Kein Festbetrag, keine Aufzahlung

Freie Preise: Nur für jede dritte PZN relevant

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Berlin -

Ab Februar sollen für drei Monate die Festbeträge für 180 PZN ausgesetzt werden, darunter Fiebermittel und Antibiotika für Kinder. Die Liste ist bereits veröffentlicht – und bei genauerem Hinschauen ist die Regelung nur für ein Teil relevant.

Die Aussetzung der Festbeträge gilt ab dem 1. Februar und ist befristet bis zum 30. April. Durch die Regelung sollen „kurzfristige Aufzahlungen vermieden werden“, so der GKV-Spitzenverband. Die Freigabe gilt für insgesamt zehn Festbetragsgruppen, betroffen sind 181 PZN. Die Liste umfasst ibuprofen-, paracetamolhaltige und antibiotische Arzneimittel für Kinder, darunter vor allem flüssige Zubereitungen, aber auch Zäpfchen.

Tatsächlich hat die Regelung allerdings unmittelbar nur Auswirkungen auf rund 60 Arzneimittel. Die anderen Präparate liegen zum großen Teil bereits unter Festbetrag. Zwar könnten die Hersteller die Preise nun kräftig anpassen – allerdings eben nur befristet für drei Monate.

Weitere 28 PZN der Liste sind außer Vertrieb gemeldet, fünf sind für Erwachsene zugelassen. Und diese Präparate können entweder gar nicht auf Kassenrezept verordnet werden, weil sie nicht verschreibungspflichtig sind. Oder sie müssen aufgrund des niedrigen Preises komplett selbst bezahlt werden, was für die Kassen also keine Belastungen bedeutet.

Amoxicillin

Die Festbeträge für Pulver zur Herstellung einer Suspension zum Einnehmen mit dem Wirkstoff Amoxicillin sind ausgesetzt. Dadurch sind die Produkte von Infectopharm im Rennen beziehungsweise ohne Aufzahlung für Patient:innen erhältlich, deren Preise zuletzt aufgrund der gestiegenen Produktionskosten deutlich über den Festbetrag angehoben worden waren. Die Generikahersteller bieten ihre Amoxicillinsäfte ohnehin unter Festbetragsniveau an.

Cephalosporine

Ebenfalls gilt die Aussetzung für Cephalosporine der Gruppe 1 (Pulver zur Herstellung einer Suspension zum Einnehmen) und der Gruppen 2 und 3 (Granulat und Pulver zur Herstellung einer Suspension zum Einnehmen). Das betrifft erneut nur Infectopharm (Grüncef, Infectocef, Infectoopticef), die Generikaanbieter wie Hexal, Aliud, 1 A und Stada hatten die Preise tief genug gehalten.

Penicillin

Für Phenoymethylpenicillin-haltige Granulate und Pulver zur Herstellung einer Suspension zum Einnehmen gibt es abgesehen von Hexal und 1 A nur noch Infectopharm. Auch hier greift die Änderungen nur bei Infectocillin-Saft in verschiedenen Stärken.

Sulfmethoxazol und Trimethoprim

Eine weitere betroffene Festbetragsgruppe umfasst Sulfamethoxazol und Trimethoprim, acht Präparate sind unter Suspensionen zum Einnehmen gelistet: Davon sind vier schon außer Handel, neben Aspen Germany bleibt ein einziger Anbieter: Ratiopharm. Den Cotrim-Saft des Herstellers gibt es in zwei Stärken. Der Preis für das Cotrim K ratio 200+40 mg/5 ml (PZN 17550609) lag zuletzt einen Euro über Festbetrag.

Neuere Makrolide

In der Gruppe der neueren Makrolide konnten bislang mehrere Hersteller dem Festbetrag nicht entsprechen: Neben Viatris (Klacid) – zwischen fünf und 20 Euro betrug hier die Differenz – lagen auch Hexal und Pfizer (Zithromax) einige Euro darüber.

Ibuprofen und Paracetamol

Für Ibuprofen und Paracetamol gilt die Regelung sowohl für den Sirup als auch die Suspension zum Einnehmen, allerdings nur für Paracetamol greift sie auch bei Zäpfchen. Hier sind auch Dosierungen für Erwachsene mit dabei.

Zuletzt hatte Ratiopharm die Preise sowohl für den Ibuprofen- als auch den Paracetamolsaft deutlich über Festbetrag angehoben. Abgesehen von der etwa einen Euro zu teuren 2-prozentigen Suspension von AbZ liegt nur die 4-prozentige Zubereitung von Johnson & Johnson (Dolormin) 22 Cent über dem Festbetrag. Die anderen Sorten, darunter auch der begehrte Nurofen-Saft, überschritten das Festbetragsniveau ohnehin nicht.

Bei Paracetamol-Zäpfchen hingegen fielen hingegen fast immer Aufzahlungen an, der Festbetrag ist mit 1,21 Euro (125 mg) beziehungsweise 1,46 (250 mg) sehr niedrig: Neben Mehrkosten-Klassiker Ben-u-ron waren auch Ratiopharm und Stada zuletzt „zu teuer“ geworden, zwischen einem und zwei Euro Differenz zahlten die Eltern dann selbst.

Cheplapharm (Paracetawal) ist einer der wenigen höherpreisigen Anbieter, der sich noch nicht zurückgezogen hat, die Zäpfchen kosten zwischen 3,12 Euro (125 mg) und 3,20 (250 mg). Denk, 1 A und Dr. Theiss (Enelfa) haben der Produktion längst den Rücken gekehrt.

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