Kommentar

Abda: Witze statt Werte

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Berlin -

Die Zukunft der Apotheken steht auf dem Spiel – und jetzt auch das gesellschaftliche Ansehen. Die Nachwuchskampagne der Abda ist weder witzig noch mutig oder gar fresh und hip. Sie ist unglaubwürdig und bagatellisiert die Leistung der Apotheken mitten in der größten politischen Krise seit Jahrzehnten. „Bock zu ticken? Nein!“

„How to sell drugs (offline) fast“ – mit diesem Motto ist die neue Nachwuchskampagne der Abda ganz nah dran an der Netflix-Serie „How to sell drugs (online) fast“. Man spiele „proaktiv mit der Doppeldeutigkeit“, heißt es von der Kommunikationsabteilung. Drugs = Drogen, aber auch Drugs = Arzneimittel.

Ein trivialer Sprachwitz alleine macht allerdings noch keine gute Kampagne. Schon gar nicht, wenn es in der aktuellen politischen Phase darum geht, den Wert der Arbeit in der Apotheke ins Bewusstsein zu rücken – und mit allen Mitteln ein weiteres Abrutschen in die Ertrags- und Bedeutungslosigkeit zu verhindern.

Apotheke steht für Genauigkeit, Verantwortungsbewusstsein, seriöse Beratung und sichere Arzneimittel. Mit Claims wie „Deine Oma kauft ihren Stoff bei mir!“ oder „Bei uns gibt es nur das gute Zeug!“ zeichnet die Nachwuchskampagne ein anderes, völlig verzerrtes Bild.

Natürlich kommt in der Debatte schnell das Argument, dass der Köder dem Fisch schmecken muss und nicht dem Angler. Und dass man die Aufmerksamkeit der Jugend nicht mit Werten, sondern mit Witzen gewinnt. Aber der Versuch, die Apotheke aus der verstaubten Ecke zu holen, sollte auch gelingen, ohne einen Berufsstand ins kriminelle Licht zu rücken und der täglichen Leistung die Wertschätzung zu nehmen.

Apotheker und PTA als Dealer im HV – mit diesem Motiv lässt sich kein Nachwuchs gewinnen: Wer will in einem Beruf arbeiten, in dem man sich selbst nicht so ganz ernst nimmt? Oder andersherum: Welche Bewerber will man eigentlich erreichen, wenn man die eigentlichen Ansprüche an die eigene Arbeit einem billigen Witz opfert. Der zu Ende gedacht übrigens bedeutet, dass man im Gefängnis landet – so wie es den Protagonisten der Netflix-Serie geschehen ist.

Der Arbeitsplatz in der Apotheke wird nicht deswegen attraktiv, weil man hier vermeintlich einen schnellen Euro machen kann. Dieses Versprechen lässt sich derzeit bekanntlich ohnehin nicht halten – und auch deswegen bleibt der Nachwuchs fern. Andere Kampagnen müssen jetzt Vorrang haben! Denn wenn das Apothekensterben ungehindert voranschreitet, wird sich noch weniger Nachwuchs auf den Job einlassen.

Nicht nur beim Motiv hat die Abda übrigens Geschmacklosigkeit bewiesen, sondern auch beim Zeitpunkt der Bekanntgabe: Erst in der vergangenen Woche wurden Apotheken unter Generalverdacht gestellt, illegal mit Paxlovid zu handeln. „Bock zu ticken“ – mit solchen Aussagen sollte man gerade lieber vorsichtig sein. So gesehen könnte es ganz gut sein, dass man mit Schlagwörten wie „drugs“ und „sell“ und „online“ mit hoher Wahrscheinlichkeit im Spamfilter landet.

Und so richtig originell ist die Idee übrigens auch nicht. Unter dem adaptierten Motto „Selling meds online“ läuft beim Versender Apo.com seit Ende 2022 eine Employer-Branding-Kampagne. Und die Schuhkette Deichmann hatte den Claim im November 2022 gekapert und zur damaligen Black Week die Kampagne „How to sell shoes online (günstig)“ gestartet.

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