Nachbarschaftshilfe gegen Engpässe

Ärztekammer: „Flohmarkt“ war nicht wörtlich gemeint

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Berlin -

Viele Apotheker:innen reagierten gestern bestürzt auf den Vorschlag von Ärztepräsident Dr. Klaus Reinhardt, im Kampf gegen die Engpässe auch „Flohmärkte für Medikamente“ zu erlauben. War es vielleicht ein Missverständnis – oder war der Vorschlag gar nicht ernst gemeint? Ein Sprecher der Bundesärztekammer (BÄK) bemüht sich um Schadensbegrenzung.

Mit seinen „pointierten Äußerungen“ im Berliner Tagesspiegel habe Reinhardt auf die derzeit angespannte Versorgungslage mit Arzneimitteln aufmerksam gemacht, so der Sprecher. Immerhin bestehe aktuell ein Lieferengpass für mehr als 330 Medikamente, unter anderem bei fiebersenkenden Mitteln.

„Vor dem Hintergrund der aktuellen Infektionswelle und der daraus mitverursachten Arzneimittelknappheit sollten sich Menschen im Familien- und Freundeskreis mit nicht-verschreibungspflichtigen, originalverpackten Arzneimitteln aushelfen“, stellt der Sprecher klar. „Selbstverständlich ist damit kein ‚Flohmarkt‘ im wörtlichen Sinne gemeint, sondern ein Akt der Solidarität der Gesunden mit ihren erkrankten Mitmenschen. Solche Formen der Nachbarschaftshilfe sollten in schwierigen Zeiten eine Selbstverständlichkeit sein.“

In dem Interview hatte Reinhardt die Bevölkerung dazu aufgerufen, sich wegen der Engpässe gegenseitig mit Medikamenten aus der Hausapotheke auszuhelfen: „Jetzt hilft nur Solidarität. Wer gesund ist, muss vorrätige Arznei an Kranke abgeben“, sagte er. „Wir brauchen so was wie Flohmärkte für Medikamente in der Nachbarschaft.“ Und damit nicht genug: Auch Arzneimittel, deren Haltbarkeitsdatum bereits einige Monate abgelaufen sei, könnten noch gefahrlos verwendet werden.

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