Wahlsoziologie

Attraktive Politiker haben mehr Chancen dpa, 11.01.2018 17:43 Uhr

Berlin - Wer gut aussieht, bekommt bessere Jobs. Gut aussehende Verkäufer erzielen höhere Umsätze. Und auch in der Politik gilt offenbar: Wer attraktiv ist, gewinnt. Zumindest die Wahlkampagne von FDP-Chef Christian Lindner zielte wohl auf diesen Effekt.

Dass Attraktivität das Wahlergebnis beeinflussen kann, belegt der Düsseldorfer Soziologe und Attraktivitätsforscher, Professor Dr. Ulrich Rosar, in einer Untersuchung der 1786 weiblichen und männlichen Direkt- und Spitzenkandidaten bei der Bundestagswahl 2017. Das Ergebnis: Im Vergleich zu den Wahlen 2002 bis 2013 hatte die Attraktivität den bislang größten Einfluss. Im Extremfall könne ein Kandidat mit hoher Attraktivität fünf Prozentpunkte mehr bei den Erststimmen gewinnen, bei den Zweitstimmen bis zu drei Prozentpunkte, sagt Rosar. Auch die Wahlbeteiligung in einem Wahlkreis erhöhe sich, je attraktiver die Kandidaten im Durchschnitt sind.

Am Anfang der Studie stand eine Art Schönheitswettbewerb: Zwölf Frauen und zwölf Männer begutachteten als Testpersonen komplett anonymisierte Fotos aller Kandidaten. Von zehn prominenten Spitzenkandidaten landete Sahra Wagenknecht (Linke) als attraktivste Politikerin auf Platz eins. Sie kam auf der von 0 (sehr unattraktiv) bis 6 (sehr attraktiv) reichenden Skala auf einen Wert von etwa 4. Zweiter wurde Lindner mit 3,4 und Dritte Alice Weidel (AfD) mit 3,25 – beide also eher mittelschön.

Schlusslicht ist Alexander Gauland (AfD) mit nur 0,54 Punkten. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) kommt auf Rang neun mit einem Wert von etwa 1 und SPD-Chef Martin Schulz auf Platz acht mit 1,67 – also eher unattrakt

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