Malariamittel gegen Coronavirus

Tropeninstitut will Chloroquin testen

, , Uhr
Berlin -

Der Wirkstoff Chloroquin steht weiterhin ganz oben auf der Liste der potenziellen Therapie-Kandidaten gegen Covid-19. Nun will das Tübinger Institut für Tropenkrankheiten die Substanz testen.

Start in der kommenden Woche

Bereits in einer chinesischen klinischen Studie erwies sich der Wirkstoff als wirksam gegen Sars-CoV-2. Nun will das Tübinger Institut für Tropenmedizin das den Wirkstoff Chloroquin im Kampf gegen Corona-Erkrankungen testen: Wie Institutsdirektor Peter Kremsner am Mittwoch mitteilte, soll in der kommenden Woche mit einer Studie an Menschen begonnen werden.

Malariamittel gegen Covid-19?

Eigentlich war das Mittel lange gegen Malaria auf dem Markt. Laut Kremsner wirke es aber auch gegen viele Viren – auch
gegen Sars-CoV-2, wie zumindest Versuche im Reagenzglas zeigten. In China und Italien sind Kremsner zufolge sehr viele Covid-19-Patienten mit Chloroquin behandelt worden. Unklar sei aber, ob mit Erfolg, da die Erkrankten Chloroquin teils in sehr hoher Dosierung und gemeinsam mit vielen weiteren Medikamente bekommen hätten. „Es kann auch sein, dass es nicht wirkt oder sogar schadet“, sagte Kremsner.

Die Tübinger Tropenmediziner wollen mit Chloroquin eine moderat an Covid-19 erkrankte Testgruppe behandeln und einer Kontrollgruppe Placebos verabreichen. Der Antrag für die Studie sollte am Mittwoch bei der Tübinger Ethikkommission eingereicht werden. Medikamente sind immer nur für bestimmte Krankheiten zugelassen, zuständig dafür ist das Bonner Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArm). Ärzte können sie nur in Ausnahmefällen davon abweichend in Heilversuchen an einzelne Patienten geben.

Chinesische Studie zeigte gute Ergebnisse

Chloroquin konnte sich bereits in einer chinesischen klinischen Studie als wirksam gegen SARS-CoV-2 profilieren, wie der Leiter des Instituts für Infektionskrankheiten in Marseille, Didier Raoult erklärte. Er stützt seine Aussagen auf eine Untersuchung von drei chinesischen Forschern, die in der Fachzeitschrift „BioScience Trends“ erste Ergebnisse der Studie veröffentlichten. An der klinischen Studie nahmen mehr als hundert Patienten teil. Laut Artikel sei die Behandlung mit Chloroquin „wirksamer“ als die Behandlung mit Placebo. Genaue Zahlen nannten die Forscher der Universität Qingdao im Artikel nicht. Für Raoult wären die Ergebnisse eine „außerordentliche Nachricht“, denn der Wirkstoff sei sehr preisgünstig.

Der Arzneistoff Chloroquin wurde über 60 Jahre lang von Bayer unter dem Namen Resochin vertrieben – im November letzten Jahres hat der Konzern den Vertrieb aller Resochin-Produkte eingestellt. Grund dafür ist, dass die Herstellung des Arzneistoffes Chloroquinphosphat nicht mehr in der erforderlichen Qualität erfolgen kann. Die weltweite Suche nach einem alternativen Hersteller verlief laut Konzern erfolglos, sodass die Produktion zum Stoppen kam. Unklar ist bisher, woher die Substanz für die Testungen des Instituts stammen.

Weitere Kandidaten in der Testung

Ein weiterer Kandidat ist der Wirkstoff Remdesivir, der ursprünglich zur Behandlung des Ebola-Fiebers entwickelt wurde: Er zeigt gute Ergebnisse bei der Behandlung von Covid-19-Patienten. Nun soll er auch an der Uniklinik Düsseldorf erprobt werden. Auch chinesische Forscher starteten zwei klinische Studien mit dem Wirkstoff, da der genaue Wirkmechanismus gut bekannt ist: Das Prodrug hemmt nach seiner Aktivierung die RNA-Polymerase, die auch das neue Coronavirus braucht, um sich innerhalb der infizierten Zellen vermehren zu können. Die ersten beiden randomisierten klinischen Studien werden am China-Japan Friendship Hospital in Beijing durchgeführt: In den nächsten Wochen sollen 308 Patienten mit milder oder mittelschwerer und 452 Patienten mit schwerer Pneumonie durch eine bestätigte Sars-CoV2-Infektion auf eine Behandlung mit Remdesivir oder Placebo randomisiert werden. Die Studien sollen Anfang April abgeschlossen sein.

Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz

Lesen Sie auch
Neuere Artikel zum Thema

APOTHEKE ADHOC Debatte

Weiteres
„Überragende marktübergreifende Bedeutung“
Amazon: Kartellamt schaut genauer hin»
AHD strukturiert weiter um
Gehe in Magdeburg schließt»
Auf antibakterielle Wirkstoffe besser verzichten
Hautcremes können dem Mikrobiom schaden»
Erste Leitlinie für Diagnose & Behandlung
Vitiligo: Wenn der Haut die Pigmente fehlen»