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Elektronische Patientenakte

CompuGroup: Ärzte bekommen Klinikakte

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Berlin -

Die Klinikkette Rhön und der Softwarekonzern CompuGroup Medical (CGM) machen bei der Einführung der elektronische Patientenakte Druck. Seit Oktober ist das „WebEPA+“ benannte System auf dem Markt und im Einsatz. Die Patientenakte soll zunächst Haus-, Fach- und Klinikärzte miteinander vernetzen. Später sollen auch Apotheker einbezogen werden können. Denn die Patientenakte enthält auch Medikationsdaten.

Die Zentralklinik Bad Berka sowie das Klinikum Frankfurt (Oder) sind die ersten Rhön-Krankenhäuser, die an dieses Netzwerk angeschlossen sind. Weitere Kliniken sollen in Kürze folgen. Über die EDV-Systeme von CGM sind zudem rund 60 Prozent der niedergelassenen Ärzte angebunden. Praxen mit anderen Softwaresystemen können online darauf zugreifen, was aber weniger komfortabel ist als die Einbindung in das Arztinformationssystem.

Die elektronische Akte WebEPA+ kann nach Angaben von Rhön für jeden Patienten alle medizinisch relevanten Informationen wie Bilddaten, Diagnosen oder Medikationen aufnehmen. Alle Informationen würden verschlüsselt gespeichert und nie ohne das ausdrückliche Einverständnis des Patienten weitergegeben, versichert ein Konzernsprecher. Die Zustimmung wird im Zuge des Behandlungsvertrags mit eingeholt. Unterschreibt der Patient, können die Daten an Praxen weitergegeben werden. Eine Differenzierung ist dabei nicht möglich, wäre aus Sicht von CGM aber auch weder zielführend noch administrativ darstellbar.

Die Daten können von den verschiedenen Ärzten, die am Behandlungsprozess beteiligt sind, individuell abgerufen werden. „So schafft WebEPA+ein Netzwerk, das die Behandlung der Patienten beschleunigen und vereinfachen kann. Alle wichtigen Gesundheitsdaten liegen den Ärzten darin aktuell und übersichtlich vor.“

„Von WebEPA+ profitieren Haus-, Fach- und Krankenhausärzte gleichermaßen“, so Julian Laufer, der bei Rhön die Konzern-IT leitet. Nach dem Start in den Kliniken in den beiden Häusern wird WebEPA+ in allen zehn Krankenhäusern und Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) der Rhön-Klinikkette sowie deren Kooperationskliniken eingeführt. Den größten Teil seiner Standorte hatte Rhön 2013 an Helios verkauft.

Ausgangspunkt der Patientenakte ist zunächst ein Aufenthalt in einer Rhön-Klinik. Dort tragen die Ärzte alle Patientendaten in einen zentrale Datei an, auf die alle Krankenhausärzte Zugang haben. Nach der Entlassung wird die Akte auch ambulant behandelnden Ärzte zur Verfügung gestellt. So ist der Hausarzt nach dem Krankenhausbesuch auf der Höhe des Wissens, wenn der Patient zur Nachbehandlung kommt. „Wenn sie heute zum Arzt gehen, dann möchten sie, dass der behandelnde Arzt schon alle Gesundheitsinfos hat“, sagt Vorstand Bernd Griewing.

Denkbar ist allerdings auch der umgekehrte Weg: Über die Praxissoftware kann auch der Hausarzt eine Patientenakte mit Zustimmung des Patienten anlegen. Das System werde von Rhön eingerichtet und zur Verfügung gestellt, so der Konzernsprecher. Weder Patienten noch Ärzte müssten dafür bezahlen. Für Ärzte, die keine Praxissoftware der CompuGroup nutzen, soll es ein Tool zur Einwahl in das System geben.

„Aktuell haben Apotheker noch keinen Zugang zur WebEPA+, weil der Schwerpunkt zunächst auf der Vernetzung der Ärzteschaft lag. Für die Zukunft ist allerdings eine Einbeziehung der Apotheker durchaus denkbar“, so der Rhön-Sprecher. CGM ist mit Lauer-Fischer in den Apotheken vertreten.

Zunächst ist die elektronische Patientenakte nur in der Arztpraxis oder in einer Rhön-Klinik einsehbar. Dass soll sich aber ändern: Ab Ende 2017 soll es eine „patientengeführte elektronische Akte“ geben. Über ein gesichertes Portal sollen Patienten dann Einblick in ihre Daten erhalten. Dort sollen dann auch über Wearables gewonnene Daten über sportliche Aktivitäten direkt über eine App übertragen werden können. Offenbar stößt das neue Angebot auf positive Resonanz bei den Patienten: „Wir haben bislang mehr als 90 Prozent Zustimmung“, so Griewing.

Für CGM ist die elektronische Patientenakte das wichtigste Zukunftsthema: „Jeder Mensch soll seine Behandlung mitgestalten können und Spaß an der Erhaltung der eigenen Gesundheit haben. Er muss informiert und aktiv beteiligt werden. Wir beziehen Patienten ein und stellen ihnen persönliche medizinische Daten elektronisch zur Verfügung – ganzheitlich und sicher“, heißt es auf der Website. „CGM gestaltet diese Revolution für die Gesundheit: Mit uns stehen Arzt und Patient über die Praxiswebsite in direktem Kontakt – ob Terminanfrage, Rezepterneuerung, Online-Sprechstunde oder der Abruf von Befunden.“

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