft – denn Lösungen finden ist für sie ein zentrales Lebensthema.“ Ihr Berufsweg sei das beste Beispiel: Eigentlich habe sie nach dem Abitur Biologie studieren und als Verhaltensforscherin wie Jane Goodell in Afrika arbeiten wollen. Aber sie bekam keinen Studienplatz. Sie brauchte ein Wartestudium, wählte Jura und lernte die ausgleichende, lösungsorientierte Denkweise der Juristen schätzen. Neues Berufsziel: Richterin. „Positionen abwägen und Ergebnisse finden – das hat mir immer gelegen“, sagt sie.

Auch damit habe es nicht geklappt: Als sie Ende 1981 das 2. Staatsexamen ablegte, herrschte „Juristenschwemme“. Sickendiek war zunächst in einer kleinen Kanzlei als Scheidungsanwältin tätig. Im Anschluss wechselte sie zum Phagro und verließ den Verband 1991. Sie sei ihrem Ehemann in dessen Heimat Peru gefolgt und habe sich zunächst ins Privatleben zurückgezogen. Später arbeitete sie als Anwältin in der Dominikanischen Republik.

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