Gebärmutterhalskrebs: Impfstoff als Therapie

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Berlin -

Gebärmutterhalskrebs ist die dritthäufigste Krebsart. 140.000 Frauen werden jedes Jahr aufgrund eines krebsverdächtigen Befundes am Gebärmutterhals operiert. Die Diagnose Krebs erhalten 4600 Frauen – ein Drittel stirbt. Dabei könnten die Zahlen geringer ausfallen, denn bereits seit mehr als zwölf Jahren gibt es eine Impfung. Aber die Impfquote in Deutschland liegt bei gerade einmal 42 Prozent. Wissenschaftlern vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist es gelungen, einen therapeutischen Impfstoff zu entwickeln, der Gebärmutterhalskrebs bekämpfen soll. Im Mausmodell war dieser bereits erfolgreich.

Impfung als Therapie: Humane Papillomviren (HPV) sind Auslöser von Gebärmutterhalskrebs. Die Viren können über Mikroverletzungen in die Schleimhaut eindringen und so die Epithelzellen der Basalzellschicht infizieren und diese unkontrolliert wuchern lassen. Übertragen werden die HPV durch Vaginal-, Anal oder Orogenitalsex. Eine Infektion mit HPV kann zu Tumoren im Bereich des Gebärmutterhalses, der Vagina, Vulva und des Penis führen sowie zu Anal-, Mund- und Rachenkarzinomen. Eine Impfung kann vor einer Infektion schützen, allerdings ist diese wirkungslos, wenn die Betroffenen bereits mit dem Virus in Kontakt gekommen sind. Im Handel sind zwei Impfstoffe – die neunvalente Vakzine Gardasil 9 (MSD) und die bivalente Vakzine Cervarix (GSK).

Nach einer Schutzimpfung werden Antikörper gebildet, die nur vor einer möglichen künftigen Infektion schützen. Eine therapeutische Impfung kann dagegen eine bereits bestehende Infektion und deren mögliche Folgen behandeln. „Unser Ziel ist es, einen therapeutischen Impfstoff zu entwickeln, mit dem Menschen behandelt werden können, die bereits eine HPV-Infektion und möglicherweise auch schon einen HPV-bedingten Krebs oder Krebsvorstufen haben“, sagt Angelika Riemer vom DKFZ. „Eine therapeutische Impfung stimuliert das Immunsystem, so dass es sich gegen infizierte oder entartete Zellen wendet und sie abtötet.“ Denn eine therapeutische Impfung ruft zytotoxische T-Zellen auf den Plan, die in der Lage sind, winzige Molekülstrukturen der HPV auf der Oberfläche der infizierten Zellen zu erkennen und abzutöten.

Im Mausmodell war das Forscherteam bereits erfolgreich. „Bei der Hälfte der geimpften Mäuse verschwanden die Tumoren vollständig“, erzählt Riemer. Die entwickelte Vakzine enthält die Epitope, die auch auf der Oberfläche des Tumors lokalisiert sind. In Folge der Impfung werden diese Proteinstrukturen in die Lymphknoten transportiert. „Das ist besonders effizient, um eine Immunantwort auszulösen, denn dort sind alle Immunzellen vorhanden, die für eine Abwehrreaktion erforderlich sind.“

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