Paracetamol: Aufzahlung bei Fiebersaft | APOTHEKE ADHOC
Ratiopharm mit Preiserhöhung

Paracetamol/Ibuprofen: Aufzahlung bei Fiebersaft

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Berlin -

Ab Januar zahlen die Kassen mehr Geld für Paracetamol – die Festbeträge steigen. Allerdings viel zu wenig, findet man bei Ratiopharm. Der Hersteller hat bereits den Preis angehoben, sodass Eltern seitdem draufzahlen müssen.

Zum 1. Oktober hat Ratiopharm den Preis für seine Paracetamol-Lösung von 3,14 auf 4,97 Euro angehoben. Damit werden seitdem 1,83 Euro an Mehrkosten fällig, was in vielen Apotheken angesichts des Lieferengpasses noch gar nicht aufgefallen sein dürfte.

Laut Ratiopharm war der Schritt notwendig, um wirtschaftlich produzieren zu können. „Das war kein leichter Schritt für uns, da die Patientinnen und Patienten jetzt Zuzahlungen leisten müssen“, so Geschäftsführer Andreas Burkhardt.

Festbetrag bringt keine Besserung

Auch wenn die Kassen ab Januar 18 Cent mehr zahlen, bleibt eine Aufzahlung von 1,68 Euro. „Die Erhöhung bringt uns umgerechnet 7 Cent mehr pro Flasche – zu wenig, um aus dem Minusgeschäft rauszukommen“, sagt Burkhardt. „Es ist ein positives Signal, das Grundproblem aber bleibt.“

Bene als zweiter Anbieter liegt mit 6,01 Euro für den Benuron-Fiebersaft seit jeher über Festbetrag; hier müssen entsprechend 2,87 Euro aus eigener Tasche bezahlt werden. Eine Preiserhöhung gibt es aktuell nicht. Allerdings werden die Produkte ohnehin überwiegend in der Selbstmedikation verkauft – und wenn sie verordnet werden, sind sie aufgrund des geringen Preises ohnehin komplett selbst zu bezahlen.

Verschiedene Kostensparinstrumente halten den Preis für Fiebersäfte laut Branchenverband Pro Generika seit Jahren im Keller. Weil die Produktion nicht mehr wirtschaftlich war, stiegen immer mehr Hersteller aus. Seit Mai versorgt Ratiopharm allein über 90 Prozent des Marktes – und hat dabei mit explodierenden Kosten zu kämpfen: Allein der Preis für den Wirkstoff Paracetamol ist um 70 Prozent gestiegen.

Auch Ibu-Saft betroffen

Dasselbe gilt für den Ibuprofen-Saft: Hier ist der Preis für den Kindersaft à 20 mg/ml von 3,43 auf 4,95 Euro gestiegen und damit 1,52 Euro über Festbetrag. Der Saft für Erwachsene à 40 mg/ml kostet jetzt 5,19 statt 4,53 Euro und damit 19 Cent mehr als die Kassen erstatten.

Auch bei Ibuprofen-Fiebersaft herrscht eine signifikante Marktkonzentration. Hier hat Zentiva rund zwei Drittel des Marktes zu versorgen; allerdings hat der Hersteller derzeit keine Preise angepasst. Auch hier ist das Preisniveau laut Pro Generika ein Problem. Für Geschäftsführer Bork Bretthauer ist das Erstattungssystem für Kinderarzneimittel eine Ursache für die aktuelle Knappheit: „Wer Kinderarzneimittel herstellt, wird bestraft. Kinder benötigen Säfte – und die sind teurer und aufwendiger zu produzieren. Die Festbeträge berücksichtigen das nicht ausreichend, das muss sich ändern!“

Aufzahlung bei Kinder-Antibiotika

Erst gestern hatte Infectopharm bekannt gemacht, dass zum 1. Dezember die Preise der antibiotischen Säfte über den Festbetrag steigen. „Damit wird ein großer Teil aller für Kinder verordneten Antibiotika-Säfte nur noch mit Zuzahlung erhältlich sein“, so das Unternehmen. Das Problem: Es gibt zu den Präparaten des Herstellers oft keine Alternativen in derselben Wirkstoffstärke. Für diese Darreichungsform ist Infectopharm für die Wirkstoffe Cefadroxil und Cefixim inzwischen sogar der einzige Anbieter in Deutschland.

„Erhöhte Material- und Personalkosten, steigende regulatorische Anforderungen, zusätzliche Anforderungen wie Serialisierung oder Zwangsrabatte“ machten die Herstellung unwirtschaftlich, erklärt der Mittelständler. Auch sei die Herstellung von Kinderarzneimitteln aufgrund niedrigerer Absatzmengen und höherer Produktionskosten teurer als andere Darreichungsformen. In einem offenen Brief an Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) haben die beiden Firmenchefs Philipp Zöller und Dr. Markus Rudolph vor Versorgungsengpässen gewarnt.

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