Retaxationen

Sonder-PZN: DAV widerspricht Barmer

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Berlin -

Die Sonder-PZN wackelt. Deshalb beschäftigt die aktuelle Retaxwelle der Barmer auch den Deutschen Apothekerverband (DAV). Auf der kommenden Sitzung der Arbeitsgruppe Retaxation am Donnerstag wollen die Experten der Landesapothekerverbände (LAV) die Lage analysieren. Dort soll ein Überblick über die aktuelle Situation erarbeitet werden. Vorab widerspricht der DAV schon mal der Kasse: Nullretaxationen bei Rezepten der Akut- und Notfallversorgung seien unzulässig.

„Sofern es sich um Retaxationen handelt, die mit einem Verstoß gegen die Abgabebestimmung gemäß Paragraf 4 Absatz 4 des Rahmenvertrages begründet werden, sieht der DAV kein Recht zur Vollabsetzung“, so ein Sprecher auf Nachfrage. Allenfalls käme ein Recht auf Teilretaxierung in Betracht, „da der Barmer ein Schaden lediglich in anteiliger Höhe zum Abrechnungswert entstanden sein kann“. Ob die Voraussetzungen dafür erfüllt seien, hänge davon ab, ob weitere, die Belieferung „ausschließende Gründe wie vor allem die Nichtverfügbarkeit der Arzneimittel gegeben sind“, so der DAV-Sprecher.

Damit widerspricht der DAV der Auffassung der Barmer. Die Kasse hält eine Nulltretaxation für zwingend: „Eine Vollabsetzung erfolgt, wenn gegen die Vereinbarungen zur Arzneimittelauswahl im Rahmenvertrag verstoßen wird, denn in diesem sind alle Lieferberechtigungen und -verpflichtungen geregelt“, so die Barmer. Nachzulesen sei das im Urteil des Bundessozialgerichts (BSG): „Den Apotheker trifft die Pflicht, ordnungsgemäß vertragsärztlich verordnete Arzneimittel nur im Rahmen seiner Lieferberechtigung an Versicherte abzugeben.“

Verletze er diese Pflicht, sei dies sein Risiko: „Die Krankenkasse muss für nicht veranlasste, pflichtwidrige Arzneimittelabgaben nichts zahlen.“ Missachten Apotheker Rabattverträge, können die Kassen also den kompletten Betrag retaxieren. Die Vollabsetzung ist laut Barmer demnach „selbstverständlich zulässig“, der Auszug aus dem Urteil sei „unmissverständlich“.

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