Hypoglykämien durch Tramadol?

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Berlin -

Unter den Analgetika gilt Tramadol als sichere Behandlungsalternative im Vergleich zu anderen Opioiden. Forscher aus Kalifornien analysierten nun die Datenbank der US-Arzneimittelbehörde FDA zu unerwünschten Arzneimittelwirkungen (UAW). Die Ergebnisse geben Hinweise darauf, dass es unter der Therapie mit Tramadol zu schweren Hypoglykämien kommen kann.

Zur Ermittlung von bisher nicht bekannten UAW können Ärzte, Apotheker und Patienten das „FDA Adverse Reporting System“ (FAERS) nutzen. Mithilfe dieses in den USA häufig in Anspruch genommenen Systems wurde festgestellt, dass die Einnahme von Tramadol schwere Fälle von Hypoglykämien nach sich gezogen hat – sowohl bei Diabetikern wie auch bei Nicht-Diabetikern. Von Anfang 2004 bis August 2012 sind insgesamt 12 Millionen UAW-Meldungen in das System eingegangen, darunter waren 6355 Fälle, die mit Tramadol in Verbindung standen. In 1,13 Prozent dieser Fälle war es zu einer Hypoglykämie gekommen. Diese war definiert als ein Abfall des Blutzuckers auf unter 70 mg/dl.

Bei anderen Opioiden wurde diese Nebenwirkung deutlich seltener gemeldet: Ein Team der Universität von Kalifornien berechnete die Reporting Odds Ratio (ROR) von verschiedenen Wirkstoffen: Bei Tramadol war diese im Vergleich zu anderen Opioiden deutlich erhöht: Gegenüber Morphin betrug sie 26,19 und gegenüber Fentanyl sogar 32,69. Nur Methadon wurde annähernd so häufig mit einer Hypoglykämie in Verbindung gebracht wie Tramadol. Daher könnte möglicherweise auch Methadon das Risiko von Unterzuckerungen erhöhen.

Tramadol wurde nicht nur mit anderen Opioiden verglichen, sondern auch mit Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmern und NMDA-Antagonisten, da der Wirkstoff nicht nur auf Morphin-Rezeptoren, sondern auch auf die Wiederaufnahme der Neurotransmitter Serotonin und Noradrenalin Einfluss nimmt. Auch hier war das Hypoglykämie-Risiko von Tramadol signifikant höher: Die ROR lagen zwischen 5,16 im Vergleich mit Venlafaxin und 19,90 im Vergleich mit Desvenlafaxin. Auch gegenüber den NMDA-Antagonisten Atomoxetin, Memantin und Minocyclin war ein erhöhtes Risiko nachweisbar.

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