Insulin

Novo Nordisk verlängert Tresiba-Frist

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Berlin -

Novo Nordisk verlängert die Übergangsfrist für das Langzeitinsulin Tresiba (Insulin degludec). Damit will der Hersteller nach eigenen Angaben eine sichere Umstellung aller Patienten auf ein anderes Basalinsulin ermöglichen. Entgegen der ursprünglichen Ankündigung wird das Unternehmen das Produkt Anfang Oktober nicht sofort außer Vertrieb nehmen.

Ein großer Teil der Tresiba-Patienten sei noch nicht umgestellt worden, heißt es von Novo Nordisk. Das zeige sich in den Marktdaten. Geschäftsführerin Krisja Vermeylen appellierte daher an Ärzte und Patienten, aktiv zu werden und die Therapie umzustellen. Das Unternehmen behalte sich weiter vor, den Vertrieb auch kurzfristig einzustellen.

Der vom Hersteller ausgewiesene Zusatznutzen war vom Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) nicht anerkannt worden. Grund waren formale Mängel; Novo Nordisk hatte Wirksamkeitsstudien teilweise zurückgehalten oder geschwärzt. Das Unternehmen begründete dies mit Betriebsgemeinnissen, die es schützen müsse. Der GKV-Spitzenverband hatte den Preis nach der Entscheidung des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) auf den eines Insulins ohne Zusatznutzen festgesetzt. Der Hersteller kündigte daraufhin an, das Langzeitinsulin nur noch bis September nach Deutschland liefern zu wollen. 40.000 Diabetiker wurden zu jenem Zeitpunkt mit dem Insulin behandelt.

Novo Nordisk erklärte, dass der Festbetrag nicht akzeptabel sei: Der niedrige Preis untergrabe die Möglichkeit, Forschungen im Bereich der Insulinprodukte voranzutreiben. Tresiba werde deshalb vom deutschen Markt genommen. Das habe keinen Einfluss auf die Verfügbarkeit des Präparats in den anderen 29 Ländern. Novo Nordisk entschuldigt sich für Ärzten und Patienten entstehende Schwierigkeiten.

Zum 1. Juni hatte Astellas Betmiga (Mirabegron) vom Markt genommen. Nach Abschluss des Schiedsstellenverfahren werde man die Situation erneut prüfen, teilte der Hersteller mit. Auch andere Hersteller haben so bereits Druck gemacht. AstraZeneca hatte mit dem Antidiabetikum Forxiga (Dapagliflozin) Glück: Wenige Monate nach der kalkulierten Auslistung konnten sich der Konzern und sein Partner Bristol-Myers Squibb (BMS) doch noch mit dem GKV-Spitzenverband auf einen Erstattungspreis einigen.

Andere Hersteller haben den Rückzug vom Markt durchgezogen: Novartis boykottiert die deutschen Patienten bei Galvus (Vildagliptin) und Eucreas (Vildagliptin/Metformin), GlaxoSmithKline bei Trobalt (Retigabin), Janssen bei Invokana (Canagliflozin) und Vokanamet (Canagliflozin/Metformin), Sanofi bei Lyxumia (Lixisenatid) und Almirall bei Constella (Linaclotid). Eisai hat bei Fycompa (Perampanel) ein spezielles Importprogramm aufgelegt.

Tresiba kann laut Zulassung zusammen mit einem kurzwirksamen Insulin bei Patienten mit Typ-1-Diabetes eingesetzt werden. Bei Typ-2-Diabetes wird das Präparat als Monotherapie oder in Kombination mit oralen Antidiabetika oder kurzwirksamen Insulinen angewendet. Das Medikament bietet laut Novo Nordisk den Vorteil, dass es eine Langzeitwirkung von bis zu 42 Stunden hat. Das gebe Diabetikern mehr Flexibilität, wenn eine Anwendung zum täglich gleichen Zeitpunkt nicht möglich sein sollte.

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